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DOKUMENTATION: Kunstplattformen im Wandel

In der Kunsthalle Luzern können Kunstschaffende seit über zwanzig Jahren ihre Portfolios deponieren. Über die Vor- und Nachteile eines Angebots, das dem Trend zur digitalen Selbstvermarktung eigentlich entgegensteht.
Tiziana Bonetti
Die Kunsthalle Luzern hat ihre Basis-Dokumentationsstelle derzeit in eine Ausstellung integriert. (Bild: Kilian Bannwart/PD)

Die Kunsthalle Luzern hat ihre Basis-Dokumentationsstelle derzeit in eine Ausstellung integriert. (Bild: Kilian Bannwart/PD)

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Basis-Dokumentationsstelle der Kunsthalle Luzern und das Kunstforum Zentralschweiz sind mehr als verstaubte Archive und Datenbanken: Ob analog oder digital, fungieren Kunstplattformen wie diese als Knotenpunkt zur Vernetzung von Kunstschaffenden und der Präsentation ihrer Portfolios.

Mit der derzeitigen Gruppenausstellung «Leichtbekömmlich» überführt der Leiter der Kunsthalle Luzern Michael Sutter in Kooperation mit der kuratorischen Assistenz Shannon Zwicker die Basis-Dokumentationsstelle in die Sichtbarkeit: In dichter Hängung sind Arbeiten von über 90 der insgesamt 182 vertretenen Kunstschaffenden aus der Region zu sehen. Die Ausstellung ist damit zugleich eine Momentaufnahme des gegenwärtigen Kunstschaffens in der Zentralschweiz.

Deponieren kostet 30 Franken

1996 von Graziella Berger und Stephan Wittmer, dem damaligen Leiter der Kunsthalle Luzern, aus der Taufe gehoben, ist die Basis-Dokumentationsstelle ein analoges Archiv. Für einen Jahresbeitrag von 30 Franken können Kunstschaffende der Zentralschweiz ihr Portfolio und ihre Werkdokumentation deponieren, sofern sie die Aufnahmekriterien erfüllen. Neben der Aufbewahrung sind die Künstlernamen in alphabetischer Reihenfolge auf der Website der Kunsthalle Luzern mit E-Mail und Webseite verlinkt. Das Verlinken und Vernetzen dient den Künstlern, ihr Schaffen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen sowie andererseits, Kontakte zu regionalen Akteuren aus der Kunstszene zu knüpfen.

Ist das Archiv vergleichbarer Kunstplattformen inzwischen oftmals online im Netz abrufbar, hält die Kunsthalle Luzern an der analogen Variante fest. Grund dafür ist nicht etwa die nostalgische Vorliebe Sutters für das Antiquarische, sondern die mangelnde Haptik und Materialität, die ausschliesslich digitalen Formaten wie dem «Kunstforum Zentralschweiz» oder dem Netzwerk «kleio» mit Sitz in Zürich eigen ist. Der Aufgabenbereich dieser beiden Formate indes unterscheidet sich nur unwesentlich von der Plattform der Kunsthalle Luzern: In allen drei Fällen liegen ihre Kompetenzen in der Dokumentation, Präsentation, Kommunikation und Administration von Tätigkeiten, die das künstlerische Schaffen tangieren.

Gegen den Trend der Digitalisierung

Dass sich die Basis-Dokumen­tationsstelle mit ihrer analogen Ausrichtung dem Trend Richtung Digitalisierung widersetzt, dessen ist sich auch Sutter bewusst. Anlässlich der gegenwärtigen Ausstellung hat Sutter deshalb eine offene Diskussionsrunde geplant, in der Anfang August über die Vor- respektive Nachteile analoger und digitaler Kunstplatt­formen debattiert werden soll. Zur Diskussion stehen daher Fragen, die formale Aspekte solcher Formate betreffen.

Als Instrument der Selbstvermarktung und -historisierung ist das Portfolio das Curriculum Vitae eines jeden Künstlers. Ging der gebundenen Mappe der Gang in die Druckerei und damit der Griff ins Portemonnaie voraus, ist das Portfolio seit der digitalen Revolution zu einer preiswerten Angelegenheit geworden. Ne­benbei hat das Internet auch die Vernetzung und die Vermarktungsstrategien von Kunstschaffenden und anderen Akteuren in der Kunstdomäne beeinflusst: Wurden Portfolios bis vor kurzem überwiegend in physischer Form und per Post an öffentliche und private Einrichtungen wie Galerien, Kunstförderungsinstitutionen und Kura- toren versandt, werden sie zunehmend als angehängte Datei via E-Mail dem Empfänger zugestellt.

Die vermittelnde Funktion, die Kunstplattformen einnehmen, steht aufgrund solcher Entwicklungen zwar (noch) nicht zur Disposition. Auswirkungen auf ihre formale Struktur haben sie dennoch. So hat die Umwandlung von analogen in digitale Formate zur Folge, dass sich der Fokus hinsichtlich ihrer Archivfunktion vom Äufnen und Lagern gedruckter Portfolios, Bildpostkarten, Künstlerbüchern und Visitenkarten in Richtung Webdesign verlagert. Einsehbar mit einem Mausklick, machen die digitalen Formate im Web den Gang durch Magazine obsolet. Langfristig rechnet Sutter dennoch mit einer Individualisierung in der Selbstvermarkung von Künstlern durch soziale Medien wie Facebook, Twitter und Instagram. So gesehen, könnten solche Tendenzen – zumindest über einen längeren Zeitraum hinweg – Kunstplatt­formen an die Substanz gehen.

Den Portfolios Leben einhauchen

Für analoge Plattformen wie die Basis-Dokumentationsstelle stellt sich jedoch zunächst einmal die Frage, ob sie ohne digitale Aufbereitung überhaupt noch überlebensfähig sind. Die Ausstellung «Leichtbekömmlich» antwortet auf diese Frage insofern, als dass sie der Kunstplattform durch die Exposition von Arbeiten der im Archiv vertretenen Künstler in der Kunsthalle Leben einhaucht.

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