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Lesetipps Russland: Sinnsuche in der grenzenlosen Weite

Zwei Bücher prüfen den Kommunismus auf Herz und Nieren und verfolgen Dostojewskijs politische Wandlungen.
Erika Achermann

Ein Russe ist unterwegs

«Die Wanderung mit offenem Herzen» lautet der Untertitel dieses beeindruckenden Romans von Andrej Platonow. So ist es. Wie Don Quijote und Sancho Pansa wandern Sascha Dwanow und Kropjonkin durch die südliche Steppe Russlands bis in die fiktive Stadt Tschewengur, in der angeblich bereits der Kommunismus verwirklicht ist. Dort angekommen, prüft Sascha den Kommunismus auf Herz und Nieren. Sie entdecken dabei, dass das «Reich Gottes auf Erden» ausgeblieben ist. Die Erlösung im Kommunismus ereignete sich nicht. Männer und Frauen begegnen sich nicht als Liebende, sondern immer als Schwestern und Brüder.

Welch utopische Sicht schon in den Jahren 1927–29, als Platonow diesen unvergleichlichen Roman schrieb! Er wurde in Russland erst 1988 veröffentlicht. Platonow starb 1951. Liest man ihn heute in der neuen Übersetzung von Renate Reschke, geniesst man die Beschreibungen der grenzenlosen Weiten Russlands, denen die Menschen ungeschützt ausgesetzt sind. Platonow bekennt sich zu seiner Leidenschaft für die Weite des Weges und seine Sympathie für den Fremden. Die Lektüre ist anstrengend, doch das Gespräch über Tschewengur von Dzevad Karahasan und Ingo Schulze führen zum Verständnis dieser unvergesslichen Lektüre.

Andrej Platonow: Tschewengur. Roman, Suhrkamp, 581 S., Fr. 43.-

Genie und Spieler

Dostojewskijs grosse Romane sind existenzielle Lektüreerlebnisse. Kaum weniger intensiv war sein von inneren und äusseren Dramen geprägtes Leben. Als er 1849 als 27-Jähriger aus politischen Gründen verhaftet wird, entgeht er dem Todesurteil, als er bereits auf dem Richtplatz steht. Nach zehn Jahren in Sibirien kehrt er an den Schreibtisch zurück, muss dann aber vor seinen Gläubigern ins Ausland fliehen und vor der materiellen Not ins Glücksspiel. Dramen prägten sein Leben. Seine Romane sind mit Spannung aufgeladen und zugleich mit intensiver Sinnsuche. Sie gehören zu den meistgelesenen Werken der Weltliteratur bis heute. Nach 25 Jahren ist nun erstmals wieder eine Biografie erschienen; Andreas Guski verfolgt Dostojewskijs politische Wandlungen zwischen Revolte und Reaktion. Man ist durch diese Biografie zum Lesen seiner Werke angeregt.

Andreas Guski: Dostojewskij. Mit 30 Abbildungen. C.H. Beck Verlag, 460 S., Fr. 36.-

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