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Lucerne Festival: Ein Kindheits-Tag mit Tabuzonen

Der Erlebnistag zum Thema Kindheit bezog schon in Fritz Hausers «Schraffur» einzelne Kinder mit ein. Aber er hielt selbst im Wunschkonzert für die Kids an Ansprüchen fest, die ein Podium um Wunderkinder kritisierte.
Urs Mattenberger

«Guten Morgen, kleine Kinder», begrüsste die Geigerin Patricia Kopatchinskaja gestern morgen das Publikum im Familienkonzert des Erlebnistages. Und richtete sich auch an die «grossen Kinder, alten Kinder und sehr alten Kinder» im vollen Konzertsaal. Sie gab damit die Losung aus für diesen Erlebnistag: Er lockte 5 200 Besucher an mit Konzerten, die kindertauglich waren und doch auch Erwachsene ansprachen.

Exemplarisch galt das für Kopatchinskajas eigenen Auftritt mit der Cellistin Sol Gabetta. Die Werkwahl berücksichtigte nur moderne Musik, zu der man aber über Tanzrhythmen leicht Zugang fand. Und der verschobene Trott am Bühnenrand, mit dem beide veranschaulichten, was eine Synkope ist, brachte mit den pfiffigen Moderationen der Geigerin theatrale Elemente mit ein wie sie eben Kinder ebenso wie Erwachsene lieben. Und das rhythmisch pointierte und klangzauberische Spiel liess für neugierige Ohren ohnehin keine Wünsche offen.

Kinderprogramme von Erwachsenen

Freilich wurde diese Perle dadurch getrübt, dass der Auftritt des Duos als zweiter Teil des Familienkonzerts auf Camille Saint-Saëns Karneval der Tiere folgte. Auch diesen machte der augenzwinkernde Erzähler Dan Tanson für Erwachsene attraktiv. Aber dass die Aufmerksamkeit der Kinder durch dieses Doppelprogramm lange vor dem Ende erschöpft war, zeigte, dass Kinder-Erlebnistage am Festival allzusehr von Erwachsenen für Erwachsene gemacht werden.

Zwar waren Workshop und Instrumentenparcours in Museumsräumen reine Kinderprogramme. Aber schon die beiden «Mittendrin»-Konzerte, in denen sich das Publikum unter die Musiker des Academy-Orchesters und damit «mitten hinein in den Klang» (Dirigent Matthias Pintscher) setzen konnte, waren zwar eine Entdeckung für Erwachsene. Die allzu langen Einführungs-Referate aber machten sie zur Tabuzone für Kinder.

Diese konnten sich die Zeit draussen mit dem Strassenfestival vertreiben, bis um 16.30 mit Charlie Chaplins «The Kid» ihr Wunschkonzert an der Reihe war. Das 21st Century Orchestra, das zum Film Chaplins anrührende Musik mit viel Feinsinn spielte, mochte manch Erwachsenem die Träne entlocken, die im Untertitel versprochen wird. Kinder dagegen vermissten doch auch etwas den Slapstick in diesem ernsten Film.

Wunderkind macht sprachlos

Immer auch lehrreich oder ernst also: Unter dem Strich schien es, als stehe das Festival selber unter dem Förderzwang, den das von Martin Meyer moderierte NZZ Podium zum Thema «Kindheit» auch thematisierte. Die Attraktion war hier die 13-jährige Geigerin, Pianistin und Komponistin Alma Deutscher. Sekundiert von Sol Gabetta als einst ebenfalls selbstbestimmtem Wunderkind machte Deutscher alle sprachlos, indem sie selbstbewusst ihr Leben als Wunderkind in den schönsten Farben ausmalte.

Da ging zwischen vielen Stichworten zum Thema der Verweis des Schriftstellers Norbert Gstrein auf Lebenserfahrungen ebenso unter wie die Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm: Sie ermunterte zur Frage, wieso viele Wunderkinder später ganz normale Erwachsene werden, während viele durchschnittliche Kinder als Erwachsene Ausserordentliches leisteten. Ihr Plädoyer, nicht die ganze menschliche Entwicklung schon der Kindheit aufzubürden, war wie ein Plädoyer für mehr Leichtigkeit an einem solchen Kindheits-Erlebnistag.

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