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Ein Luzerner «Hausfestival» mit einer Extraportion Herzblut

Nach den Solo- und Duo-Tagen folgen die Trio-Tage: Vom Donnerstag, 21. Februar bis Samstag, 23. Februar sind im Neubad und an der Industriestrasse elf Trios abseits des Mainstreams zu hören.
Pirmin Bossart
Ariel Engle, Sängerin des kanadischen Trios La Force. (Bild: Johnny Wong/PD)

Ariel Engle, Sängerin des kanadischen Trios La Force. (Bild: Johnny Wong/PD)

Als Urs Emmenegger, Leiter Veranstaltungen Neubad, vor drei Jahren die Solo-Tage lancierte, war das nicht zuletzt eine Hommage an das frühere Solo-Festival in der Boa: Dort hatte man die seltsamsten Acts erleben und Musik kennen lernen können, wie das im normalen Konzertbetrieb selten der Fall war. Die Solo-Tage haben diesen Faden erfolgreich aufgenommen. «Das Festival kam sehr gut an. So war bald klar, dass Duo-Tage eine logische Fortsetzung wären.»

Nachdem die Duo-Tage im Februar 2018 über die Neubad-Bühnen gingen, stehen bereits die Trio-Tage vor der Tür. Es ist der letzte Teil der Festival-Trilogie. «Die Quartett-Tage wird es nicht mehr geben», sagt Emmenegger. «Schon der Name klingt holprig», schiebt er mit einem Lächeln nach. «Aber wir sind daran, ein neues Festival-Format auszuarbeiten.»

Ein Hausfestival mit Herzblut

Zusammen mit Orpheo Carcano, der die mitternächtlichen Acts an der Industrie 9 programmierte, hat Emmenegger ein Festival-Line-up zusammengestellt, das neugierig macht. Festivals, die nicht fixe Geschmäcker bedienen, sondern Raum für Unbekanntes lassen, sind eh am interessantesten. Das B-Sides oder die Kilbi Bad Bonn bestätigen das. Die Solo-/Duo-/Trio-Tage verkörpern den Typus Festival, der zum Neubad passt. Ein «Hausfestival» mit einer Extraportion Herzblut.

Emmenegger hat mit Kontrasten gearbeitet, sodass am gleichen Abend auf Indie-Pop eine jazzige Impro und dann vielleicht noch ein brachiales Schlussgewitter folgen. «Überraschen und irritieren» ist ein Ziel. Einiges konnte geplant werden, anderes hat sich eher durch Zufall ergeben. Am Schluss gilt es, daraus eine stimmige Kurve zu generieren.

Die Trio-Tage möchten Lust machen und – auch neuen – Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geben, sich von der Vielfalt anstecken zu lassen. Emmenegger denkt an Leute, die vielleicht spezifisch wegen einer Pop-Band ans Festival kommen, oder an jene, die lieber experimentellere Musik haben. Er fügt an:

«Hier haben beide Lager Gelegenheit, beim nächsten Konzert etwas ganz anderes zu hören, auf das sie sich normalerweise nicht einlassen würden.»

Musikerinnen-Soundscapes

Zwei « Cartes blanches» wurden für die Trio-Tage vergeben. Da ist die Soundforscherin Marie-Cécile Reber, die seit vielen Jahren Insektengeräusche und «field-recordings» zu Soundscapes verarbeitet. Sie tritt als Trio Süd mit der Violinistin Patricia Bosshard und Valeria Zangger (Drums) auf. Der halbjährige Atelier-Aufenthalt in London letztes Jahr hat sie neu inspiriert: «Ich habe gemerkt, wie normal für dortige Musiker und Konzertbesucher ist, was ich mache. Während es hierzulande für die Leute eher schwieriger war, mich einzuordnen.»

Das Trio hat viel geprobt, Möglichkeiten ausprobiert, am Sound getüftelt. «Jede von uns hat ihr Material, von dem wir uns dann auf der Bühne mehr und weniger improvisatorisch leiten lassen.» Marie-Cécile Reber komponiert und arbeitet seit vielen Jahren mit elektronischen Instrumenten. Sie hat Klanginstallationen gemacht oder in Impro-Kontexten gespielt. Viele ihrer Performances basieren auf Geräuschen von Insekten oder Environment-Sounds, die mittels Effekten gefiltert und verfremdet werden. Ambient, Minimal, Soundscapes sind die Stichworte, die ihre sorgfältig produzierte Musik assoziieren lassen.

