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Lungenärzte warnen vor E-Zigaretten

Die europäische Lungengesellschaft warnt in zwei neuen Stellungnahmen vor E-Zigaretten. Diese ­förderten den Einstieg ins Rauchen. Suchttherapeuten setzen dagegen auf Verdampfen statt Verbrennen.
Bruno Knellwolf
Immer beliebter: E-Zigaretten verbrennen keine Asche, sondern erzeugen Dampf. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Immer beliebter: E-Zigaretten verbrennen keine Asche, sondern erzeugen Dampf. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Der Chinese Hon Lik war ein starker Raucher: «Ich rauchte zwei Päckli pro Tag», sagt er 2003 in einem Interview in «Paris Match». Doch er will nicht mit Raucherbein als Tabakleiche enden und erfindet die E-Zigarette. Kein Zufall also, dass die meisten E-Zigaretten-Fabriken in Süd­china, in der Region Shenzen, ­stehen, wo Hon Lik herkommt. Hon Lik und seine dampfenden E-Zigaretten wurden bald als mögliche Befreiung von der weltweiten Rauchsucht gefeiert.

Eine harmlose Alternative zum brennenden und rauchenden Zigarettenstängel, als Rauchstopp propagiert, auch von Tabakfirmen wie Philip Morris, die selbst mit der Produktion von E-Zigaretten begannen. Denn trotz aller Präventionsbemühungen ist die Zahl der Raucherinnen und Raucher weltweit immer noch hoch.

Weltweit rauchen 1,2 Milliarden Menschen, sechs Millionen sterben jedes Jahr daran, 500 Milliarden Dollar Kosten entstehen jährlich.

Vor allem in Russland und China wird geraucht, was das Zeug hält, Tendenz steigend. In der Schweiz raucht gut ein Viertel der erwachsenen Schweizer.

Viele Varianten, um zu Nikotin zu kommen

Und diese haben im Gegensatz zu früher mehrere Möglichkeiten. Neben den gewöhnlichen Zigaretten kann man heute auch an Sisha, Snus, HNB-Zigaretten und E-Zigaretten saugen, kauen oder hängen (siehe Kasten unten). Zwar stecken im Zigarettenrauch 4800 Chemikalien und 250 Gifte, von denen 70 krebserregend sind.

Doch für die weltweite Tabakepidemie und für die Sucht des Einzelnen ist das Nikotin verantwortlich. Das Nikotin aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und führt somit schnell zur Sucht. «90 Prozent der Raucher fangen vor 18 damit an», sagt der Lungenspezialist Jürg Barben vom Ostschweizer Kinderspital. Obwohl die Tabakwerbung gemäss den Tabakfirmen nur auf Erwachsene abziele, wie der Lungenarzt anfügt.

Nicht jeder wird gleich schnell abhängig vom Nikotin.

Jene Menschen, die das Nikotin im Körper schnell abbauen, werden schneller süchtig, weil sie sofort nach der nächsten Zigarette verlangen. Andere bauen das Gift langsamer ab und können so zum Gelegenheitsraucher werden, aber das sind nur wenige. Für die meisten reichen allerdings schon wenige Zigaretten. «Zwei bis vier Wochen jeden Tag eine Zigarette reicht. Die Dosis wird dann bald erhöht», sagt der Pneumologe. «Ohne Nikotin gäbe es keine Raucher.»

E-Zigaretten werden zum lohnenden Geschäft

Für fatal hält es Barben deshalb, dass seit diesem April nikotinhaltige Flüssigkeiten (Liquids) in E-Zigaretten in der Schweiz frei verfügbar sind und es keine Regelung dazu gebe, somit dürfe es auch an Minderjährige verkauft werden. Kinder dampfen – auch vapen genannt – dann nicht mehr nur Erdbeer- oder andere Aromen mit ihrer E-Zigarette, sondern auch Nikotin im versetzten Dampf. «Und dieses Vapen, dieses Erdbeerenrauchen, halten immer mehr Jugendliche für cool», sagt Barben. Und somit werden E-Zigaretten auch zum lohnenden Geschäft.

Dieses wird jetzt schon in der Schweiz auf 50 bis 70 Millionen Franken jährlich geschätzt. Für die E-Zigarette gibt es auch Argumente. Im November 2017 forderten Suchtfachverbände deshalb einen Kurswechsel in der Schweizer Tabakpolitik, weil die Tabakforschung zeige, dass Verdampfen besser sei als Verbrennen. Die Suchtfachverbände sehen E-Zigaretten als ein wirksames Instrument der Schadenminderung, und deshalb sei der Umstieg von Raucherinnen und Rauchern auf E-Zigaretten zu ­fördern.

