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Drei Chöre und ein Orchester laden im KKL zur Reise durch die englische Musik ein

Ein Luzerner Grossprojekt bringt drei Chöre und ein Orchester ins KKL Luzern. Einem hochstehenden Abend setzt die Mezzosopranistin Christine Rice endgültig die Krone auf.
Roman Kühne
Grosse Besetzung im KKL: «The Music Makers» mit drei Chören und der Camerata Musica Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Januar 2019))

Grosse Besetzung im KKL: «The Music Makers» mit drei Chören und der Camerata Musica Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Januar 2019))

Es sind nicht immer die professionellen Ensembles, die neue Schätze ins KKL bringen. Ja, es sind sogar eher oft die sogenannten «Amateure», welche den Mut haben, Neues zu wagen. So fällt etwa der G.-F.-Händel-Chor Luzern seit Jahren mit attraktiven Projekten und Uraufführungen auf. Man denke hier nur an das Volksmusikprojekt oder seine Zusammenarbeit mit einem Schlagzeug-Ensemble.

Auch an diesem Sonntagabend, im praktisch vollen KKL, sind dessen Sänger mit von der Partie. Zusammen mit dem Orchester Camerata Musica Luzern, dem Chor der Universität Luzern, dem Pro Musica Vocale Aargau und unter der Leitung von Andrew Dunscombe singen sie ein komplett englisches Programm. Und der britische Dirigent, der von 1997–2003 regelmässig auch am Luzerner Theater dirigierte, hat eine Preziose dabei: «The Music Makers» von Edward Elgar. Ein Werk, das noch nie in der Schweiz aufgeführt wurde.

Flitterhaft und billig?

Dies vermag einerseits nicht erstaunen. Ist die Kritik gegenüber der Komposition teilweise auch 85 Jahre nach Elgars Tod gnadenlos. Noch 2001 schrieb Meirion Hughes in seinem «English Musical Renaissance»: «Das geradezu anmassende persönliche Element in ‹The Music Makers› hat sichergestellt, dass sie kaum einmal zur Aufführung kommen – sie verschwanden in einer Gegend der Musik, die man mit dem Keller der Royal Academy vergleichen kann.» In anderen Kritiken ist von «flitterhaft» und «billig» die Rede. Im KKL kann man diesen Tadel schlecht nachvollziehen. Sicher, das Stück ist gespickt mit Zitaten und Einschüben aus Edward Elgars früheren Werken. Auch würde man es nicht gerade als zukunftsgerichtet bezeichnen.

Doch in der Live-Aufführung entwickelt die Komposition mit ihren schweren Gefühlsstapfen einen starken Sog. Dies liegt natürlich vor allem an den Aufführenden. So spielt das Orchester, die Camerata Musica Luzern, gross auf. Schon im einleitenden Stück «The Wasps» von Ralph Vaughan Williams überzeugt das professionelle Ensemble mit einem frischen und akzentreichen Klang. Intensiv in der kleinräumigen Gestaltung und mit einem langen Atem für das Ganze, mit vielen Farben von dunkel geerdet bis zur aufblätternden Helligkeit setzten sie dieses Stück effektvoll in Szene.

Auch in «The Music Makers» zeichnen sie mit klangreichen Streichern das dunkle Sehnen. Der riesige Chor überzeugt ebenfalls. Ausgeglichen steigen die Sänger in den sich verlierenden Anfangsakkord, weich und transparent. Schön ist die Tonschichtung im «A Breath of Our Inspiration ». Grossartig die anschliessende Steigerung bis hinauf in ein singendes Strahlen, das das KKL nahe an seine Grenzen bringt. Einzig hier verliert der Chor manchmal seine Transparenz und Geschmeidigkeit, fehlt etwas der Mittelbau zwischen dem Piano und den lauten Stellen. Aber unter der musikalisch gestaltenden Leitung von Andrew Dunscombe gelingt eine überzeugende Interpretation dieses – wohl zu Unrecht – so geschmähten Werkes.

Frei und offen durch die Gefühle gleitend

Der absolute Höhepunkt des Abends ist jedoch die Mezzosopranistin Christine Rice. Die englische Starsängerin stürzt sich mit körperreicher Stimme in den Kampf mit Orchester, Chor und Orgel, dramatisch und eindringlich. In «And therefore to-day» erreicht der Steigerungsfuror fast Wagner’sche Dimensionen. Ein Tosen im wuchtigen Musikapparat, den die Sängerin scheinbar mühelos überstrahlt. Fast fühlt man sich an den Orchesterkampf erinnert, den der Tenor Jonas Kaufmann im «Lied der Erde» (Mahler) an gleicher Stelle vor einer Woche führte. Aber auch in den ruhigeren Momenten gestaltet Christine Rice mit grossem Fluss, lässt ihren dunkel gefärbten Mezzosopran frei und offen durch die Gefühle gleiten.

Alto» (Ralph Vaughan Williams) nach der Pause singt sie innig und verloren, steigert sich in die Wucht, ohne hart zu werden. Ein musikalisch grossartiger Moment. Sie singt bereits in vielen Opernhäusern der Welt. Hoffen wir, sie bald auch wieder in Luzern zu geniessen. Einzig das chorale «Toward the Unknown Region», ebenfalls von Williams, vermag nicht ganz zu überzeugen, erklingt der langsame Fluss teils unklar und etwas breit.

Am Schluss des Konzertes wähnt man sich dann endgültig nach England und in die «Last Night of the Proms» versetzt. Es erklingt der erste March aus den Pomp and Circumstance. Stellenweise etwas unpräzise im Orchester reisst diese «Nationalhymne » Englands auch das Publikum im KKL von den Sitzen. Spätestens als der Chor sein «Land of Hope and Glory» singt, würde man am liebsten selbst in die Musik mit einstimmen.

Wären die Künstler nicht so schnell verschwunden, die Zuschauer hätten wohl noch lange enthusiastisch applaudiert.

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