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Neuer Roman von Doris Knecht: Ein Paar, das nicht zusammenpasst, sucht sein verschollenes Kind in Ho Chi Minh City

Im neuen Buch der Erfolgsautorin Doris Knecht geht es um ein Paar, das nichts mehr verbindet – ausser eine Tochter. Als sie verschwindet, müssen sie zusammenspannen.
Bernadette Conrad
Die Autorin Doris Knecht. (Bild: PD)

Die Autorin Doris Knecht. (Bild: PD)

Sie passen überhaupt nicht zusammen. Haben nie gepasst. Schon, als sie jung waren, war klar, «dass sie völlig unterschiedliche Erwartungen ans Leben hatten, völlig konträre Einstellungen dazu, völlig andere Ansprüche ...» Und dass sie ganz woanders hin wollten. Sie haben das auch geschafft – Heidi, auch mit 48 noch klein und dünn und niedlich, ist völlig zufrieden in der überschaubaren Reihenhauswelt in einem kleinen Vorort in Deutschland, dort wuchs sie auf, dorthin ist sie zurückgekehrt. Auch Georg ging zurück ins heimische Dorf im österreichischen Waldviertel, und vor allem, wenn er frühmorgens mit dem Hund in den Wald geht, das Wetter und irgendwelche Kräuter erschnuppert, die das Menu ergänzen könnten, ist er völlig eins mit sich als Gastwirt und Familienvater in der Beiz seiner Eltern.

Aber da ist Charlotte. Das einzige, was sie gemeinsam haben. Jenes Kind, das entstand, nachdem Heidi und Georg sich auf dem Wiener Naschmarkt gesehen und verliebt und mit dem Moped die sommerliche Umgebung der Stadt erkundet hatten. Dass Heidis Leben danach nie wieder so abenteuerlich geworden war, passte ihr vollkommen und hätte sich eigentlich nie mehr ändern müssen. Das aber war mit Charlotte nicht möglich.

In Doris Knechts neuem Roman «Weg» ist die Hauptfigur abwesend. An die, um die sich alles dreht, kommen wir Leser genauso wenig heran wie ihre Mutter. Dass Charlotte, rothaarig und immer schon eigenwillig, nun mit 23 ihr Leben in die eigenen Hände nimmt und mit einem Freund nach Asien aufbricht, könnte man ganz normal finden. Wenn sie nicht schon eine Krankheitsgeschichte mit dramatischen psychischen Zusammenbrüchen, Selbstverletzungsattacken und Psychiatrieaufenthalten hinter sich hätte.

Unfreiwillig aus der ­Komfortzone raus

Und so sieht Heidi keine andere Wahl, als sich mitten hineinzubegeben in etwas, das sie abstösst und zutiefst beängstigt: zusammen mit Georg folgt sie dem «Kind» nach Ho Chi Minh City, Pnom Penh und weiter hinein nach Kambodscha, wohin irgendwelche Hinweise sie führen. Und manchmal, momentweise, kann sie ihre kindliche Panik vor dem Chaos und Dreck und dem wilden Verkehr bändigen und etwas wahrnehmen. So schön, dieser Lotus, sagt Georg, so eine schöne Pflanze, perfekt. Aber all der Abfall dazwischen, flüstert Heidi, es ist eine Schande.

Doris Knechts Roman hat die Aktualität im Blick. Während zu Hause in Europa Flüchtlinge aus aller Welt ankommen, weitet sich ganz woanders – und höchst unfreiwillig – Heidis Horizont. Die spannende Geschichte erlaubt es der Autorin, ganz beiläufig auch Themen jenseits ihres Plots mit aufzunehmen. Wie begegnen sie dem familiären Elend ihres Reisebegleiters, mit dem er ihnen die Ohren vollredet? Was, wenn es nur erfunden ist? Aber wäre das Grund genug, sich als reicher Westler innerlich aus der Affäre zu ziehen? Nur über die Sprache stolpert man immer mal wieder – wenn reichlich flapsig ein Hotel als «komplett strange» bezeichnet wird oder Heidi darüber nachdenkt, dass vielleicht Charlottes Gene «versaut» sind.

Während Heidi und Georg dann doch, auf jeweils eigene Weise, in Asien ankommen, steht – natürlich – auch zu Hause das Leben nicht still. In allen steigt die Spannung. Und wird man als Leserin, wenigstens am Ende des Buches, die rätselhafte Charlotte doch noch kennen ­lernen?

Verraten sei nur, dass man am Schluss sehr vertraut geworden ist mit Heidi und Georg, ihren Schatten und inneren Widersprüchen – und ihren Möglichkeiten. Die sie nie kennen gelernt hätten – ohne ihr schwieriges Kind.

Doris Knecht, Weg. Roman. 301 S. Rowohlt Berlin, Fr. 33.–

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