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Erste Comic-Slam in St.Gallen: Drei Minuten jenseits der Perfektion

Poetry-Slam kennt mittlerweile fast jeder. Am Freitag findet in St. Gallen der erste Ostschweizer Comic-Slam statt. Neun Illustratoren und Hobbyzeichner kreuzen die Federn und zeichnen zu vorgegeben Begriffen unter Zeitdruck Bilder.
Mirjam Bächtold
Die Illustratoren Jonathan Németh, Martin Tiziani und Thomas Hättenschwiler bei einem Testzeichnen in der «Militärkantine», St. Gallen. Am Freitag findet dort der erste St. Galler Comic-Slam statt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Illustratoren Jonathan Németh, Martin Tiziani und Thomas Hättenschwiler bei einem Testzeichnen in der «Militärkantine», St. Gallen. Am Freitag findet dort der erste St. Galler Comic-Slam statt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Anglerfisch wirft mit Steinen auf Strassenlampen, weil sie durch ihr Leuchten seine kleinen Laternen überflüssig machen. Ein Fingerhut liegt auf einem Strandtuch, weil er das Nähen satt hat. Solche Bilder entstehen, wenn man den Zeichnern Jonathan Németh, Thomas Hättenschwiler und Martin Tiziani Begriffe vorgibt, die sie innerhalb von drei Minuten in ein möglichst kreatives und lustiges Bild verwandeln sollen.

Fingerhut und Sonnenbrille war die erste Vorgabe, Anglerfisch und Konflikt die zweite. Für diesen Artikel haben sich die drei bereit erklärt, zu zeigen, worum es beim Comic-Slam geht. In der Demonstration wird klar: Bei Alltagsbegriffen ist die Kreativität der Zeichner gefragt.

Bei Worten wie «Konflikt» ist die Spannung darin enthalten, ab­strakte Begriffe sind aber schwieriger darzustellen. In der Ostschweiz findet der erste Comic-Slam unter dem Titel «Nerven- k(r)itzel» diesen Freitag in der «Militärkantine» statt. Németh, Hättenschwiler und Tiziani gehören zum Organisationsteam. Sie haben bereits das alle zwei Wochen stattfindende «Drink & Draw» ins Leben gerufen, bei dem sich Zeichner austauschen und gemeinsam zeichnen.

Vorbereitung ist nicht möglich

Der grosse Unterschied zum ­Poetry-Slam ist, dass die Zeichner sich beim Comic-Slam nicht vorbereiten können. Jeder Zuschauer schreibt vor Beginn der Show einen Begriff auf einen Zettel. Für jede Runde werden zwei Begriffe gezogen, die dann im Bild vorkommen müssen. «Es ist also nicht nur wichtig, dass man zeichnen kann. Man muss auch eine gute Idee haben und das innerhalb weniger Sekunden», sagt Jonathan Németh. Die Pointe und die Zeichnung wirken als Ganzes. Beim Comic-Slam gibt es drei Vorrunden, mit jeweils drei Zeichnern. Das Publikum entscheidet mittels Applauslautstärke, wer weiterkommt. Die drei besten aus den Vorrunden zeichnen sich ins Finale.

«Wir haben das schon ein paar Mal geübt. Man kann trainieren, unter Zeitdruck zu zeichnen. Aber mit all den Zuschauern werde ich wohl trotzdem nervös sein», sagt Thomas Hättenschwiler. Der Versicherungssachbearbeiter zeichnet in seiner Freizeit und hat sich alles selbst beigebracht. Für ihn ist die Teilnahme am Comic-Slam eine Premiere. Jonathan Németh lebt vom Zeichnen, er illustriert für verschiedene Kunden. In Winterthur hat er bereits an einem Comic-Slam teilgenommen. Martin Tiziani ist gelernter Bauzeichner, arbeitet als Kalkulator bei einer Baufirma und zeichnet in seiner Freizeit. Beim Comic-Slam wird er nicht antreten. «Ich gehe viel zu gern ins Detail. In so kurzer Zeit ein Bild zu zeichnen, ist nicht so meins», sagt er. Trotzdem schlägt er sich bei der Präsentation fürs Tagblatt gut.

Zeichnen am PC hat viele Vorteile

Jeder Zeichner bringt sein eigenes Material mit zum Slam. Ob mit Bleistift, Kugelschreiber oder Tusche – jeder entscheidet selbst, was er benutzen will. Es kann auf Papier oder digital am Tablet gezeichnet werden. «Zeichnen ist Handwerk. Egal ob auf Papier oder am Tablet: Wichtig ist, dass die Idee persönlich ist», sagt Jonathan Németh. In seinem Alltag verwendet er beide Techniken. Der Computer habe den Vorteil, dass Änderungen einfach vorgenommen werden können. «Trotz digitalem Zeitalter darf das Zeichnen auf Papier aber nicht aussterben», findet Thomas Hättenschwiler.

Im Comic-Slam können die Zuschauer den Entstehungsprozess der Zeichnungen mitverfolgen. Diese werden mit Beamern an die Wand projiziert. Drei Zeichner erstellen ihr Bild jeweils gleichzeitig. «Wir möchten dem Publikum auch zeigen, dass nicht immer Stunden in eine Zeichnung investiert werden müssen. Sie sehen, dass in kurzer Zeit etwas Kreatives entstehen kann», sagt Martin Tiziani. Und Jonathan Németh ergänzt: «Details müssen wir weglassen, wir beschränken uns auf das Wesentliche. Diese Bilder sind jenseits der Perfektion.» Der Reiz am Comic-Slam liegt für Hättenschwiler dar­in, zeigen zu können, was man kann. Für Németh steht der Spass im Vordergrund: «Wir sitzen alle im gleichen Boot.» Am Freitag werden nebst Németh und Hättenschwiler noch sieben weitere Zeichner aus der Ostschweiz auf der Bühne stehen.

Hinweis
Fr, 3.5., 20 Uhr, «Militärkantine», St. Gallen

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