Livestream
Luzerner Sinfonieorchester: Ein besonderes Geschenk für den Chefdirigenten

Vom Feuerwerk, das das Luzerner Sinfonieorchester für die Abschiedssaison seines Chefdirigenten geplant hat, wird im Livestream vom Gründonnerstag die «Überraschung» gerettet. Im Orchesterhaus dirigiert James Gaffigan eine Uraufführung mit einer speziellen Vorgeschichte.

Urs Mattenberger
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James Gaffigan, im Bild vor dem Luzerner Sinfonieorchester, kehrt für das Livestreamkonzert zurück nach Luzern.

James Gaffigan, im Bild vor dem Luzerner Sinfonieorchester, kehrt für das Livestreamkonzert zurück nach Luzern.

Franca Pedrazzetti

Die Überraschung kommt anders als geplant. Angekündigt war sie in dieser Abschiedssaison von Chefdirigent James Gaffigan für Anfang diesen Monat. Aber wegen Corona konnte nicht nur das Konzert bloss als Livestream stattfinden, sondern auch Gaffigan nicht nach Luzern kommen. Das – umgestellte – Programm leitete der designierte Chefdirigent Michael Sanderling, der dafür seinen Konzerttermin jetzt am 1.April seinem Vorgänger überlässt – natürlich ebenfalls als Livestream aus dem Orchesterhaus.

Vom Feuerwerk, als das diese Saison geplant war, kann damit immerhin eine Überraschung gerettet werden. Es ist die Uraufführung eines Werks des spanischen Komponisten Francisco Coll, das das Orchester als Geschenk an seinen Chefdirigenten in Auftrag gegeben hat. Dass es für diesen eine echte Überraschung ist, zeigt die Vorgeschichte. «Von Francisco Coll, der heute für Spitzenorchester schreibt, haben wir bereits einmal ein Werk aufgeführt. Gaffigan war begeistert und brachte den Namen wiederholt für Projekte ins Gespräch. Aber es gelang mir, das für diese Abschiedssaison aufzusparen», lacht Intendant Numa Bischof.

Eine Visitenkarte für die Ära Gaffigan

Wie diese Weltpremiere klingen wird, weiss selbst er noch nicht. Aber ein Blick in die Partitur habe ihm gezeigt, dass es «sehr filigran komponiert und souverän orchestriert» ist. Als Uraufführung steht «Himnica» für Gaffigans Engagement für die Moderne, Coll schrieb es aber auch mit Blick auf Werke von Schumann oder Brahms, mit denen sich das Luzerner Sinfonieorchester intensiv auseinandergesetzt hat.

Eine Visitenkarte für die Ära Gaffigan ist das Streamkonzert auch durch die Mitwirkung des Pianisten Nicholas Angelich. Ihn verbindet mit dem Orchester in Luzern und auf Tourneen eine lange Freundschaft. Dass er Beethovens drittes Klavierkonzert und das Orchester zum Schluss die siebte Sinfonie spielt, bekräftigt dessen Anspruch als Beethoven-Orchester, mit dem es sich den Weg auch zu grossorchestraler Sinfonik bahnte.

4000 Zuhörer aus der Zentralschweiz und aller Welt

Das Luzerner Sinfonieorchester bietet Streams selektiv an. Dass das Abschiedskonzert zur Aufführung kommt, hat neben dem anhaltenden Kultur-Lockdown noch andere gute Gründe. «Zum einen ist unser Orchester dringend darauf angewiesen, spielen zu können», sagt Bischof: «Zum anderen haben wir nach unserem letzten Livestream viele begeisterte Zuschriften erhalten. Und 4000 Menschen haben sich nicht nur eingeklickt, sondern sich das Konzert auch tatsächlich angehört.» Erst recht weil sich neben vielen Menschen aus der Zentralschweiz auch welche aus Europa und der ganzen Welt zugeschaltet haben, übertraf der Livestream damit sogar die Reichweite der jeweils doppelt geführten Konzerte im Konzertsaal des KKL Luzern.

Link für Livestream am nächsten Donnerstag, 1.April um 19.30Uhr: www.sinfonieorchester.ch