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Gefeuert: Aus Rache den Boss umgebracht

Regisseur Hirokazu Kore-eda hat für das Familiendrama «Shoplifters» soeben die Goldene Palme gewonnen. Nun startet sein psychologisches Gerichtsdrama «The Third Murder» in unseren Kinos.
Anwalt (Fukuyama Masaharu) und Mörder (Yakusho Koji). (Bild: Cineworx)

Anwalt (Fukuyama Masaharu) und Mörder (Yakusho Koji). (Bild: Cineworx)

«Das Gericht ist nicht der Ort, um die Wahrheit herauszufinden.» Niemand kenne die Wahrheit. Das bekam Hirokazu Kore-eda von allen Anwälten und vom juristischen Berater zu hören, als er an «Like Father, Like Son» (2013) arbeitete. Darin geht es um zwei Familien in unterschiedlichen ­sozialen Verhältnissen, deren Söhne bei der Geburt vertauscht wurden. Wie in seinem jüngsten Film «Shoplifters», der eben in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, verhandelt der japanische Meisterregisseur darin die Frage: Was macht Familie aus, die genetische Zugehörigkeit oder die Liebe und Zuneigung, die aus dem konkreten Zusammenleben erwächst?

Vor der Todesstrafe bewahren

Inzwischen war der 55-Jäh­rige mit zwei weiteren Familiendramen, «Our Little Sister» und «After The Storm», in unseren Kinos präsent. Stets sucht er nach einer sozialen Wahrheit und Wirklichkeit, der er nachspürt, ohne über seine Figuren zu ur­teilen. Die Aussage der Anwälte führten Hirokazu Kore-eda zu «The Third Murder», ein Gerichtsdrama und auf den ersten Blick atypischer Kore-eda-Film. Er beginnt mit dem Mord von Misumi Takashi (Yakusho Koji) an seinem Boss – der hatte ihn kurz zuvor gefeuert. Als Anwalt wird Shigemori Tomooaki (Fukuyama Masaharu, der Architekt aus «Like Father, Like Son») beigezogen, ein harter Hund, der den geständigen und vorbestraften Misumi vor der ­Todesstrafe bewahren soll. Man müsse seinen Klienten weder verstehen noch Mitgefühl mit ihm haben, um ihn zu vertei­digen, lehrt er seinen jungen ­Assistenten. Anhand dieses ­Shigemori porträtiert Kore-eda einen Anwalt, dessen Überzeugungen im Verlaufe seiner Ermittlungen mehr und mehr ins Wanken geraten. Denn nicht nur ändert Misumi immer wieder ­seine Aussage, auch die nötige Distanz zwischen Angeklagtem und Anwalt geht zunehmend verloren. Hat Misumi im Auftrag derAABB22Ehefrau des Ermordeten ­ge­handelt oder versucht er, dessen Tochter zu schützen? Lässt sich Shigemori dadurch mani­pulieren, dass er glaubt, seinen Mandanten und sein Motiv zu kennen?

Kore-eda urteilt ­ auch diesmal nicht

Kore-eda interessiert sich nicht für den Prozess an sich, deshalb ist der Begriff Gerichtsdrama eigentlich falsch, sondern für das psychologische Spiel zwischen Angeklagtem und Verteidiger im Vorfeld. Die gepanzerte Scheibe zwischen ihnen fungiert als Trennwand, zunehmend aber auch als Projektionsfläche. Das im Stil eines Film noir inszenierte Drama rührt an ethische Fragen wie: Gibt es eine Rechtfertigung für Mord, wenn sich der Ermordete selbst schlimmer Vergehen schuldig gemacht hat? Was, wenn persönliche Betroffenheit Einfluss nimmt auf die Arbeit? Liegt der Ursprung des Bösen in den Genen, was eine Resozialisierung unmöglich macht und die Todesstrafe rechtfertigt, wie Shige­moris Vater, ein ehemaliger Richter, der einst über Misumi ein Urteil gesprochen hat, argumentiert?

Das ist vielleicht nicht so bewegend wie Kore-edas Familiendramen, aber ungemein spannend und anspruchsvoll. Er schafft es auch diesmal, nicht zu urteilen. Und im Gegensatz etwa zur ­Mutter aller Gerichtsdramen, «Zeugin der Anklage» mit Marlene Dietrich, bleibt er die «Wahrheit» im Sinne der Beantwortung der Frage «Whodunit», «Wer hat es getan?», schuldig. Das Urteil fällt der Richter ohne stichhaltige Beweise. Wie Staatsanwalt und Verteidiger von der juristischen Strategie ist auch er von anderen Interessen geleitet als der Wahrheit. Dies das nüchterne Fazit desAABB22Regisseurs über unser Justiz­system, das über Menschen ­richten muss, ohne zwingend die Wahrheit zu kennen.

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