Ein Luzerner bringt Japan auf die Landkarte

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Geschichte Einer der Ersten, der das neu entdeckte Japan der Schweiz bekannt gemacht hat, ist der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat (1545–1614). Im Werk «Warhafftiger Bericht von den Newerfundenen Japponischen Inseln und Königreichen» (gedruckt 1585 in Freiburg), beschrieb er ohne selber je in Japan gewesen zu sein die Kultur und das Volk im Fernen Osten. Cysat sammelte Briefe und Missionsberichte von Jesuiten und Seefahrern und übersetzte sie aus dem Lateinischen, Italienischen und Portugiesischen.

Speziell bei Cysats Werk ist die erstmalige Veröffentlichung der fremden Schriftzeichen im deutschsprachigen Raum und die von ihm aufgrund der Berichte erarbeitete Karte des Landes, welche als eine der Ersten in Europa gilt.

Japaner übertreffen alle anderen «neugefundenen» Nationen

Cysat hat Japan wohlwollend wahrgenommen und sah das Land als Katholik angesichts der sich ausbreitenden Reformation als Hoffnungsträger für seine Konfession an. In seiner Schrift zeigt er sich fasziniert von der Fortschrittlichkeit der Japaner. Cysat ist voll des Lobes für die sechs Hochschulen des Landes und den Umstand, dass ihnen der Buchdruck früher als in Europa bekannt gewesen ist. Er sah in den Japanern ein gelehrtes Volk und hielt fest, dass, «gar nahe der mehrer theyl weyb und mann schreiben und lesen». Aufgrund des besonderen Ehrgefühls der Japaner inklusive des Phänomens des rituellen Suizids hat Cysat die Japaner auch mit den alten Römern verglichen. Sein Fazit: Bezüglich Tugend würde das japanische Volk alle anderen «neugefundenen» Nationen übertreffen.

Begeisterung verwandelt sich in Verachtung

Cysats Bericht ist auf die regelrechte Japan-Begeisterung zurückzuführen, welche die europäische Öffentlichkeit ab 1585 erfasste. Damals wurde eine von den Jesuiten zusammengestellte Gesandtschaft mit vier japanischen Konvertiten von Papst Gregor XII. im Vatikan empfangen. Doch der Enthusiasmus über das für das Christentum neu entdeckte zivilisierte Volk im Fernen Osten hielt nur wenige Jahrzehnte an. Mit der Christenverfolgung und den zahlreichen Exekutionen in Japan ab dem 17. Jahrhundert änderte sich die öffentliche Meinung in Europa und wandelte sich grösstenteils in Verachtung. (ras)