Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Theater Konstanz: Ein Hirtenmädchen rettet das Jammerlappen-Volk

Regisseurin Johanna Wehner zelebriert in ihrer Inszenierung von Schillers «Jungfrau von Orléans» den Spass am Untergang. Die Schauspieler brillieren in der Spiegelhalle des Konstanzer Stadttheaters – allen voran Johanna Link als trotteliger König.
Maria Schorpp
Johanna Link als Hampelmann-König, Sylvana Schneider als zögerliche Jungfrau. (Bild: Bjørn Jansen)

Johanna Link als Hampelmann-König, Sylvana Schneider als zögerliche Jungfrau. (Bild: Bjørn Jansen)

Diesen König muss man buchstäblich zum Jagen tragen. Zu dritt zerren sie ihn nach vorne. Er wehrt sich mit Händen und Füssen, knickt ein, seine Hand, die um das Mikro gewunden wird, fällt schlaff runter. «Nicht ich», sagt er. «Nicht ich», rufen aber auch diese Königsmacher im Chor. Das erinnert irgendwie an die zurückliegende deutsche Regierungsbildung. Mitregieren? Verantwortung übernehmen? Ach nö.

Zumal es ohnehin keine Wunder mehr gibt, wie sich alle Beteiligten versichern. Und mindestens solch eines braucht es, um die Lage zu retten. Auch in Anbetracht von König Karl von Frankreich im grünen Jägeranzug, gespielt von Johanna Link. Was für ein verzagtes Menschlein, das immer wieder «Hallo?» in den Raum ruft, um sich zu vergewissern, dass es nicht alleine ist. Regisseurin Johanna Wehner lässt die Schauspieler diese Auftritte ausführlich und mit lustvollem Spass am Untergang zelebrieren. Die du Chatels, Sorels, Dunois oder wie sie alle heissen, sind ihr im wahrsten Sinne gleich. Ein einig Jammerlappen-Volk, das Julian Härtner, Katrin Huke, Jörg Dathe und zunächst auch Sylvana Schneiders heilige Johanna abgeben.

Mit der Schlaffheit des Zeitgeists ringen

Schillers romantische Tragödie «Jungfrau von Orleans» erhält in der Spiegelhalle des Konstanzer Stadttheaters einen heutigen Spass-Anstrich. Sollte man meinen, wenn nicht im Programmheft nachzulesen wäre, dass schon Schiller im Jahre 1800 davon geschrieben hat, dass die Tragödie «mit der Ohnmacht, der Schlaffheit, der Charakterlosigkeit des Zeitgeistes» ringe. Offenbar ist die aktuelle Materialermüdung der Seele kein historisch singuläres Phänomen. Und möglicherweise auch nicht zufällig in Zeiten, in denen der ganze Mensch gefragt ist. Es ist amüsant mitanzusehen, wie insbesondere Johanna Links König Karl den Oberhampelmann gibt. Regisseurin Wehner hat die Bühne mit einem von der Decke bis zum Boden reichenden Kettenvorhang bestückt, auf dem in Glitzerschrift «Krise» steht. Die Engländer – bei denen die Stimmung später im Übrigen auch nicht viel anders aussieht – stehen vor Orleans, der Burgunder ist zum englischen Feind übergelaufen und selbst die Königsmutter sinnt auf Rache. Es braucht dann wohl so eine wie die 14-jährige Johanna, ein Hirtenmädchen, das in keinem Milieu ganz zu Hause ist, damit überhaupt mal etwas passiert. Sylvana Schneiders heilige Jungfrau von Orleans ist keineswegs ein weiblicher Haudrauf. Sie ist zögerlich in ihren gepufften Ärmeln, und auch im Brustpanzer scheint sie schon das Ende mitzudenken (Kostüme: Miriam Draxl).

«Das schöne Ende» spart sich die Inszenierung, so viel Tragik ist den Heutigen nicht zumutbar. Die volle Ladung Schiller-Duktus übrigens auch nicht. Dafür Danke – und für eine weithin treffsicher herausgespielte Vorführung.

Hinweis

Bis 21.6. Nächste Vorstellungen am 5., 6. und 9.6., Theater Konstanz, Spiegelhalle

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.