Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kuno Bont wagt sich erstmals an die Oper

Die Werdenberger Schlossfestspiele kommen vom Schloss herab an den See. Kuno Bont hat sich fürs Überleben der Festspiele engagiert und betritt jetzt als Opernregisseur Neuland.
Martin Preisser
Regisseur Kuno Bont wohnt selbst am Werdenbergersee und wagt sich dort mit Verdis «La Traviata» erstmals an eine Oper. (Bild: Martin Preisser)

Regisseur Kuno Bont wohnt selbst am Werdenbergersee und wagt sich dort mit Verdis «La Traviata» erstmals an eine Oper. (Bild: Martin Preisser)

«Lass dich von der Musik leiten, lass es einfach laufen, improvisiere erst einmal, ich sag dann schon, wenn es mir nicht gefällt.» Kuno Bont probt in der Lokremise Buchs Verdis «La Traviata», die kommende Woche auf der Seebühne am Werdenbergersee Premiere hat. Nichts von der oft herrschenden Arroganz des Regisseurs hinter seinem Regiepult, keine hektischen oder nervösen Anweisungen. Kuno Bont ist ganz nah an seinen Figuren, fast väterlich und doch mit glasklaren Ideen formt er die Szenen in die geplante Richtung. «Ich will dir dein Temperament gerne lassen», sagt er zur Sängerin der Violetta, «aber denke daran: Krankheit macht langsamer.»

Kuno Bont ist mutig. Er inszeniert seine allererste Oper, ohne Opernerfahrung. Aber mit viel anderer Erfahrung. Er hat Musicals geschrieben und inszeniert, auch eines über Elvis Presley. Vor vier Jahren begeisterte in Buchs seine Rockoper mit Musik von Status Quo. «Die Leute waren nach fünf Minuten auf den Tischen», erinnert sich Kuno Bont.

Kuno Bont reizt immer wieder das Neuland

Sehr viel Erfahrung hat der ehemalige Politiker, Journalist und Chefredaktor als Filmer. Die zapft er jetzt auch an für seine erste Regiearbeit an einer «richtigen» Oper. Wie hält man ein grosses Set zusammen, wie bringt man die Schauspieler dazu, sich überzeugend zu bewegen? Fragen, die im Film entscheidend sind, aber auch in der Oper.

Bont ist ein Mensch, den das Neuland reizt, nicht die Wiederholung: «Die eigene Beweglichkeit und die Überzeugung von dem, was man will, ist bei jedem neuen Projekt das Wichtigste.

Langsame Schnitte, langsame, warme Bilder, fast «pastellfarben», wie Bont sagt, sollen die «Traviata» bestimmen. Sein Libretto enthält ungewöhnlich viele Regieanweisungen. «Ich könnte einen Film über La Traviata drehen», sagt der Regisseur. Seine Inszenierung auf dem See, die einen Neustart der Werdenberger Schlossfestspiele signalisiert, will Kuno Bont auch wie einen Filmvorspann beginnen lassen, und die Figur der Violetta quasi erst kreieren, bevor die Handlung dann losgeht.

«Ich sehe die Violetta als echte Powerfrau, welche die Männer herumdirigiert. Diesen Typ Frau kenne ich sehr gut, die hat stets den vollen Durchblick.»

Der Tod mitten im Leben

«La Traviata» ist eine tragische Geschichte. In dem Moment, wo Violetta die Liebe findet, ist sie dem Tod geweiht. Kuno Bont will das Stück aber nicht als Trauerspiel inszenieren, viel mehr interessieren ihn der Gegensatz Leben – Tod und der Tod mitten im Leben. Er nimmt das Sterben Violettas daher auch aus dem Ambiente eines Krankenzimmers heraus. «Über den Tod kann man erst reden, wenn man das Leben in seiner ganzen Fülle kennen gelernt hat», sagt Bont und inszeniert auch an einem solchen Gedankengang entlang den Verdi-Stoff. Am See soll es eine offene Bühne geben. Bont will keine Kulissenschieberei.

«Meine Inszenierung basiert auf schönen Bildern. Die Handlung und die Bühne sollen bis zum Schluss immer durchlässiger werden.»

Opernliebhaber, die in eine Premiere kommen mit der genauen Vorstellung, wie eine «Traviata» zu sein habe, mag Kuno Bont nicht. So wie er selbst immer wieder Neuland betritt, Neues wagt, Überraschendes ausprobiert, möchte er auch sein Publikum überraschen. «Ich möchte als Künstler beweglich bleiben und gehe ohne Vorurteile, aber auch ohne vorgefasste Bilder an den Stoff», sagt Kuno Bont, der als Filmer mit einem preisgekrönten Streifen über die Rheinholzer bekannt geworden ist. Über die Clownin Gardi Hutter hat er ein ebenso einfühlsames Porträt gedreht wie über Paula Roth, die «Hexe vom Albula-Tal».

Die Inszenierung setzt bewusst auf Reduktion

Von Anfang an war für Kuno Bont klar, dass Verdis Musik in dieser Inszenierung die dominante Rolle haben soll. Im Probenraum der Lokremise bedankt sich Kuno Bont nicht nur bei den Sängerinnen und Sängern, sondern auch bei all den anderen, die in der Probe gewartet haben und die Probe mit ihrer Präsenz dennoch prägen: Kuno Bont, der väterliche Regisseur, der sagt: «Ich bin einer von ihnen, und alle Beteiligten müssen spüren, dass es ihr Projekt ist.»

Tod und Leben, Auslöschen und Neubeginn: In diese Polarität will Bont seine «Traviata» stellen, bewusst reduziert in der Darstellung. Und er sagt: «Ich musste selbst älter werden, um den bekannten Satz wirklich zu verstehen, der besagt, man solle jeden Tag so leben, als sei es der letzte.»

Ein Stück von dieser kreativen, entspannten Präsenz spürt man in Kuno Bonts Zugang zu Verdi. Und man ahnt: Diese Haltung wird vielleicht zu einer eher schwebenden, ruhigen Inszenierung führen. Zu einem entspannten Neuanfang der Schlossfestspiele, herunter vom Schloss und ausser Gefahr, dass sie sich endgültig aufgelöst hätten.

Premiere: Do, 2.8., 20 Uhr, Seebühne am Werdenbergersee; ­Karten und Informationen unter latraviata18.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.