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Ein Blues-Jubiläum mit vielen kleinen Geschenken

Das Lucerne Blues Festival geizt in seiner 25. Ausgabe nicht mit Höhepunkten. Neben legendären Gitarristen zählen auch klingende Namen wie The Fabulous Thunderbirds oder Shemekia Copeland dazu.
Pirmin Bossart
Ein Star in der zeitgenössischen Blues-Welt: Shemekia Copeland.Mike White/PD

Ein Star in der zeitgenössischen Blues-Welt: Shemekia Copeland.Mike White/PD

Mit ihrem Album «America’s Child» gewann Shemekia Copeland dieses Jahr gleich zwei Blues Music Awards. Neben Blues sind hier auch deutlich Einflüsse aus Americana, Rock, Soul und Country zu hören. Zahlreiche prominente Gäste wirken mit. Inzwischen gehört sie zu den Stars in der zeitgenössischen Blueswelt. «When Shemekia Copeland opens her mouth, everybody pays attention. She pierces your soul», schrieb das Magazin «No Depression».

Berühmte Texas-Tochter

Shemekia Copeland ist die Tochter des texanischen Bluesgitarristen und Sängers Johnny Copeland (1937–1997). Mit sechzehn Jahren begann sie regelmässig zu singen. In den Anfängen nahm sie ihr Vater mit auf Tournee und machte sie der Bluesgemeinde bekannt. 1998 veröffentlichte sie auf Alligator Records ihr Debüt «Turn The Heat Up!». Weitere Alben wurden von Dr. John oder Steve Cropper produziert. Die Sängerin erntete zahlreiche Auszeichnungen, zunächst als «Rising Star», dann als immer reifer singende und performende Blues-Lady.

«Billy Price ist wohl einer der besten weissen Soul-Blueser.»

Eine starke Stimme hat auch Billy Price, für Lucerne Blues Artistic Director Dani Mebold «wohl einer der besten weissen Soul-Blueser». Der 69-jährige Price tourte Mitte der 1970er drei Jahre lang mit dem Blues-Gitarristen Roy Buchanan und gründete dann seine eigenen Bands (Keystone Rhythm Band, The Billy Price Band). 2015 erhielt er für seine Zusammenarbeit mit Otis Clay, der seinerseits in Luzern mehrmals für denkwürdige Momente gesorgt hat, einen Blues Music Award für das beste Soul Blues Album.

Sängerin und Schlagzeugerin

Zu den vielen kleinen Geschenken, die sich das Lucerne Blues Festival zum Jubiläum macht, gehört auch die zeitgenössische Bluesrock-Musikerin Lindsay Beaver (Titelbild Barbara Frigiere/PD). Sie spielt (Steh-)Schlagzeug und hat eine kraftvolle Stimme mit Soul und rauem Rockfeeling. «She’s like the love child of Amy Winehouse and Little Richard», ­charakterisierte sie Alligator-Records-Boss Bruce Iglauer. Beaver stammt von Halifax, Kanada, und lebt in Austin, Texas. Ihre musikalische Erweckung hatte sie mit 14 Jahren, als sie erstmals Jimi Hendrix hörte. «And then everything changed.»

Mit 17 entdeckte sie Billie Holiday und nahm daraufhin klassischen Gesangunterricht. Später studierte sie Jazz-Schlagzeug in Toronto. Blues und Roots Rock sind ihr Fundament geblieben. Ihre Musik ist eine heisse Mischung aus Up-Tempo-Blues, frühem R&B, Rock­abilly und Soul.

Nach dem würzigen Gumbo-Eintopf der Südstaaten-Küche ist das Trio Gumbo Grits and Gravy benannt: Die Akkordeonistin Marcella Simien, die Geigerin Anne Harris und der Gitarrist Guy Davis feiern die Roots in allen Schattierungen von Spielfreude und Ausgelassenheit. Ihr rockender Zydeco-Americana-Sound öffnet die Blues-Palette. Marcella ­Simien stand schon mit ihrem Vater, dem bekannten Zydeco-Musiker Terence Simien, auf der Casino-Bluesbühne. Wir erinnern uns an eine wunderbar groovende Handorgel.

The Fabulous Thunderbirds

Ein grosses Geschenk zum 25-Jahr-Jubiläum machen sich die Lucerne-Blues-Festival-Organisatoren mit der Formation The Fabulous Thunderbirds. Die amerikanische Bluesrock-Band wurde 1974 vom Gitarristen Jimmie Vaughan und vom Sänger und Harp-Spieler Kim Wilson gegründet und hat in diversen Umbesetzungen bis heute überlebt. Zu den bekannten Mitgliedern gehörten Duke Robillard oder Kid Ramos.

Im aktuellen Line-up, das der einzige verbliebene Ur-Thunderbird Kim Wilson nach Luzern bringt, ist mit Johnny Moeller ein Gitarrist dabei, auf den man sich nur freuen darf. Er hat am Lucerne Blues Festival schon mehrmals mit seinen Licks und Läufen brilliert. The ­Fabulous Thunderbirds sind längst keine reine Bluesband mehr, sondern rollen aus den amerikanischen Roots-Zutaten ihren eigenen, rockigen Sound.

