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Interview

Kathleen McNurney im Luzerner Theater: «Ein Geschenk zum Jubiläum!»

Kathleen McNurney feiert in dieser Saison ihr zehnjähriges Jubiläum als Tanzchefin am Luzerner Theater. Zur ersten Tanzpremiere mit einem Kultstück um David Bowie sagt sie, wie sie in Benedikt von Peters Theater hineinpasst.
Urs Mattenberger
Kathleen McNurney vor der Bühne des Luzerner Theaters, die für Georg Reischls Bowie-Choreografie vorbereitet wird. (Bild: Pius Amrein)

Kathleen McNurney vor der Bühne des Luzerner Theaters, die für Georg Reischls Bowie-Choreografie vorbereitet wird. (Bild: Pius Amrein)

Kathleen McNurney leitet seit 2009 erfolgreich den Tanz am Luzerner Theater, was den Ruf wie die Publikumszahlen anbelangt. Die Tanzsaison wird am Samstag unter anderem mit einer Uraufführung («Let’s Bowie») eröffnet und setzt später mit Glucks Oper «Orfeo ed Euridice» und einer Jubi­läumsgala besondere Akzente.

Kathleen McNurney, Benedikt von Peter hat aus der Ära von Dominique Mentha einzig «Tanz Luzerner Theater» unter Ihrer Leitung beibehalten. Wie passten Sie in sein Theaterkonzept hinein?

(Nachdenklich)

Das ist eine gute Frage. Als wir erstmals von Benedikt von Peter hörten, wusste ich von seiner «Traviata» und fand seine Idee des «Globe» interessant. Aber ich hielt es für denkbar, dass meine Arbeit nicht in sein Konzept hineinpassen würde. Ungewissheit weckte bei mir etwa seine Idee, die Grenzen zwischen den Sparten aufzuweichen. Das war etwas Neues. Meist arbeiten an Dreispartenhäusern die Sparten für sich allein oder werden zusammengenommen für Opern oder Musicals.

In dieser Saison feiern Sie Ihr zehnjähriges Jubiläum in Luzern unter anderem mit einer Jubiläumsgala im Mai. Was war dann doch die ­gemeinsame Basis?

In ersten Gesprächen mit Benedikt von Peter zeigte sich rasch: Wir wollen beide das Publikum direkt und emotional berühren! Selbst wenn er den Raum ändert, hat das den Zweck, wie jetzt bei den «Kindertotenliedern» in der Box, Nähe und Betroffenheit ­herzustellen. Das deckt sich mit unserem Tanzslogan «We move to move you»: Auch unser Tanz ist nie abstrakter Selbstzweck, sondern hat immer das Ziel, die Zuschauer zu berühren.

Dass Benedikt von Peter (41) einer jüngeren Generation ­angehört, spielt keine Rolle?

Benedikt von Peter ist zwar jung und experimentierfreudig, aber er ist kein «Freak». Das heisst, Qualität ist ihm enorm wichtig, und er fordert auch, dafür bis zum Schluss 100 Prozent zu geben. Nicht um perfekt zu sein, das sind wir alle nicht, aber um das Bestmögliche zu erreichen. Das ist ein Qualitätsanspruch, wie ich ihn aus meiner über 40-jährigen Theatererfahrung auch als Tänzerin in Heinz Spoerlis Basler Ballett mitbringe. Vieles, was heute als neu gilt, habe ich schon gesehen (lächelt). Mein Ehrgeiz war deshalb nie, etwas ganz Neues zu entwickeln, sondern das, was wir machen, so gut und berührend wie möglich zu tun.

Sie choreografieren selber nicht, sondern laden Gast­choreografen ein. Hilft diese Flexibilität bei Intendantenwechseln?

Vielleicht, jendenfalls findet man dieses Modell jetzt öfter an Theatern. Weil ich als Tanzdirektorin nicht choreografiere, bin ich nicht durch eigene Stücke absorbiert und stehe nicht in Konkurrenz zu Gastchoreografen. Und ich habe mehr Energie, mich um das Ensemble zu kümmern. Die Hälfte der Trainings, die dieses zu einer Gemeinschaft machen, leite ich selber.

Benedikt von Peter grenzt sein Raumtheater vom früheren Regietheater ab. Welche Entwicklungen gab es in dieser Zeit im Tanz?

Diese sind eng mit Choreografen wie William Forsythe, Jiri Kylian und Ohad Naharin verknüpft, die ab den 70er-, 80er-Jahren bis heute den zeitgenössischen Tanz wesentlich geprägt haben. Als ich hier 2009 anfing, suchte ich nach Choreografen, die unter anderen aus diesen Companien hervorgegangen sind, ohne ihren Stil zu kopieren. So habe ich den früheren Kylian-Tänzer Patrick Del­croix und bis heute immer wieder Georg Reischl – einst in der Compagnie von Forsythe – eingeladen. Nach meinem Eindruck ist die Entwicklung nach diesem Aufbruch zwar etwas stehen geblieben. Aber umso wichtiger ist, dass ich als Tanzdirektorin die Augen offenhalte für junge Choreografen, die den Mut haben, etwas Eigenes zu suchen.

«Tanz 28: New Waves» heisst der erste Tanzabend der Saison. Wie bildet er die genannten Bestrebungen ab?

Wir zeigen zwei Stücke des Spaniers Cayetano Soto, in denen man sehen kann, wie sich ein Choreograf weiterentwickelt. Sein Stück «Twenty Eight Thousand Waves», inspiriert vom endlosen Wellenschlag, ist technisch unglaublich anspruchsvoll, weil es ebenso klassische Balletttechnik wie die freien Bewegungsmöglichkeiten des zeitgenössischen Tanzes erfordert. Und ich wusste: Mit der aktuellen Compagnie, die zu einer richtigen Gemeinschaft zusammengewachsen ist, ist das zu schaffen! In Sotos Duett «Sortijas» ist für mich ein neuer Stil spürbar, der sich weniger auf die Bewegungen der Extremitäten, sondern auf die Emotionalität eines scheiternden Paares fokussiert.

Georg Reischl choreografiert mit seiner abstrakten, aber körperintensiven Tanzsprache Songs von David Bowie. Da ist ein Kultstück vorprogrammiert?

Das Stück wird das Chamäleonhafte von Bowie widerspiegeln, in acht melancholischen oder rockigen Songs, mit Lichtwechseln und mit Kostümen, wie ich sie tatsächlich noch nie gesehen habe. Und die Bühnenausstattung weckt buchstäblich goldene Gefühle. Das ist für mich ein Geschenk zu meiner Jubiläumsspielzeit!

«Tanz 28: New Waves»: Premiere am Samstag, 13. Oktober 2018, im Luzerner Theater; Vorstellungen bis 21. Januar 2019.

www.luzernertheater.ch

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