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Isländisches Kino: Das Drama schleicht sich erst allmählich ein

Mit trockenem Humor verknüpft Regisseur Hafsteinn Gunnar Sigurðsson in «Under the Tree» einen klassischen Nachbarschaftsstreit mit einem handfesten Ehedrama.
Walter Gasperi
Die Männer werden im Film als schwache Figuren dargestellt, die gerne aus der Enge flüchten. (Bild: Praesens Film)

Die Männer werden im Film als schwache Figuren dargestellt, die gerne aus der Enge flüchten. (Bild: Praesens Film)

Das isländische Kino ist bekannt für seinen knochentrockenen Humor. Perlen wie die Schafzüchtergeschichte «Rams» oder der an absurden Momenten reiche Film «Von Menschen und Pferden» etwa kamen in den letzten Jahren in die hiesigen Kinos.

Trocken beginnt auch der diesjährige Oscar-Beitrag Islands. In wenigen Einstellungen vermittelt Hafsteinn Gunnar Sigurðsson das Bild einer erkalteten Ehe, in der sich Atli aus dem Bett vor den Computer zurückzieht und zu einem Film onaniert, der ihn mit einer Bekannten beim Sex zeigt. Seine Frau kommt dazu – und setzt ihn vor die Türe.

Die Idylle trügt

Eine Bleibe findet Atli bei seinen Eltern, die in einem Reihenhaus wohnen. Sigurðsson stellt diese Siedlung als uniforme Einheitswelt nach Ikea-Muster vor, vor allem mit Blicken aus der Vogelperspektive und mit Frontalansichten: alles penibel geordnet und normiert. Doch die Idylle trügt. Der alternden Mutter sieht man ihre Missmutigkeit auf den ersten Blick an.

Erst langsam wird klar, dass Trauer und Verbitterung über das Verschwinden ihres geliebten ersten Sohnes der Grund dafür sind. Den Wunsch ihrer sportlichen jungen Nachbarin, den mächtigen Ahornbaum zurückzustutzen, weil er ihre Sonnenbäder beeinträchtigt, weist sie jedenfalls kategorisch zurück. Absehbar ist damit ein sich langsam steigernder Nachbarschaftsstreit, während Atli gleichzeitig versucht, Frau und Tochter zurückzugewinnen.

Sympathieträger gibt es hier ­keine. Kühl und bissig ist Sigurðssons Blick auf seine Protagonisten. Die Frauen zeigt er als streitlustige treibende Kräfte, während die schwachen Männer zu beruhigen versuchen oder aus der häuslichen Enge flüchten.

Zwiespältiger Eindruck vom Gang der Dinge

Die Verknüpfung der beiden Erzählstränge überzeugt nicht ganz. Echte Verzahnungen fehlen, und man wird zwischen den Geschichten und damit auch zwischen trockenem Humor und ernstem Ehedrama hin und her geworfen. Beeindruckend aber doch, wie sich dann auch in den Nachbarschaftsstreit das Drama einschleicht, indem der Regisseur zunehmend tiefer in die Psyche der Protagonisten blicken lässt und in ihre Unfähigkeit zur Konfliktlösung. Unterstützt wird er von einem starken Ensemble.

Vorstellungen im Kinok am 14.6., 20.30 Uhr; 16.6., 19.30 Uhr; 22.6., 21 Uhr; 25.6., 17 Uhr. Weitere Daten im Juli.

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