Kino: Ein Rollstuhltrick mit kniffligen Folgen

Menschen im Rollstuhl sieht man in Kinofilmen eher selten, zu den Ausnahmen gehörte etwa «Intouchables». Ein französischer Film geht in eine ähnliche Richtung. Die Hauptfigur ist anfangs unerträglich. Und verwickelt sich dann in eine verzwickte Lüge.

Julia Kilian, DPA
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Ein besonderes Rollstuhl-Date: Franck Dubosc und Alexandra Lamy un den Hauptrollen. (Bild: Ascot Elite)

Ein besonderes Rollstuhl-Date: Franck Dubosc und Alexandra Lamy un den Hauptrollen. (Bild: Ascot Elite)

Mit der Wahrheit hat es Jocelyn nun so gar nicht. Der Chef eines Turnschuh-Konzerns flunkert ununterbrochen. Franck Dubosc spielt in «Tout le monde debout» einen Playboy, der anderen frei auf den Hintern guckt und seinen Pool per Fernbedienung zudeckt.

Als seine Mutter stirbt, besucht Jocelyn ihre Wohnung und setzt sich in ihren Rollstuhl. Plötzlich steht Nachbarin Julie in Hotpants im Zimmer. Sie ist Krankenpflegerin und hält Jocelyn für querschnittsgelähmt. Jocelyn nutzt das Missverständnis aus – und hofft auf einen Mitleidsbonus, um sie ins Bett zu kriegen.

Julie freut sich zwar, dass er ihr auf die Brüste schaut. Aber sie hat einen anderen Plan. Denn Julie hat eine schöne Schwester – und Florence (Alexandra Lamy) sitzt selber im Rollstuhl. Ganz so einfach wird es deswegen nicht.

Hauptdarsteller ist auch Regisseur

Die französische Komödie lässt anfangs keinen Klamauk aus – Witze über Darmspiegelung inklusive. Je näher sich Florence und Jocelyn aber kommen, desto netter wird der Film. Man denkt an «Intouchables» von 2011. Da ging es um die Freundschaft zwischen einem gelähmten Mann und seinem Pfleger.

Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich gegenüber Behinderten verhalten sollen. So geht es auch Jocelyn, der an Barney Stinson aus der Fernsehserie «How I Met Your Mother» erinnert. Nur grauer und älter. Der Komiker Dubosc spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern ist auch Autor und Regisseur des Films. Er habe immer eine Liebesgeschichte zwischen Menschen erzählen wollen, die körperlich verschieden seien.

In seiner Rolle leistet sich Dubosc viele Fettnäpfchen: «Ich wollte all die dummen Sachen zeigen, die aus Ignoranz gesagt werden, und die verschwinden, sobald man mit Liebe auf die andere Person schaut.»

Was wird am Ende aus ihm und Florence, die in ihrem Rollstuhl Tennis spielt und als Violinistin auftritt? Wenn man über etliche Altherren-Schwenks und überdrehte Szenen zu Beginn hinwegsieht, wird «Tout le monde debout» schliesslich doch noch ein schöner Film.

«Tout le monde debout» startet am Donnerstag, 6. September, in unseren Kinos.