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Drei junge Theatergruppen zeigen in Luzern Einblicke in ihre Stücke

Diese Woche stellen drei junge Theatergruppen im Südpol je ein Kurzstück vor. Ermöglicht hat das die Nachwuchsplattform Tankstelle Bühne. Sie fördert Kulturschaffende mit Geld und Coachings.
Pirmin Bossart
Sara Stäuble (links) und Melanie Durrer. Bild: PD

Sara Stäuble (links) und Melanie Durrer. Bild: PD

«Eintauchen in die Welt der Geheimnisse»: Das verspricht das 20-minütige Stück «Got a secret, can you keep it?» von Melanie Durrer & Sara Stäuble. Eine Schauspielerin, ein Schauspieler sowie ein Sounddesigner setzen um, was die jungen Künstlerinnen konzipiert und mit Unterstützung der bekannten Dramaturgin Julia Reichert als Coach erarbeitet haben. Es ist eine von drei Produktionen, die von der Tankstelle 2019 gefördert und im Südpol aufgeführt werden.

Mit ihrer sorgfältigen Basisarbeit gehört die Tankstelle Bühne sicher zu den interessantesten Kulturförderungsmodellen. Bei dieser Nachwuchsplattform für das Zentralschweizerische Bühnenschaffen müssen die jungen Kulturschaffenden nicht gleich eine «grosse Kiste» planen und sie mit einem Hochglanzdossier schmackhaft machen, sondern erhalten die Gelegenheit, auf kleiner Flamme zu kochen – aber mit professioneller Begleitung.

32 Bewerbungen und zwei Jurys

Die Tankstelle Bühne wird gemeinsam vom Südpol Luzern und dem Kleintheater Luzern getragen. «Wir wollen Leute unterstützen, die ein Potenzial haben. Bei uns können sie sozusagen den ersten Schritt auf das Parkett des professionellen Bühnenschaffens wagen», sagt Janine Bürkli. Die ausgebildete soziokulturelle Animatorin arbeitet als Produktionsleiterin im Südpol und im Kleintheater Luzern und leitet zu­sätzlich seit drei Jahren die Tankstelle. Sie hält mir ihrer engagierten Arbeit die Förderplattform in Schwung. 32 Bewerbungen sind für die Ausschreibung 2019 eingegangen.

Das Prozedere ist mehrstufig. Die Bewerbungen, in denen die Projekte skizzenhaft beschrieben sind, werden von einer Jury ­vorselektioniert. Acht Projekte schafften es in die zweite Runde, in der die Bewerber ihre Idee im Kleintheater einer zweiten Jury näher vorstellen konnten. «Bei dieser Runde sind alle acht Teams zusammen. Sie sehen, was die andern vorhaben, und erfahren auch, was die Jury dazu meint», sagt Bürkli. Nach einem öffentlichen Jurygespräch von zehn Minuten erhält jedes Team die Gelegenheit, allein mit der Jury sein Vorhaben nochmals vertieft zu erläutern.

Die drei Teams, welche am Ende ausgewählt werden, erhalten je 4000 Franken. Dazu können sie für vier Probetage ein professionelles Coaching nach ihrer Wahl beanspruchen. Mit einem Dossier-Workshop (professionelle Bewerbung, Fundraising, Kommunikation) und einem technischen Workshop (Infrastruktur, technische Realisierung eines Stücks) erhalten sie weitere Tipps und Informationen. Am Ende können sie das erarbeitete Stück, das nicht länger als 20 Minuten sein darf, im Südpol öffentlich aufführen.

Das Coaching habe sehr geholfen

«Das Coolste an der Tankstelle ist sicher, dass man für die Ausarbeitung des Stücks ein professionelles Coaching nach eigener Wahl beanspruchen kann», sagt Annina Polivka. Sie gehört mit den Projektpartnern Stoph Ruckli und Simon Hafner zu den drei Gewinnerinnen der Tankstelle 2019. Für das Coaching wählte sie die Regisseurin Anna Papst. «Als Schauspielerin bin ich froh, einen Blick von aussen zu haben, der uns hilft, das Stück auf eine Linie zu bringen.»

Das professionelle Coaching hat auch die beiden andern Gewinner überzeugt. «Wir haben die Performerin und Theatermacherin Caroline Schenk angefragt», sagt Savino Caruso, der zusammen mit der Schauspielerin Marzella Ruegge und ihrem Projekt «wirbelsturm» die Jury überzeugt hat. «Das Coaching hat unserer Arbeit sehr geholfen. Auch den Austausch mit den andern Theaterteams habe ich als inspirierend erlebt. Der Blick weitet sich, es wird etwas Gemeinschaftliches spürbar.»

Auch Melanie Durrer & Sara Stäuble schätzten das kritische Auge von Julia Reichert, designierte Co-Leiterin des Theater Neumarkts Zürich. Durrer macht Theaterregie, Stäuble Video und Performance. «Julia Reichert hat uns vor allem darin begleitet, die passende Arbeitsweise herauszufinden, und uns darin bestärkt, wie wir von den Unterschieden in unseren Herangehensweisen profitieren können», sagt Stäuble.

Das Format der Tankstelle erlaubt, dass die Gewinnerteams miteinander in Diskussion kommen, Impulse erhalten und sich so vielleicht die eine oder andere neue Zusammenarbeit unter den Beteiligten anbahnen kann. Dieser Networking-Charakter wird von den Teams positiv herausgestrichen. Aber auch: «Die Tankstelle schafft Raum zum Ausprobieren und Experimentieren. Und dass man sich auf ein Kurzstück fokussiert, ist eine grosse Entlastung.»

Das Potenzial sichtbar machen

Jedes Jahr werde die Tankstelle kritisch evaluiert. Janine Bürkli: «Was noch fehlt, ist eine Art Anschlusslösung. Interessant wäre, wenn die entstandenen Stücke durch Kooperationen vielleicht auch noch in einem anderen Kanton gezeigt werden könnten.» Mit der von externen Fachpersonen besetzten Jury werde bewusst der Blick von aussen gesucht. «Wir wollen Projekte, die auch national eine Chance haben. Die Gewinner sollen sich weiterentwickeln können.»

Das ist auch ganz im Sinne der Gewinnerinnen. Am schönsten wäre es, sagt Annina Polivka, wenn aus dem 20-Minuten-Stück eine abendfüllende Produktion entstehen könnte. «Vielleicht ist die Tankstelle ein Sprungbrett dafür, indem die Werkschau das Potenzial eines Stücks sichtbar macht und sich neue Möglichkeiten ergeben, die Arbeit fortzuführen. Das wünsche ich mir.»

4./5. April, 20 Uhr, Südpol: Tankstelle Bühne 2019. Drei Stücke à 20 Minuten von Marzella Ruegge & Savion Caruso, Annina Polivka & Stoph Ruckli & Simon Hafner sowie Melanie Durrer & Sara ­Stäuble.

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