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Das letzte Cranberries-Album ist ein Requiem für die verstorbene Frontfrau

Über ein Jahr nach dem tragischen Tod ihrer charismatischen Sängerin Dolores O’Riordan veröffentlichen die Cranberries ihr letztes Album: «In The End». Für die Band ist das ebenfalls das Ende. Die Sängerin sei nicht zu ersetzen.
Steffen Rüth
Dolores O’Riordan, die charismatische Frontfrau der irischen Band Cranberries. (Bild: Frank Hönsch/Getty (Berlin, 2. Mai 2017))

Dolores O’Riordan, die charismatische Frontfrau der irischen Band Cranberries. (Bild: Frank Hönsch/Getty (Berlin, 2. Mai 2017))

Die Frage ist für Noel Hogan nicht leicht zu beantworten. Welches Gefühl überwiegt nun, die Freude über die gelungene Vollendung des letzten Albums der Cranberries, «In The End», oder doch immer noch die Trauer über den Tod der charismatischen Sängerin Dolores O’Riordan? Sie ertrank im Januar 2018 unter massivem Alkoholeinfluss in einer Londoner Hotelbadewanne. «Es ist wirklich eine Mischung aus beidem», sagt Hogan. «Widersprüchliche Emotionen erschüttern uns. Es fühlt sich seltsam an, ein neues Album herauszubringen, dessen Publikation zugleich unwiderruflich das Ende der Band markiert.»

Gitarrist Hogan hatte mit seinem Bruder Mike, Fergal Lawlor und eben Dolores die Band 1990 im irischen Limerick gegründet. Der Musiker macht im Gespräch den Eindruck, als falle es ihm gleichzeitig schwer und tue es ihm gut, über die mit 46 Jahren verstorbene Frontfrau zu sprechen. Ab und zu stockt ihm die Stimme. «Mit diesem Album wollen wir das Leben von Dolores feiern», sagt der 47-Jährige. «Wir sind dankbar, dass sie uns diese Musik hinterlassen hat.»

Ein Vermächtnis, mit teils prophetischem Inhalt

Ohne die traurige Hintergrundgeschichte wäre «In The End» wohl einfach eine weitere solide, aber nicht besonders herausragende Cranberries-Platte. So aber ist sie ein Vermächtnis, mit teils prophetischem Inhalt. In «All Over Now» etwa klagt Dolores darüber, allein in einem Londoner Hotelzimmer zu hocken und weder ein noch aus zu wissen. Es war ihr schliesslich schon jahrelang vor ihrem Unfalltod nicht gut gegangen. Sie litt unter einer bipolaren Störung, unter Depressionen, auch unter der Trennung von ihrem langjährigen Ehemann und ihren Kindern im Teenageralter, die nach der Scheidung beim Vater in Kanada lebten. «Sie hatte eine ruppige Zeit hinter sich, aber sie schien wirklich auf einem guten Weg zu sein», sagt Hogan.

"Sie wollte immer mit dem Kopf durch die Wand"

Eine Weile sei O’Riordan trocken gewesen, zuletzt aber wieder rückfällig geworden. «Sie war ein Mensch mit einer nur sehr dünnen Schutzhülle. Dolores war stur, wollte immer mit dem Kopf durch die Wand.» 2014 etwa attackierte und verletzte sie eine Flugbegleiterin, worauf sie vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen wurde. Auch der Ruhm nach den frühen Welterfolgen Mitte der 90er-Jahre mit Stücken wie «Zombie» und «Linger» sei für die Sängerin eine sehr zwiespältige Sache gewesen. «Sie mochte das Rampenlicht, aber nur dosiert. Am liebsten hatte sie ihre Ruhe, ging sie im Wald spazieren.» In dem das Album abschliessenden Titelsong singt Dolores O’Riordan: «Ist es nicht komisch, dass alles, was du immer wolltest, am Ende kein bisschen so ist, wie du es dir erhofft hattest.»

«Dolores ist für uns absolut unersetzlich»

«In The End» haben die drei verbliebenen Cranberries mit ihrem Stammproduzenten Stephen Street erarbeitet. Dank ihrer Gesangsdemos, die sie im Lauf des Jahres 2017 zur Vorbereitung des Albums aufgenommen hatte, war Dolores quasi posthum im Studio präsent. «Es war ein Kraftakt, aber zum Glück gewöhnten wir uns an die Situation und hatten auch Spass.» Bevor sie entschieden, das posthume Projekt anzugehen, hätten sie sich die Zustimmung von O’Riordans Familie eingeholt. «Wir haben ihre Brüder und ihre Mutter gefragt, ob das in Ordnung geht. Alle haben uns ihren Segen gegeben.»

Das Kapitel Cranberries ist nun zu Ende. Eine Fortsetzung mit einer anderen Sängerin schliesst Noel Hogan vehement aus. «Dolores war eine so starke Persönlichkeit mit einer herausragenden Stimme. Sie ist für uns absolut unersetzlich.»

«In The End» erscheint morgen

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