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Ein starker Roman über die dunklen Seiten der Selbstoptimierung

Julia von Lucadou lässt unsere finstersten Albträume wahr werden. In ihrem Debüt erzählt sie vom Terror der Selbstoptimierung und totalen Kontrolle in einer aseptischen Zukunftsgesellschaft.

Die schöne neue Welt ist glänzend, stylisch, durchkommer­zialisiert und optimiert. Die Menschen in ihren coolen Designerwohnungen und gläsernen Bürotürmen sind angepasst an dieses makellose Ambiente: Dank eines perfekten Systems der Selbstkontrolle mittels Fitness-Tracker und Social Credit Points wissen sie jederzeit, wo sie im Ranking stehen.

Rufen sie ihr Leistungspotenzial ab? Falls nicht, werden sie umgehend zum Objekt einer fürsorglichen Belagerung. «Mindfulness-Übungen» und «Mind Cleansing Sessions» sollen das Leben dieser aus der Spur gekommenen Menschen wieder ins Lot bringen. Kontrollverlust, Selbstaufgabe darf es nicht geben: «The show must go on.»

Kontrollverlust für beide Seiten

Julia von Lucadous beeindruckender Debütroman «Die Hochhausspringerin» entwirft ein düsteres Zukunftsszenario, das gerade deshalb so beängstigend ist, weil die Wirklichkeit sich dieser Dystopie in mancherlei Hinsicht schon annähert.

Die Hauptfigur des in einem namenlosen Land, in einer namenlosen Stadt spielenden Romans ist die Psychologin Hitomi. Ihr Job besteht darin, die Hochhausspringerin Riva zu überwachen und zu betreuen. Riva ist Kult, übt sie doch einen Extremsport aus. Das Leben dieses Superstars der Gesellschaft ist vermarktet und transparent.

Dann eines Tages der GAU: Riva will nicht mehr. Sie verweigert den Sport, zieht sich zurück, privatisiert. Für die Sponsoren wird das zum Problem, und Hitomi gerät unter Druck. Denn sie muss es schaffen, Riva wieder zum Springen zu animieren. Die Psychologin attestiert der Sportlerin eine handfeste Depression, ein Burn-out. Doch Hitomis Auftraggeber halten diese Diagnose für «veraltet».

Rivas Kontrollverlust wird mehr und mehr zu Hitomis Kontrollverlust. Sie schläft schlecht, vermasselt ein Date. Ihr Vital Score Index sinkt, ihr Social Credit ebenfalls. Ein Desaster für die Aufsteigerin, die einst in einem Institut gecastet wurde und den beneideten Aufstieg in die Glitzerstadt schaffte.

Von Lucadou hat einen Roman zum Frösteln geschrieben. In einer spannenden Geschichte erzählt sie von einer Gesellschaft, in der alles bemessen, bewertet, getrackt und vermarktet wird. Das beginnt bei der Arbeit, geht über die eigene Fitness und Gesundheit und reicht bis zu Liebesbeziehungen. Auf der Strecke bleiben Humanität, Spontanität, Musse und fröhliche Unordnung. (dpa)


Julia von Lucadou: Die Hochhausspringerin. Hanser, 288 S., Fr. 29.–.

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