Klassik
Bach Ensemble: Ein Chor, dem alles gelang

Das Bach Ensemble spielte am Sonntag in Luzern die Johannespassion.

Gerda Neunhoeffer
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Cellist Jürg Eichenberger und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter des Bach Ensembles bei einem früheren Konzert in der Luzerner Franziskanerkirche Luzern.

Cellist Jürg Eichenberger und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter des Bach Ensembles bei einem früheren Konzert in der Luzerner Franziskanerkirche Luzern.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 11. März 2018)

Wie in Stein gemeisselt erklangen am Sonntag in der Luzerner Franziskanerkirche die ersten drei Chor-Akkorde von Bachs Johannespassion «Herr, Herr, Herr». Das Bach Ensemble Luzern wuchs in seiner Aufführung in Ausdruck und Gestaltung zu einem Chor, dem alles gelang.

Da erklangen die Choräle in bester Textauslegung, die Volkschöre mal leicht, mal spöttisch-ironisch, gar böse – und Anfangs- und Schlusschor in ergreifender Intensität. Franz Schaffner dirigierte klar und fordernd. Lautmalerisch begleitete er die Rezitative am Cembalo, Hans-Jürg Rickenbacher sang gut verständlich, in der Höhe und in den Arien manchmal etwas angestrengt. Es war etwas befremdlich, dass die Bass-Rezitative, Jesus, Pilatus und Petrus, alle im raschen Wechsel von Stefan Vock gestaltet werden mussten. Mit betörender Stimme sang er das Arioso «Betrachte meine Seel».

Hervorragende Streicher und Holzbläser

Zügig liess Schaffner das Geschehen um Jesu Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung fortschreiten, man wurde gepackt von diesen unbarmherzigen Szenen. In «Lasset uns den nicht zerteilen» sang der Chor die raschen Koloraturen gestochen scharf, mal leise, mal aufbrausend. Wie Balsam wirkten da die Arien mit dem glockenhell schwebenden Sopran von Christina Boner-Suter und Altistin Ingrid Alexandre. In «Es ist vollbracht» ergänzte sich ihre warm timbrierte Stimme mit dem sanft klingenden Cello Jürg Eichenbergers zu einem Höhepunkt, der sich im Mittelteil «Der Held aus Juda siegt mit Macht» und vollem Orchester noch steigerte. Konzertmeisterin Naomi Lozano, die hervorragenden Streicher und Holzbläser agierten durchweg stabil und differenziert. Ergriffen lauschten die vielen Besucher dem Schlusschoral nach, bevor lang anhaltender Beifall aufbrandete.

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