Lyrik
Lyrikband von Andreas Iten: Ein Nachtfuchs, so viel Erinnerung

Der im Ägerital aufgewachsene Zuger Autor Andreas Iten berührt kurz nach seinem 85. Geburtstag mit Gedichten aus verschiedenen Jahrzehnten seines Lebens als Lehrer, Politiker, Schriftsteller.

Susanne Holz
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Zuger Autor Andreas Iten

Zuger Autor Andreas Iten

Bild: Romano Cuonz (19. August 2020)

85 Jahre ist Andreas Iten Ende Februar geworden. Dem Zuger Schriftsteller, der schon vieles war in einem reichen Leben – Bauernbub, Lehrer, Politiker – mangelt es sicher nicht an Erfahrungen und ganz sicher nicht an Gefühl. Nun fasst ein Lyrikband die Gedichte Andreas Itens aus den letzten Jahrzehnten zusammen – und zeigt ganz schlicht und unangestrengt die grosse Lebenserfahrung des Autors und seine Emotionalität auf.

Andreas Iten: Barfuss. Bucher, 120 S., Fr. 19.90.

Andreas Iten: Barfuss. Bucher, 120 S., Fr. 19.90.

Andreas Iten sagte im Interview mit dieser Zeitung einmal: «Lyrik verdichtet ein Erlebnis, eine emotionale Situation auf wenige Zeilen.» Im jetzt erschienenen Lyrikband «Barfuss» bestätigt er diese Aussage. «Barfuss» hiess übrigens auch mal ein Film des deutschen Kinostars Til Schweiger. Und so verschieden ein Til Schweiger und ein Andreas Iten sein mögen, das haben sie gemeinsam: Ihr Antrieb ist das Gefühl, ihr Stil ist geprägt von Geradlinigkeit.

Assoziationen, welche zum eigenen Leben führen

Andreas Iten erweist sich in seiner Lyrik als genauer Beobachter, der dafür die genau passenden Worte sucht und findet. Hier liebt einer den Menschen, die Sprache, das Schreiben. «Erinnerungen wie Berggipfel», schreibt der Autor, der im Ägerital aufgewachsen ist, im gleichnamigen Gedicht. Und weiter: «Dazwischen unsichtbare Täler, versunkene Dörfer... Was vom Leben bleibt, sind die Gipfel.» Das Schöne an Lyrik ist aber, dass sie Assoziationen weckt und den Leser dazu bringt, sich an die versunkenen Dörfer des eigenen Lebens zu erinnern.

So geht es der Autorin dieser Zeilen bei Itens Gedicht «Nachtfuchs»: «Als ob er mir nachschliche, der Fuchs in der Nacht...» Diese Worte rufen beim Lesen die Erinnerung an die Anekdote wach, die die Mutter so oft erzählte. Der Bruder habe als kleines Kind in der Nacht den Grossvater immer gefragt, wenn jener vom Fuchs erzählte: Kann der Fuchs nicht mal die Grosstante Soundso holen...? So verbinden sich in Sekundenschnelle Welten, Erinnerungen, Emotionen. Das schafft nur Lyrik.