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Ein Entlebucher hat sich in Kuba verliebt

Salsa und die Liebe zu einer Kubanerin haben Arthur Furrer beflügelt: Jetzt ist er Bandleader. Sein erstes Album ist kubanische Musik pur.
Pirmin Bossart
Arthur Furrer (43) mit seinem Kontrabass beim Vögeligärtli in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher, 12. Juli 2019)

Arthur Furrer (43) mit seinem Kontrabass beim Vögeligärtli in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher, 12. Juli 2019)

Das waren noch Zeiten, als der kleine Turi zu Hause in Schüpfheim zu Liedern des Schlagersängers Roland Kaiser auf das Schlagzeug eindrosch. «Das muss grauenhaft getönt haben», grinst Arthur Furrer (43). Später waren es die lüpfigen Stücke von Shakin’ Stevens, die er als Jugendlicher mit dem Schlagzeug oder Keyboard begleitete. «Musik hat mich früh begeistert. Ich wollte immer Musiker werden.»

Sein Vater war Kontrabassist und spielte Ländlermusik. «Er hat oft Instrumente nach Hause gebracht und mir musikalische Sachen gezeigt.» Als Kind spielte Turi Schlagzeug oder drückte auf einer Hammondorgel herum. Eine Musikschule hat er nicht besucht. «Der Vater sagte mir, ich kann dir genug zeigen, aber du musst selber üben.»

Latin Jazz hat 
ihn begeistert

Mit 17 oder 18 Jahren rückte der Kontrabass in den Mittelpunkt. «Ich habe viel Punk und Rockabilly gehört und dann Unterricht in Luzern genommen.» Mit dem Interesse an Jazz, Rock und Funk begann er das Studium an der Academy of Contemporary Music (ACM) in Zürich und wechselte dann an die Jazzschule ­Zürich. Dort wurde er infiziert: «Die Latin Jazz Workshops von Martin Richard Lehner haben mich begeistert. Ab dann begann ich, Salsa-CDs zu kaufen.»

2003 gründete er die Salsaband El Tiburon, die bis 2012 bestand und an zahlreichen Partys, am Luzerner Fest und an den Stanser Musiktagen Stimmung machte. Dann lernte er in Luzern eine Kubanerin kennen. Turi, der Entlebucher, verlor sein Herz an Aylin Noraibis Acosta Fernandez – ein Jahr später heirateten sie. Seitdem ist die kubanische Musik – der Son Cubano – ein Fokus seines musikalischen Schaffens.

Traditionelle Musik

Der Son Cubano ist die traditionelle Musik Kubas und hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts mit Einflüssen spanischer Tanz- und Liedformen und afro-kubanischen Rhythmen vielfältig entwickelt. Cha Cha Cha, Rumba oder Mambo sind aus ihm hervorgegangen, auch der Salsa hat dem Son einiges zu verdanken. Hierzulande ist der traditionelle Son spätestens ab 1996 durch Ry Cooders Album «Buena Vista Social Club» und den gleichnamigen Dokumentarfilm von Wim Wenders 1999 so richtig bekannt geworden.

Leichtfüssige Stücke 
mit warmen Gesängen

Turi ist fasziniert von den verschiedenen Rhythmen, die beim kubanischen Son zusammenkommen und wie sie sich stets leichtfüssigen Groove-Mechanik verzahnen. Auch der Aufbau der Songs begeistert ihn: Die Wechselspiele zwischen Sänger und Chor, die den textlichen Motiven einen neuen Dreh geben und mit ihrem Call-and-Response musikalisch aufblühen.

Zehn Songs hat Turi für sein Debütalbum «Llegó mi Son» geschrieben. «Sie sind aus Melodien und Skizzen entstanden. Alle sind auf Jazz Harmonien aufgebaut.» Es sind leichtfüssige Stücke mit warmen Gesängen, knackigen Rhythmen, tänzelnden Rumbas und Makutas gemischt mit dem klassischen Son und romantischen Boleros. Wichtige Supporter waren der in Basel lebende Sänger Alcides Toirac, der einige Texte geschrieben hat, und der in Luzern lebende argentinische Gitarrist und Sänger Carlos Ramirez sowie Sängerin Andra Borlo.

Ende Dezember 2018 reiste Turi mit der Absicht nach Kuba, dort sein Album zu produzieren. «Eigentlich wollte ich nur den instrumentalen Teil aufnehmen, aber dann traf ich mit Maykel Castillo einen Musiker und Sänger, der mir neue Türen öffnete.» Jetzt sind am Album nicht nur verschiedene professionelle kubanische Musiker beteiligt, sondern auch Sängerinnen und Sänger, die der Musik ihre Vielfalt und Würze geben. Bass spielt Arthur Furrer natürlich selbst.

Rückkehr zur 
Volksmusik

Zu einzelnen Songs wurden Videos gedreht. Eines davon zeigt den Protagonisten, wie er sich staunend zwischen dem grünen Entlebuch und dem farben­frohen Kuba bewegt. So ist der unternehmungslustige Entlebucher nach Umwegen nicht nur in Kuba gelandet, sondern auch wieder bei der Volksmusik: Mit seiner Band «Arturo y su Azucaribe» spielt er traditionelle kubanische Musik und als Bassist bei «Baba Roga» traditionelle Songs aus dem Balkan.

Jetzt möchte Turi mit seiner Band möglichst viel spielen, in der Schweiz und über die Grenzen hinaus. «Es gibt nicht viele Bands, die den klassischen Son Cubano draufhaben. Ich bekomme so viele schöne Feedbacks, das motiviert.» Sein nächster Traum ist eine Europatournee – und ein Auftritt am Weltmusik-Festival Womex 2020.

Hinweis: Arturo y su Azucaribe: Llego mi Son, CD. www.azucaribe.com

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