KKL: Ein Meisterwerk kongenial umgesetzt

Die Reihe des Lucerne Chambre Circle und der Bach Chor stimmten mit einem festlichen Wochenende auf Weihnachten ein.

Roman Kühne
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Das Bach Ensemble Luzern, geleitet von Franz Schaffner, brilliert im KKL.

Das Bach Ensemble Luzern, geleitet von Franz Schaffner, brilliert im KKL. 

Bild: Emanuel Ammon/Aura (22.12.2019)

Das musikalische Jahr wendet sich wohin es kann. Am Schluss landet doch wieder alles bei Bach. Auch dieses Jahr ist das vorweihnachtliche Konzertpaket im KKL vor allem mit Johann Sebastian Bach gefüllt. Interessant ist, dass das Weihnachtsoratorium fehlt. Zumindest im KKL. Dafür werden in der Jesuitenkirche zwischen Weihnachten und dem 5. Januar alle sechs Kantaten im Gottesdienst aufgeführt.

Aber natürlich hat Bach auch neben seinem Weihnachtswerk vieles zu bieten. Eine Spitze seines Schaffens, ja fast eine Art Sammlung seiner Kräfte und seines Wissens ist die grosse h-Moll Messe. Das Kammerorchester Basel – sein Weihnachtskonzert im KKL hat schon fast Tradition – und die Camerata Vocale Freiburg spielen am Samstag eine ergreifende Interpretation dieses Werkes.

Das Vermächtnis des Meisters

Das Besondere an der Komposition ist, dass der Lutheraner Bach hier ein einziges Mal einen kompletten Messeablauf der katholischen Kirche, das Ordinarium, vertont. Auch ist diese Musik so etwas wie das Vermächtnis des Meisters. Zwar schrieb er den ersten Teil schon 1733. Jedoch erst 15 Jahre später, kurz bevor ihn die Kräfte verliessen, beendete er sein Werk.

Im Rahmen des Lucerne Chambre Circles erklingt das Werk gross. Während im letzten Jahr das «Weihnachtsoratorium» – was denn sonst – wenig Schwung entfaltete, lässt das diesjährige Konzert keine Wünsche offen. Winfried Toll, langjähriger Dirigent der Camerata, leitet die Musik in hohe Sphären. Ganz der historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet, zeichnen die Ensembles eine ergreifende und belebende Gottesidee. Mit Fluss wird die eröffnende «Missa» gezogen. Ein konstanter Sog, unaufhaltsam, dennoch leicht. Auch die schnellen Takte klingen federnd und fasslich . Winfried Toll zeigt die ganze Würde und Tiefe, aber auch die Hoffnung, die dem Stück innewohnt. Der fast jazzige Walking-Bass im «Credo», das wie ein Saxofon klingende Wechselspiel zwischen Fagott, Orgel und Horn: Mit Gespür und Mut werden die vielen speziellen Farben des Werks gezeichnet.

Die Sängerinnen und Sänger kreieren in stimmiger Klangbalance und mit Agilität die vielen Emotionen. Das stimmliche Auf und Ab im «Sanctus» – fast glaubt man sich in der Moderne unseres 21. Jahrhunderts – ist ein überraschender Höhepunkt.

Solokonzert für Harfe und Flöte

Am Sonntagmorgen ist die Reihe am Bach Ensemble unter dem Gründer und langjährigen Dirigenten Franz Schaffner. Wie immer ist ihr Konzert ein Publikumsmagnet. Mit ihrer Mischung aus besinnlichen und leicht hörbaren Stücken schaffen sie es jedes Jahr, das Publikum in Scharen anzulocken.

Aktuell ist es ein Wechsel aus Johann Sebastian Bach, natürlich, und Georg Philipp Telemann, die perfekt die adventliche Stimmung spiegeln. Interessanterweise sind es je zwei Stücke dieser Zeitgenossen, die jeweils den gleichen Texten zugrunde liegen. Dem «Nun kommt der Heiden Heiland» vor der Pause folgt das «Singet dem Herrn ein neues Lied» nach der Pause.

Das Bach Ensemble Luzern singt teils agil, zeichnet etwa die Fuge in Telemanns Kantate technisch versiert und mit einem guten Puls. Mit Wohlklang im Bass und in den mittleren Lagen ist der Chor in der Höhe etwas dünn besetzt. Schön in den singenden Mezzoforte-Stellen vermisst man den wuchtig jubelnden Ausbruch. Das choreigene Orchester ist vor allem bei den Bachstücken präzise und lebendig.

Bei den Gesangssolisten sind es der Bass Peter Brechbühler, Professor an der hiesigen Hochschule Luzern für Sologesang, und die einheimische Laura Binggeli, die mit relaxten, offenen Stimmen und klarer Gestaltung Glanzpunkte setzten. Das Vergnügen dieses Adventmorgens ist jedoch das Solistenduo Anne Bassand an der Harfe und die aus Malters stammende Flötistin Gabriela Schüpfer. Ihr Konzert für Harfe und Orchester (Georg Friedrich Händel), sowie Mozarts Doppelkonzert für Flöte und Harfe spielen sie mit viel Intimität und dem Gespür für Zwischentöne.

KKL-Tipps: Ensemble Corund, mit Beethoven & Christmas Carols, Donnerstag, 26. Dezember, 14.00 Uhr. Filmmusik: «James – Bond Skyfall», Freitag & Samstag, 27. & 28 Dezember, 19 Uhr. «Downton Abbey», Sonntag, 29., & Dienstag, 31. Dezember, 18.30 & 21.00 Uhr.