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Lucerne Festival Alumni: Ein drittes Festivalorchester auf Top-Niveau

Das Orchester der Lucerne Festival Alumni und das London Symphony Orchestra führten in die Moderne ein.
Urs Mattenberger
Entspannte Solisten: Jacques Zoon, Flöte (links), und Lucas Macías Navarro, Oboe. Bild: Priska Ketterer/LF (Luzern, 8. September 2019)

Entspannte Solisten: Jacques Zoon, Flöte (links), und Lucas Macías Navarro, Oboe. Bild: Priska Ketterer/LF (Luzern, 8. September 2019)

«Jetzt können wir ernten», freute sich Intendant Michael Haefliger am Sonntag nach dem zweiten Konzert des Orchesters der Alumni von Lucerne Festival. Denn dieses ist die Frucht der Aufbauarbeit, die die Festival-Academy seit ihrer Gründung 2004 leistet: Die Alumni sind ehemalige Akademisten, die jetzt unter der Leitung von Riccardo Chailly erstmals ein Sinfoniekonzert bestritten. Und bewiesen, dass das Festival damit – neben dem Festival- und dem Academy-Orchester – ein drittes Orchester besitzt, das auf Top-Niveau handverlesene Moderne-Programme beisteuert.

Das galt schon am Samstag für ein Piazzolla-Late-Night unter der stilsicheren Leitung von Mariano Chiacchiarini. Und es galt erst recht am Sonntag für das Sinfoniekonzert unter der Leitung von Riccardo Chailly. Es versammelte alle Werke, die einen Aufbruch in der Moderne des 20. Jahrhundert markierten. Und schuf damit ein Kristallisationszentrum, an das am Montag der erste Auftritt des London Symphony Orchestra unter Simon Rattle unmittelbar anschloss.

Schönberg ist ein Repertoire-Klassiker

Wer dachte, die Moderne-Schau am Sonntag offenbare eine fortschreitende Entfremdung der neuen Musik vom Publikum, sah sich getäuscht. Chailly und das Alumni-Orchester eröffneten ihr Programm am Sonntag mit einem Stück von Aleksandr Mossolow, das sich dem Zuhörer demonstrativ aufdrängt. Und schon die repetitive Motorik seiner «Eisengiesserei» zeigte die Qualitäten des Alumni-Orchesters in allen Registern – von den kernigen Bässen über die mit der Klarsicht eines Streichquartetts agierenden Violinen bis zum blitzsauberen Blech.

Damit setzte Chailly die Losung einer grossorchestralen Kammermusik auch für die Moderne um – mit phänomenalen Resultaten. Selbst in Bruno Madernas akademisch anmutender «Aulodia» zeigten sich solche Qualitäten in der Klangmagie des Schlusses. Schönbergs Orchesterstücke op 16 waren derart von signalartig deutlichen Gesten und Farben und locker anspringenden Rhythmen durchpulst, als wäre das ein eingängiger Repertoireklassiker. Daran schloss Wolfgang Rihms «Dis-Kontur» auch mit seinen Marschreminiszenzen unmittelbar an. Auch wenn das vom grossen Hammer initiierte Trommelfeuer und die Klangblähungen und -ballungen ganz gegenwärtig wirkten, wurde spätestens da klar: Das Programm machte neue Musik aus ihren eigenen Tradition und Bezügen heraus verständlich.

In der Programmierung wie in der Ausführung war das ein Meilenstein in Sachen zeitgenössischer Musik. Und das auch deshalb, weil die Mitwirkung von Solisten des Festivalorchesters (der Flötist Jacques Zoon und der Oboist Lucas Macias Navarro bei Maderna) ein Zeichen setzten für eine weiter gehende Zusammenarbeit der Festival-Orchester.

Sopran-Hypnose unter Simon Rattle

In die Gegenwart verlängerte diese Moderneschau gestern das London Symphony Orchestra unter Simon Rattle. Und zeigte mit Hans Abrahamsens Ophelia-Monolog «Let me tell you», dass der heutige Stilpluralismus dazu führt, dass Komponisten vermehrt auf die Verführungskraft eines Orchesters setzen und damit auch traditionelle Hörer ansprechen. Eine subtil archaisierte und farblich weit aufgefächerte Klangwelt steigerte hier den grossartigen Sopran von Barbara Hannigan zu hypnotischen Höhenflügen, hüllte ihn ein in gleissendes Licht und in die Innigkeit eines Gebetes.

Quasi die Quintessenz beider Konzerte bot danach Olivier Messiaens «Eclairs sur l′Au-Delà» von 1991: Die majestätische Wucht des Blechs, die Polyrhythmik der Vogelstimmen, der zarte Paradiesduft der Streicher und die vom Schlagwerk gesprenkelte Farbenpracht führten vieles zusammen, was eben auch zur zeitgenössischen Musik gehört: Selten wurden Vorurteile gegen sie so wirksam ­aufgelöst wie in diesem phänomenalen Konzertdoppel von Schönberg bis zu Gegenwart.

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