Verkauf an Jugendliche sollte verboten werden

Das sieht die Europäische Lungengesellschaft ERS (European Respiratory Society) anders. Diese hat aktuell zwei Stellungnahmen veröffentlicht. Zum Ersten zu den E-Zigaretten und zum Zweiten zu den Heat-not-burn-Produkten (HNB). In der ersten Stellungnahme steht, die Nutzung von nikotinliefernden E-Zigaretten habe bei der Jugend weltweit dramatisch zugenommen.

Es zeige sich deutlich, dass elektronische Zigaretten für Jugendliche und Erwachsene einen Einstieg zum Zigarettenrauchen bedeuteten. Um die verletzliche Jugend vor E-Zigaretten und anderen Nikotinhaltigen- Rauch­geräten zu schützen, müssten ­E-Zigaretten genau gleich gesetzlich reguliert werden wie normale Zigaretten. Und in die Anti-Rauch-Kampagnen eingeschlossen werden.

Der Verkauf von E-Zigaretten an Jugendliche sollte weltweit verboten werden, schreibt die ERS. Und auch die HNB-Produkte seien schädlich, unterliefen den Wunsch der Raucher aufzuhören und jenen der ehemaligen Raucher, smokefrei zu bleiben. Zudem führten die E-Zigaretten dazu, dass Rauchen wieder salonfähig werde, und erhöhe das Risiko, dass Raucher beides parallel machten: Tabakzigaretten und E-Zigaretten rauchen.

Weniger Schadstoffe in E-Zigaretten

Bis heute sind zwar im Aerosol der E-Zigaretten deutlich weniger Schadstoffe als im Tabakrauch nachgewiesen worden, aber man findet auch dort krebserregende Substanzen wie Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein, flüchtige Kohlenwasserstoffe sowie Metalle wie Blei und Cadmium. Wie deren Langzeitwirkung bei E-Zigarettenrauchern sei, wisse man heute noch nicht. Auch gebe es keine haltbaren Belege dafür, dass E-Zigaretten wirklich beim Rauchausstieg hülfen.

Barben beobachtet, dass viele Doppelbenützer sind und einige wieder zurück zu den ‹normalen› Zigaretten wechselten. Einen wissenschaftlichen Beweis, dass die modischen E-Zigaretten eine Rauchstopphilfe seien, fehle. Der Kinderlungenspezialist hält E-Zigaretten für Einstiegshilfen, die Jugendliche noch früher süchtig werden liessen. Und der Tabakindustrie sei es schliesslich egal, ob sie ihr Geld mit herkömmlichen Tabak- oder E-Zigaretten verdiene.

Diese Möglichkeiten gibt es neben den gewöhnlichen Zigaretten:

E-Zigaretten

E-Zigaretten bestehen aus einem Mundstück, einer Batterie und einem elektrischen Widerstand, der als erhitzter Draht oder erhitztes Netz die aus einem Reservoir oder von austauschbaren Patronen angesogene Flüssigkeit verdampft. Diese Liquids enthalten keinen Tabak, sondern ein flüssiges Gemisch (Liquid) aus Glycerin und Propylenglycol, die als Geschmacksverstärker, Lösungsmittel, Verdampfungsanlage dienen, sowie aus Wasser, Lebensmittelaromen und optional Nikotin, das verdampft und eingeatmet wird. Inhaliert wird ein Aerosol, der Nutzer wird als Dampfer oder Vaper bezeichnet. Die modernsten E-Zigaretten der dritten Generation können selbst modifiziert werden, oftmals mit wählbarem Verdampfungswiderstand und verstellbarer Batteriespannung. Die Flüssigkeitspatronen werden «tanks» genannt. Der erforderliche Sog für die Inhalation ist stärker als bei Tabakzigaretten. Der Schweizer Markt beläuft sich auf 50 bis 70 Millionen pro Jahr.

Snus

Snus ist Rauchen auf Schwedisch und bekannt bei Eishockeyspielern. Sie stecken sich diesen Mundtabak unter die Lippen und erhalten dadurch einen Nikotinkick. Diese rasche Wirkung ist verlockend und verhängnisvoll zugleich, weil sie stark abhängig machen kann.

Shisha

Beliebt vor allem in orientalischen Ländern, hat das Shisha-Rauchen auch hierzulande immer mehr Freunde, die daran das Gesellige mögen. Die Inhaltsstoffe sind prinzipiell die gleichen wie bei Zigaretten. Mit Kohle wird der Tabak in der Wasserpfeife erhitzt, was zu Vergiftungen führen kann, weshalb Shisha-Raucher auch mal im Notfall landen.

HNB

In «Heat-not-Burn»-Zigaretten wird gepresster Tabak erhitzt, nicht verbrannt. Dabei wird kein Rauch und keine Asche produziert. Ein hüllenförmiges Heizelement erhitzt den Tabak in einer iQOS-Zigarette auf 350 Grad. Der Dampf hat Nikotin, aber weniger Verbrennungsprodukte. Toxikologische Untersuchungen zum neuen Produkt fehlen.

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