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Der neue "Star Wars"-Film: Han Solo als selbstsicherer Draufgänger

In «Solo: A Star Wars Story» erzählt Regisseur Ron Howard die Vorgeschichte der Figur Han Solo aus der Originaltrilogie. Der Film vermochte bei der Europapremiere in Cannes nicht zu begeistern. Er beantwortet eine Frage, die sich kaum jemand ernsthaft stellte: Woher kommt der lässige Bandit, der von Harrison Ford verkörpert wurde?
Christian Jungen, Cannes
Am Ende ein eingespieltes Team: Alden Ehrenreich in der Rolle des Han Solo und sein pelziger Copilot Chewbacca, gespielt von Joonas Suotamo. (Bild: Jonathan Olley/Lucasfilm)

Am Ende ein eingespieltes Team: Alden Ehrenreich in der Rolle des Han Solo und sein pelziger Copilot Chewbacca, gespielt von Joonas Suotamo. (Bild: Jonathan Olley/Lucasfilm)

«I need a ticket for Solo», stand auf einem Schild, das eine junge Frau vor dem Festivalpalais in Cannes in die Höhe hielt. Han Solo sei ihr liebster Kinoheld, sagte die Frau, die aus Dijon angereist war und hoffte, ein Ticket für die Europapremiere von «Solo: A Star Wars Story» zu ergattern.

Der Hype mobilisierte am Dienstag die Fans wohl noch, war aber ­lange nicht mehr so stark wie 2005, als «Revenge of the Sith» an der Croisette lief. Damals gab es stürmischen Beifall, nun nur noch ein Gemisch aus gelangweilten Pfiffen und verhaltenem Höflichkeitsapplaus. Der Film hat enttäuscht, sogar hartgesottene Fans.

Woran liegt es? Zum einen daran, dass es diesen Spin-off-Film nur aus kommerziellen Gründen gibt, nicht aber aus dramaturgischen. Er beantwortet eine Frage, die sich kaum jemand ernsthaft stellte: Woher kommt der lässige Bandit, der in der Urtrilogie von 1977 bis 1983 von Harrison Ford verkörpert wurde?

Zum anderen liegt es daran, dass sich dieser Film nur noch an Teenager zu richten scheint, an jenes Publikumssegment also, welches das Merchandising erhält, mit dem Disney Milliarden verdient.

Immer wieder lange Verfolgungsjagden

Dieses Publikum, das eine verminderte Aufmerksamkeitsspanne hat und die Urfilme womöglich etwas langweilig findet, versucht der Film sogleich mit einer langen Verfolgungsjagd zu faszinieren. Und damit auch alle im Saal verstehen, was gespielt wird, sprechen sich die Figuren ständig mit Namen an und erklären, was sie im Schilde führen.

Wir treffen Han auf seinem schmutzigen Heimatplaneten Corellia, der in düsteren Grau- und Brauntönen gezeichnet wird, die stark mit der «Star Wars»-Welt der Urfilme kontrastiert. Der Schmuggler geht gerade durch ein Wechselbad der Ge­fühle: Er wird von Monstern verfolgt und von seiner Freundin Qi’ra (Emilia Clark) geküsst. In extremis schafft er es, den Planeten zu verlassen, seine Freundin nicht. Da er am Zoll keine «Leute», sprich keine Familie, angeben kann, gibt ihm der Grenzbeamte den Nach­namen Solo.

Dies ist nur eines von vielen Details, die der Film über seinen Titelhelden preisgibt. Zudem erfahren wir, wie Han Solo auf dem von einem ­Bürgerkrieg erschütterten Sumpfplaneten Mimban seinen pelzigen Co-Piloten Chewbacca kennen lernte und wie er zum Raumschiff Millenium Falcon kam. Nach rund 95 Minuten, wenn die beiden erstmals gemeinsam das Steuer ergreifen, wird auch die berühmte «Star Wars»-Melodie von Komponist John Williams angespielt.

Obwohl der Film eigentlich der Charakterzeichnung des Helden dienen sollte, setzt Ron Howard («The Da Vinci Code»), dieser Blockbuster-General ohne Handschrift, lieber auf ermüdend ­lange Verfolgungsjagden mit Explosionen wie jene auf einem Zug in den Bergen (gedreht wurde in den Dolomiten), die wohl vom James-Bond-Film «Skyfall» inspiriert wurde.

Howard ist allerdings nicht alleine schuld daran, dass der flache Film keine erinnerungswürdigen Szenen enthält. Er hat fünf Monate nach Beginn der Dreharbeiten den Job von Phil Lord und Chris Miller übernommen, die von Produzentin Kathleen Kennedy gefeuert wurden, nachdem sich mehrere Schauspieler über Chaos auf dem Set beklagt hatten.

Qualität blitzt erst gegen Ende auf

Als gute Wahl erweist sich Hauptdarsteller Alden Ehrenreich, der einst von Francis Ford Coppola entdeckt wurde, der ihm in ­«Tetro» seine erste Rolle gab. Er spielt Han Solo als selbstsicheren, fast arroganten Draufgänger. Mit seinem verschmitzten Grinsen erinnert er aber weniger an ­Harrison Ford als vielmehr an den jungen Jack Nicholson.

Am spannendsten ist der mit 135 Minuten zu lange geratene Film in der letzten halben Stunde, wenn Han Solo den zwielichtigen Figuren Dryden Vos (Paul Bettany), Beckett (Woody Harrelson) und Lando Calrissian (Donald Glover) gegenübersteht. Da blitzt denn auch Schauspielkunst auf, die neben den Spezialeffekten immer auch zum Erfolg der Saga beigetragen hat.

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