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Ein nicht alltäglicher Spaziergang mit dem Maler Marc-Antoine Fehr

In der Luzerner Galleria Edizioni Periferia nimmt der Maler Marc-Antoine Fehr mit auf einen Spaziergang. Die Bildserie «The Walk of the Blind Man» führt durch Fehrs Wahlheimat Frankreich und endet unheimlich.
Céline Graf
Marc-Antoine Fehr beobachtet seine Umgebung genau. Auch Unscheinbares wie Autobahnraststätten. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 16. Mai 2019)

Marc-Antoine Fehr beobachtet seine Umgebung genau. Auch Unscheinbares wie Autobahnraststätten. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 16. Mai 2019)

Die Autobahnraststätte ist ein eigenartiger Ort. Es ist Niemands­land, mit eigenem Rhythmus, voller Werbung und doch farblos. Wer zum Beispiel schon einmal im Auto nach Südfrankreich in die Sommerferien gefahren ist, hat eine gute Beziehung zu ihr.

Hier markiert das erste warme Pain au chocolat vor der Schweizer Grenze: Jetzt gehen die herbeigesehnten Ferien tatsächlich los. Und auf der Rückreise findet sich im Restaurant der letzte Rest Müssiggang. Während draussen ein Gewitter niedergeht, verflüchtigen sich die Ferien angenehm langsam.

Der Spaziergänger, das sind wir

«Ich wollte, dass in diesen anonymen Ort im Hinterland etwas Prosaisches hineinkommt», sagt Marc-Antoine Fehr. Auf Anfrage des Luzerner Kunstverlags Galleria Edizioni Periferia hat der Maler während zwei Jahren ein Buch mit einer lose zusammenhängenden Bildergeschichte gestaltet. Die Originale sind bei Periferia in der Ausstellung «The Walk of the Blind Men» zu besichtigen.

Am Anfang der Geschichte tritt ein Herr mit Stock und Hund aus einem Haus. Kaum vor der Tür, gerät der blinde Mann auch schon in einen Fechtkampf mit einem Doppelgänger. Der Sieger oder der Verlierer, je nach Interpretation, betritt dann durch ein Gartentor einen Strand. Die Umrisse des Spaziergängers verwässern zunehmend. Bald ist er ganz aus dem Sichtfeld verschwunden.

Buch manövriert durch Ausstellung

Die ersten Bilder zeigen einen Grundsatz von Marc-Antoine Fehr auf: Statt an der Hand führt er sein Publikum lieber etwas an der Nase herum. Nicht mit böser Absicht, sondern weil jeder sich eigene Gedanken zum Gesehenen machen soll.

«Der Spaziergänger, das sind eigentlich wir»,

sagt der 66-Jährige. Fehr wuchs in Zürich auf, lernte bei seiner Mutter und seinem Grossvater die Malerei kennen und liess sich 1975 in Frankreich nieder. Er wohnt mit seiner Frau auf einem Schloss in der kleinen Burgunder Gemeinde Pressy-sous-Dondin.

An verschiedenen Orten in Frankreich spielt denn auch die erste Hälfte der Spaziergangs-Geschichte. Die Besucherinnen und Besucher manövrieren sich am besten mit dem Buch durch die Ausstellung.

Melancholische Traumwelt

Auf den Strand im Morgenlicht, wo ein Fluchtboot und geisterhafte Reiterfiguren erscheinen, folgt die Autobahnraststätte in der Mittagssonne. Dann ein verwachsener Bahnhof, eine Parkanlage und alte Häuser an einem Fluss im Abendrot. Zwischendurch wartet jemand auf einer Bank, manchmal kleben Schatten im Dickicht.

Er würde sehr gerne einmal einen Comic zeichnen, sagt Fehr, aber das sei schwierig für ihn. Er macht sich keine klare Handlungsvorgabe, sondern verarbeitet einzelne Stimmungen, Eindrücke, Gegenstände und Fotografien aus seinem Alltag zu Bildern. Sehr oft werden daraus Serien, die ihn über längere Zeit hinweg beschäftigen.

Fehrs Werk tendiert immer wieder zum Grotesken, Abgründigen, Albtraumhaften. So mündet der Spaziergang in der zweiten Hälfte der Geschichte in einer unheimlichen, melancholischen Traumwelt. Mordende Clowns, einsame Arbeiter, schwarze Hunde, verschwommene Gestalten tummeln sich da. Auch sie entspringen Fehrs Umgebung – oder auch mal einem Buch. Weniger aber seinem Schlaf, so der Künstler:

«Leider habe ich keine interessanten Albträume.»

Ausstellung bis 22. Juni im Showroom der Galleria Edizioni Periferia. Infos und Buch «The Walk of the Blind Man»: www.periferia.ch

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