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Seit fünfzig Jahren steht Clown Pic auf der Bühne. Ein Spaziergang mit dem Spassmacher

Vor fünfzig Jahren hat seine Karriere als Clown und Pantomime begonnen. Was ihn in die grosse Welt führte, nahm seinen Anfang in St.Gallen, seiner Heimatstadt.
Rolf App
Pic setzte sich dafür ein, dass das Frauenbad auf Drei Weieren nicht abgerissen wurde. (Bild: Sabrina Stübi)
Pic und Nilpferddame Jubba im Circus Knie, 1983. (Bild: PD)
2 Bilder

Clown Pic: seit 50 Jahren steht er auf der Bühne. Ein Spaziergang mit dem Spassmacher

Dann steht er da. Pic, weit in der Welt herumgekommener und 2010 auch mit dem St.Galler Kulturpreis geehrter Clown, mittlerweile 69 Jahre alt, aber noch immer mit dieser Jugendlichkeit im Gesicht, wenn er lächelt. Und noch immer unterwegs, seit einiger Zeit mit jenen manchmal komischen, auch verhalten tragischen Geschichten, die er in seinem mit wundervoll bunten und eigenartigen Zeichnungen illustrierten Buch «Komische Knochen» erzählt. Vor einem halben Jahrhundert hat seine Karriere begonnen, da hat er angefangen, nicht mehr nur Pausenfüller zu sein in Konzerten.

Und weil St.Gallen trotz seines langen Vagabundierens mit neun Jahren beim Circus Roncalli, zwei Saisons mit dem Circus Knie und einem Jahr an den Münchner Kammerspielen doch so überaus wichtig ist in Pics Leben, machen wir einen kleinen Rundgang zu einigen besonders markanten Stationen in seiner Mutation vom Lehrer zum Clown. Es sind Stationen, die manchmal Stadtgeschichte geschrieben haben.

Bruder Fritz und sein Filmprojektor

Mit der Tonhalle fangen wir an. Hier hat im Anschluss an das Kantonsschulkonzert im Untergeschoss jener Unterhaltungsabend stattgefunden, an dem Pic zum ersten Mal sein Talent sichtbar gemacht hat. «Zusammen mit einem Schulkollegen habe ich auf dem Balkon Sketche gespielt, unter anderem, mit einem untergeschobenem Kissen, eine dicke Frau.» Fünfzig Jahre später erzählt ihm sein Bruder Fritz Hirzel, mit dem er dann lange zusammen gearbeitet hat, er habe Pic gesehen und gestaunt: «Was macht denn mein kleiner Bruder da oben?»

Fritz hatte einen 16-Millimeter-Filmprojektor und einige Filme. Einen davon, den Charlie-Chaplin-Film «Charlot als Feuerwehrmann», haben sie sich immer wieder angeschaut, und Chaplins überragendes komisches Talent hat sich vermischt mit jenen Eindrücken, die er als Kind von den drei Clowns im Zirkus Pilatus bekommen hat. Ihre Farbigkeit und Sinnlichkeit haben ihn berührt und einen Kontrapunkt gesetzt zur belastenden Stimmung zu Hause. «Ich will Clown werden», hat er gesagt, als er vom Zirkus nach Hause kam.

Wir schlendern weiter. Wo am Marktplatz bis vor fünfzig Jahren das Stadttheater stand, erhebt sich heute ein McDonald’s. Trotzdem tun wir so, als wäre noch das alte Theater noch mit seinen Plüschsitzen da. Und als ob Pic noch einmal hineinginge und den grossen, schon etwas älteren Mann mit der langen, weissen Arbeitsschürze in der Maske fragte, ob er nicht jenes Clown-Weiss habe, das er zu seiner Verwandlung dringend braucht. «Ich habe die Metalldose heute noch, die er mir damals geschenkt hat.» Plaudernd gehen wir die Marktgasse hoch, biegen in die Spisergasse ein, wo ihn Fred Kurer, der damalige Leiter der Kellerbühne, angesprochen und gefragt hat, ob er nicht einmal bei ihm auftreten wolle. So tut sich 1969 die intime Welt der Kleintheater auf. Aus einer einzigen geplanten Vorstellung wird ein Gastspiel von drei Wochen.

Strassentheater mit politischen Folgen

Gegenüber der Kellerbühne liegt der Pic-o-Pello-Platz, wo im Sommer 1975 ein Strassenzirkus die geplante Südumfahrung der heute verkehrsfreien Altstadt zu Fall bringt. In Paris, wo Pic seine Ausbildung zum Clown und Pantomimen absolviert, sieht er das «Festival du Boulevard Montparnasse» und trägt die Idee eines Strassentheaters nach St. Gallen. Pello, sein Partner, überquert den Platz auf dem Hochseil. Pic redet sich ins Feuer seiner Erinnerung:

«Da oben hat die Frau Loser ihr Schlafzimmer gehabt und als Nummerngirl die Nummer 5 – an der Premiere noch unabsichtlich – verkehrt aus dem Fenster gehalten, was einen Lacher gab.»

«Der Schwingerkönig Erich Ledergerber hat Ketten gesprengt, im Tarzankostüm, und auf den Dächern haben wir mit Masken gespielt. Aus fünfzig grauen Wintermänteln und einem VW-Bus hat der Bildhauer Max Oertli einen Elefanten gebaut.» Der Platz, er ist zu einem Raum der Fantasie geworden.

Drei Jahre später meldet sich eine Frau bei Pic. Man wolle ihnen das Frauenbad auf Drei Weieren wegnehmen und durch einen Neubau ersetzen. Ob da nicht etwas Ähnliches möglich sei wie unten am Platz? Wir steigen die Treppen hoch durch die Mülenenschlucht, biegen ab in Richtung Drei Weieren und tauchen ein ins Halbdunkel des Waldes.

Und Peter Roth singt einen Blues

Verträumt liegt die Frauenbadi da, Jogger und Spaziergänger mit Hunden passieren uns, während Pic erzählt. Wie er des nachts mit Pello über den Holzzaun gestiegen ist und sich ein Bild gemacht hat. Wie die Zuschauer dann beim dreiwöchigen «Wasser-Variété-Circus Pic o Pello» von singenden Gondoliere herangerudert wurden. Wie die Frauen des Schwimmklubs ein Wasserballett aufführten, während ihre Männer hinter der Badi mit Frotteemänteln warteten. Wie Musiker Peter Roth einen Blues sang: «Rissed’s nöd ab/s’Frauebad». Und wie er zusammen mit Pello ein Fischwettschwimmen veranstaltete, das jedes Mal im Chaos endete. «Kalt war’s», sagt Pic, der sich auch jetzt, in diesem schon fast heissen Sommer, warm angezogen hat. Kalt, aber schön.

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