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Lesbar Kinderbücher: Manchmal hilft nur Weglaufen

Kinder kämpfen auf ihre eigene radikale Art, wenn sie ihr Glück bedroht glauben. Zwei berührende Romane aus Holland und Belgien erzählen von Freundschaft und dem lebenswichtigen Gefühl, bei jemandem zu Hause zu sein.
Bettina Kugler

Indianer denken lange nach

Boaz klettert gern auf Bäume und beobachtet die Welt um sich herum «wie ein Indianerkundschafter die Büffel»: ein stiller, nachdenklicher Aussenseiter, hochbegabt, doch ohne Freunde. Einzig von Oma fühlt er sich rundum verstanden. Bis das Flüchtlingsmädchen Aisha in seine Klasse kommt. Die beiden ergänzen einander fast ohne Worte; das Leben erscheint nun für ihn vollständig, jede Schulstunde wird kostbar. Entsprechend gross ist der Kummer, als Boaz eine Klasse überspringen und von Aisha getrennt werden soll. Erna Sassen erzählt von dieser Kinderliebe und Seelenverwandtschaft aus der Sicht eines sensiblen, überaus klugen Buben; sie folgt seinen Wahrnehmungen, Gefühlen und Gedankengängen und lässt ihre Leser eintauchen in diesen Seelenkosmos. Reizvoll ist dabei auch die Verbindung zu Boaz’ leidenschaftlichem Interesse an der Geschichte und Kultur der Indianer, die Illustrator Martijn van der Linden in der Buchgestaltung überzeugend umsetzt. Von der ersten Seite an berührt Boaz’ Geschichte. Auch tapfere Indianer dürfen zwischendurch von Herzen mit ihm leiden und weinen .

Erna Sassen: Ein Indianer wie du und ich. Ab 9. Verlag Freies Geistesleben, 125 S., Fr. 25.–

Erwachsene verstehen einfach alles anders

Es gibt wohl kaum ein Kind, das nicht schon einmal aus Wut oder Verzweiflung heimlich Pyjama, Kuscheltier und Notproviant eingepackt hätte, um mindestens ins Gartenhäuschen auszuwandern. Lieber aber noch weiter weg, «in die weite Welt hinein», wo Mama und Papa nicht mehr bestimmen, wie die Dinge zu laufen haben. Hendriks Eltern etwa möchten in ein grösseres, schöneres Haus ziehen; sie können nicht verstehen, warum der Achtjährige sich keineswegs darauf freut: Es würde für ihn heissen, das Schulhaus zu wechseln, den besten Freund zu verlieren. Unvorstellbar! Hendrik kann Berkan dazu überreden, sich mit ihm aus dem Staub zu machen. Ist schon in dessen Familie alles anders, die Lebensverhältnisse, der Erziehungsstil, so erscheint die Stadt ein paar Strassen weiter völlig fremd. Sich allein (und unauffällig!) zurechtzufinden, wird zum Abenteuer, das die beiden fest zusammenschweisst. Und sie erfahren lässt, wie schön es sein kann, sich endlich ins Bett zu legen.

Marian De Smet: Hendrik zieht nicht um. Ab 8. Gerstenberg, 128 S., Fr. 18.–

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