DRAMA: Neues vom grossen Sinnsucher

Angesagte Hollywoodstars lassen sich in Terrence Malicks Film «Song To Song» ­ durch die Musikstadt Austin treiben. Der Regisseur schenkt uns dazu Bilder von grosser Schönheit.

Matthias von Viereck, dpa
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Eigentlich ist Faye (Rooney Mara) in ihn verliebt (Ryan Gosling, nach «La La Land» schon wieder am Klavier). (Bild: Ascot Elite)

Eigentlich ist Faye (Rooney Mara) in ihn verliebt (Ryan Gosling, nach «La La Land» schon wieder am Klavier). (Bild: Ascot Elite)

Matthias von Viereck, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

Terrence Malick gehört zu den amerikanischen Kultregisseuren. Wenn er auch nicht so bekannt ist wie etwa ein Martin Scorsese («Taxi Driver»), so hat er doch eine ähnlich treue Anhängerschaft. Das liegt an epochemachenden Werken wie dem Südstaatendrama «Days Of Heaven» (1978) mit Richard Gere oder dem Anti-Kriegsfilm «The Thin Red Line» (1998). Malick ist aber auch bekannt für eine 20 Jahre währende Schaffenspause, in der kein einziger Film entstand. In bald 45 Jahren hat der eigensinnige Regisseur nur sieben Spielfilme ins Kino gebracht.

In seinem achten, «Song To Song», nun nimmt Malick den Zuschauer mit ins texanische Austin – eine für ihre vitale Musikszene bekannte Stadt. Michael Fassbender, gerade auch in «Alien: Covenant» zu sehen, gibt hier einen ebenso attraktiven wie arroganten Musikmanager. Fassbender ist umringt von Frauen wie Natalie Portman, Rooney Mara oder Cate Blanchett.

Verborgener oder ­ fehlender Sinn?

Seine Figur Cook residiert in einer massgeschneiderten, extraordinären Villa. Um den Musikproduzenten scharen sich die Frauen wie um einen Märchenprinzen. Vor allem von Faye (Mara) wird Cook umgarnt. Die junge Musikerin hegt Hoffnungen auf einen Plattenvertrag. Verliebt aber ist sie in einen Songschreiber (Ryan Gosling). Viel passiert nicht mit den dreien, man lässt sich treiben, besucht Partys und Konzerte, fährt nach Mexiko.

Irgendwann gesellt sich noch Natalie Portman dazu. Wie in Endlosschleife zeigt uns Malick schöne Häuser, schöne Menschen, schöne Interieurs, flankiert von Musik, die zwischen Elektronik und Klassik oszilliert. Über allem liegt ein zarter Schleier von Melancholie. So artifiziell «Song To Song» anmutet, gibt es doch Momente, in denen man sich in einer Dokumentation wähnt: Hübsch sind die kurzen Auftritte von Popgrössen wie den Red Hot Chili Peppers, Iggy Pop, John Lydon und Patti Smith.

Nirgends im zeitgenössischen amerikanischen Film findet man so ausgesuchte, so wunderbar fotografierte Bilder wie im Kino des Terrence Malick. Auch wenn die Bilder in «Song To Song» nicht ganz so atemberaubend sind wie in Malicks vielleicht schönstem Werk, «The Tree Of Life» (2011), so kann man sich doch auch diesmal voll und ganz der Ästhetik seiner Bilder hingeben. Und darüber teils gar die Abwesenheit einer echten Geschichte vergessen. Besonders beeindruckend diesmal: Die Kamera (erneut: Emmanuel Lubezki), die wie ein Schmetterling, der nicht recht weiss, wo er sich niederlassen soll, um die Protagonisten kreist. Das korrespondiert nicht nur schön mit der inneren Unruhe, dem Sich-Treiben-Lassen der Hauptfiguren. Die ziel­lose Kamera passt auch hervorragend zu einem der letzten grossen Sinnsucher des Weltkinos.

Neuer Film mit Bruno Ganz geplant

Stets, vor allem aber in seinen letzten vier Filmen, hat man bei Malick das Gefühl, dass er nach etwas sucht, einem tieferen, hinter den hübschen Oberflächen verborgenen Sinn. So berührend Malicks Spiritualität, sein besonderer Bezug zur Natur aber auch sind, wünscht man sich doch bisweilen eine nachvollziehbare, eine linear erzählte Geschichte. Das könnte schon bald Wirklichkeit werden. In seinem nächsten Film «Radegund» mit August Diehl, Bruno Ganz und Ulrich Matthes soll es um die Geschichte des von den Nationalsozialisten hingerichteten und später seliggesprochenen Landwirts Franz Jägerstätter gehen.

Hinweis

«Song To Song» startet am 25.05.2017 im Kino Bourbaki (Luzern).