Whistleblower Christoph Meili: Ein Held, den die Schweiz fallen liess

Ein Dokfilm, der im Kino und gekürzt auch auf SRF1 gezeigt wird, arbeitet den Skandal um Schweizer Banken und die «nachrichtenlosen Vermögen» auf. Und zeigt einen Wachmann, der per Zufall zum Helden wurde.

Arno Renggli
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Christoph Meili heute: «Ich würde es wieder tun.» (Bild: Docmine)

Christoph Meili heute: «Ich würde es wieder tun.» (Bild: Docmine)

In der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1997 fand der damals 28-jährige Wachmann Christoph Meili in einer Filiale der Schweizerischen Bankgesellschaft SBG Dokumente, die zum Schreddern bereitstanden. Da zu diesem Zeitpunkt die Vernichtung von Akten zu so genannten «nachrichtenlosen Vermögen» bereits verboten war, nahm er die Akten mit, übergab sie später der israelitischen Kultusgemeinde. Als die Sache öffentlich wurde, geriet Meili plötzlich ins Zentrum eines Konflikts, der längst am Laufen war.

1995 hatte Stuart Eizenstat, EU-Botschafter der USA, festgestellt, dass die Nachkommen von Holocaust-Opfern punkto in der Schweiz platzierten Vermögen von den Banken systematisch abgewimmelt wurden. Später sollte sich zeigen, dass es Zehntausende solcher Konti gab. Es kam ein Konflikt ins Rollen, namentlich zwischen Justizbehörden sowie Sammelklägern seitens der USA und den Schweizer Banken. Der Konflikt mündete dann nach langen und harten Verhandlungen in einen Vergleich und Entschädigungszahlungen von 1,25 Milliarden Dollar durch die Banken.

Dies alles rollt der Dokfilm «Die Affäre Meili» nochmals auf. Spannend ist vor allem, dass viele der damaligen Hauptakteure aus heutiger Sicht nochmals zu Wort kommen. Neben Eizenstat etwa Thomas Borer, der damals die Taskforce zur Untersuchung der nachrichtenlosen Vermögen und zum Teil die Verhandlungen mit den USA geleitet hatte. Oder der Historiker Jakob Tanner, Mitglied der damaligen Bergier-Kommission, die das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg aufarbeitete. Oder Senator Alfonse D’Amato, Vorsitzender der US-Bankenkommission, der zu einem der härtesten Widersacher der Schweizer Banken wurde.

Meili liess sich instrumentalisieren

Und Christoph Meili? Er wurde damals zur grossen Figur hinaufstilisiert, galt in der Schweiz rasch als Nestbeschmutzer, derweil er sich in den USA, wo er politisches Asyl erhielt und elf Jahre lebte, als Held herumzeigen liess.

Für diese Instrumentalisierung hat er einen hohen Preis bezahlt, wie er heute selber sagt. Seine Familie fiel auseinander, er geriet auch in finanzielle Probleme. 2009 kehrte er in die Schweiz zurück. Heute lebt er mit seiner dritten Frau zusammen, die praktisch für seinen Lebensunterhalt aufkommt. Denn einen Job mag ihm hier niemand mehr geben. Jeweils samstags arbeitet er als Vorführer von Bohrmaschinen in einem Baumarkt.

Lange habe er mit seinem Schicksal gehadert, sagt er. Heute habe er damit abgeschlossen. Und was im Januar 1997 geschah, würde er es wieder tun? «Ja», sagt er ohne Umschweife. Der Film zeigt auch, dass Christoph Meili mit der Rolle als Held überfordert war. Vermutlich auch, weil er kein Held war. Aber damals, in jener Nacht, handelte er wie einer.

Der Film wird am Freitag 17. August ab 18 Uhr im Kino Leuzinger Altdorf und am Mittwoch 22. August (20.15 Uhr) im Kino Gotthard Zug gezeigt. Diskussion mit Christoph Meili und Patricia Diermeier (Autorin des Buches über Meili) jeweils im Anschluss. Gezeigt wird der Film auch im Kino Engelberg (Sa 18.30 Uhr, So 11 Uhr und Mi 18.15 Uhr).

Das Schweizer Fernsehen strahlt am Donnerstag 23.8. (20.05, SRF1) eine gekürzte Fassung aus.