Die stillen Grössen

Kein Lucerne Blues Festival ohne Musiker, die ihre Blues-Lektionen jenseits von Startum und Hypes inkorporiert haben. Zu ihnen gehören etwa Robert Lee Coleman oder Rev. John Wilkins. Sänger und Gitarrist Rev. John Wilkins, der als Pastor und Prediger arbeitet, ist ein North-Mississippi-Country-Blueser mit Gospel-Einflüssen. Gitarrist Robert Lee Coleman arbeitete mit Percy Sledge und in der Band JBs von James Brown (1970–1972). Beide garantieren bluesige Emotion.

Ein legendäres Kaliber ist Benny Turner, der mit «special guest» Billy Branch (Harp) auftritt. Er ist der jüngere (Halb-)Bruder von Freddie King und spielte Bass in der Freddie King Band. Jahrzehntelang als Sideman aktiv, ist er inzwischen als Bandleader erfolgreich. Turner spielt den Bass mit Pick und im Lead-Bass-Stil. Auch diese Band gilt es hierzulande zu entdecken.

Hinweis: Sa, 9., bis So, 17. November; Grand Casino Luzern u.a.; Infos und Vorverkauf: www.bluesfestival.ch.

Die weissen Blues- und Bluesrock-Veteranen

Das Lucerne Blues Festival bietet immer auch einen Teil Geschichtsschreibung: Hier stehen oft Musiker auf der Bühne, die buchstäblich seit Jahrzehnten dem Blues ihren spezifischen Sound verpassen und so zahlreiche jüngere Musiker beeinflusst haben. Dieses Jahr sind im Rahmen der «Chicago Blues Reunion» drei Musiker zu hören, die auch (Blues-)Rockgeschichte geschrieben haben: Barry Goldberg, Nick Gravenites und Harvey Mandel. Die Rockmusik der späten 1960er-Jahre war entscheidend vom Blues geprägt. Goldberg, Gravenites und Mandel waren dabei, als sich in den USA die akustische Folkmusik in den elektrischen Rock verwandelte. Die prägende Substanz darin war der Blues. In den Blues-Clubs der Chicago South Side wurde von Leuten wie Muddy Waters oder Howlin Wolf jener Sound hochgekocht, der dann auch die jungen weissen Musiker inspirierte. Mit Canned Heat in Woodstock Der Pianist und Keyboarder Barry Goldberg stand mit Bob Dylan am Newport-Folk-Festival auf der Bühne, als dieser mit seinem elektrischen Sound die traditionelle Folkgemeinde verstörte. Dann wurde er Mitglied von The Electric Flag, der Band des Gitarristen Mike Bloomfield, die 1967 am Monterey-Pop-Festival debütierte. Goldberg spielte auch mit Stephen Stills, Al Kooper und Mike Bloomfield das Album «Super Session» ein. Auch Sänger und Gitarrist Nick Gravenites wurde von der schwarzen Bluesszene inspiriert und war Mitbegründer von The Electric Flag. Er arbeitete in San Francisco mit Quicksilver Messenger Service und Janis Joplin, für die er «Buried Alive In The Blues» und «Work Me Lord» schrieb. Später wirkte er bei Big Brother & The Holding Company mit und schrieb Songs für The Paul Butterfield Blues Band. Harvey Mandel ist vor allem bekannt durch seine Zeit als Gitarrist bei Canned Heat, mit denen er auch am Woodstock Festival auftrat. Zuvor war er Gitarrist bei Charlie Musselwhite. Er tourte mit John Mayall und arbeitete mit The Rolling Stones («Black And Blue», 1976). Vor allem aber spielte er mit vielen Blues-Legenden wie Howlin’ Wolf, Muddy Waters, Otis Rush, Albert King und Buddy Guy. Mandel hat früh mit dem elektrischen Gitarrensound experimentiert und interessante Soloalben veröffentlicht. Sein Spektrum reicht von Blues und Rock über Funk und Surf bis zu Psychedelia und Jazz. British-Blues-Boom-Produzent Auch in England wurde die Rockmusik Mitte der 1960er-Jahre immer stärker vom Blues infiziert. Mike Vernon, der am Lucerne Blues Festival als Sänger und Harpist mit The Mighty Combo auftritt, gründete in England das Blues-Label Blue Horizon und produzierte 1966 die Zusammenarbeit von John Mayall und Eric Clapton (Bluesbreakers with Eric Clapton) und 1967 das erste Album von David Bowie. In der Folge begründete er als Produzent den British Blues Boom mit Bands wie Ten Years After, Savoy Brown, Chicken Shack, Climax Blues Band, John Mayall, Fleetwood Mac, Peter Green, Christine McVie und vielen anderen. (pb)

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