Dichte und Freiheit

Die andere Carte blanche ging an den Pianisten Raphael Loher. Er öffnete in den letzten Jahren mit der «Kulturbrauerei» sein Atelier für selber veranstaltete Impro-Konzerte. Mit Kali hat er ein ambitioniertes Trio gegründet. Für die Trio-Tage hat Loher mit Manuel Troller (g) und Julian Sartorius (dr) ein neues Wunschtrio zusammengestellt. «Mit Manuel habe ich schon in anderen Bands gespielt, wobei mir besonders das letzte Konzert sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Dort habe ich ihn irgendwie sehr gut verstanden. Unsere Ideen haben sich spannend ergänzt.»

Nach diesem Konzert habe er oft darüber nachgedacht, ein Trio mit Manuel und Julian Sartorius zu bilden. «Ich habe Julian schon immer sehr gerne zugehört, und seine Art, mit Klang umzugehen, gefällt mir sehr.» Loher schätzt an beiden Musikern, dass sie in den unterschiedlichsten musikalischen Kontexten zu Hause seien. «Diese musikalische Vielfalt macht für mich das freie Zusammenspiel zu einem wirklich spannenden Erlebnis, wo man nicht im Idiom der freien Impro stecken bleibt.»

Im Trio habe er die «optimale Kombination aus Dichte und Freiheit», sagt Loher. «In dieser Besetzung ist es möglich, alle Instrumente wahrzunehmen und darauf zu reagieren, was bei einem Quartett schon schwieriger wird.»

Do, 21., bis Sa, 23. Februar Die Konzerte im Neubad beginnen um 20.30 Uhr, diejenigen an der Industrie 9 um Mitternacht. Weitere Informationen: www.neubad.org.

Elf Trios im Schnelldurchgang

Indie-Pop, Improvisation, Rock, Freie Musik, Elektronik: Die alten Zuordnungen lösen sich auf, Mischformen sind angesagt, Experimente und neue Klangverbindungen. Dem tragen auch die Trio-Tage Rechnung. Das kleine Festival stellt neun Schweizer und zwei internationale Projekte vor, die oft auch von der populär-instrumentalen Basis Gitarre-Bass-Schlagzeug ausgehen, aber sie auch technologisch-experimentell erweitern.

An den Trio-Tagen können die Bands in besonders intimer Atmosphäre erlebt werden: im Pool und im Keller des Neubads und zweimal später am Abend im Untergrund der Industriestrasse.

Die Protagonisten, kurz charakterisiert:

Donnerstag

  • East Sister: Träumerischer Indie-Pop mit Lorraine Dinkel (voc, g), Laura Schenk (keys, voc), Amadeus Fries (dr).
  • Marimba Trio: Virtuose Minimal-Musik mit Jean-Lou Treboux, Mats Eser und Lorenz Haas an Marimbaphonen.
  • Liebeslied: Brachiale Klangwelten mit Gitarre, Schlagzeug und Electronics.

Freitag

  • Yser: Experimentierfreudige Luzerner Band mit Jeremy Sigrist (g), Gregory Schärer (b) und Nick Furrer (dr) und ihren brandneuen Songs.
  • Omni Selassi: Experimentell und geheimnisvoll, mit der Bieler Sängerin Rea Dubach.
  • Lotto: Polnisches Trio, dunkle Trance-Spur mit Kraut und Noise.
  • Edward Bloom: (24 Uhr, Industrie 9) Instrumentaler Post-Rock aus Luzern.

Samstag

  • Trio Süd: Atmosphärische Soundscapes mit Marie-Cécile Reber (electronics), Patricia Bosshard (vl) und Valerian Zangger (dr).
  • La Force: Kanadisches Trio mit der Sängerin Ariel Engle aus dem Indie-Rock-Kollektiv Broken Social Scene.
  • Loher-Troller-Sartorius: Freie Improvisation mit einer Wunschformation des Pianisten Raphael Loher.
  • La Truffe: (24 Uhr, Industrie 9) Energie-Cocktail zwischen Impro-Jazz und Hip-Hop, mit Schlagzeugtier Lionel Friedli und dem Wortakrobaten Abstral Compost.

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