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Clownin Gardi Hutter mit neuem Programm: Ein Stück mit und für Generationen

In Pension zu gehen, kommt für Gardi Hutter nicht in Frage. Lieber steht die 65-Jährige zusammen mit ihren Kindern auf der Bühne. Und dies mit Erfolg: Ihr neues Stück Gaia Gaudi wurde von Presse und Publikum begeistert aufgenommen, sowie an das diesjährige Schweizer Theatertreffen eingeladen.
Interview: Christoph Sulser
Seit 1981 ist Gardi Hutter mit eigenen Produktionen unterwegs. Aktuell tourt die im Tessin lebende Ostschweizerin durch Italien, Deutschland und die Schweiz. (Bild: Mareycke Frehner)

Seit 1981 ist Gardi Hutter mit eigenen Produktionen unterwegs. Aktuell tourt die im Tessin lebende Ostschweizerin durch Italien, Deutschland und die Schweiz. (Bild: Mareycke Frehner)

Ob in der Schweiz, Brasilien oder China – seit bald 40 Jahren bringt Gardi Hutter weltweit Menschen zum Lachen. Zurzeit tourt die 65-Jährige mit «Gaia Gaudi» durch die Schweiz, Deutschland und Italien. Ein Stück, das sie zusammen mit ihren beiden Kindern, Sohn Juri und Tochter Neda Cainero, sowie Schwiegertochter Beatriz Navarro erarbeitet hat. Das sei nicht immer einfach gewesen, sagt die im Tessin lebende Ostschweizerin. Während der Proben habe es zeitweise Wut, Tränen und Gebrüll gegeben. Die Ideen einer jungen Künstlergeneration trafen auf die langjährige Erfahrung von Gardi Hutter. Doch gerade durch diese Spannungen entstand sukzessive das finale Bühnenprogramm, welches den Konflikt zwischen den Generationen thematisiert.

Die Anstrengungen haben sich gelohnt, so ist das Stück vom Publikum und von der Presse begeistert aufgenommen worden. Auch wird «Gaia Gaudi» am diesjährigen Schweizer Theatertreffen im Wallis aufgeführt: Einer Veranstaltung, an der – unter der Schirmherrschaft des Bundesamtes für Kultur – jährlich die sieben bemerkenswertesten Theaterproduktionen des Jahres eingeladen werden.

Mit «Gaia Gaudi» ist Ihnen ein Erfolgsstück gelungen. Wie fühlt sich das an?

Gardi Hutter: Es ist eine unglaubliche Erleichterung! Mit jeder neuen Produktion geht man ein totales Risiko ein. Bis zur Premiere weiss man nie, ob man nicht gerade am grössten Flop seines Lebens arbeitet.

Haben Sie am Erfolg gezweifelt?

Bei der Erarbeitung eines neuen Stücks durchlebt man immer Zweifel und Krisen. Es gibt Momente, in denen man am liebsten alles hinschmeissen und sich irgendwo in eine Höhle verkriechen will.

Gab es während der Proben einen «Tätschmeister» oder wurde alles basisdemokratisch entschieden?

Zu Beginn war ich natürlich der Meinung, dass ich der Chef sei und entscheide, wo es lang geht (lacht). Doch ich kam zum Schluss, dass das sehr langweilig geworden wäre – mit mir als einziger Mittelpunkt und meinen Kindern quasi als Dekoration. Ich wollte ja nicht nur mit ihnen zusammenarbeiten, weil sie meine Kinder sind, sondern weil ich sie als Künstler gut finde. Ich musste ihnen Platz lassen – oder besser, sie haben sich ihren Platz erobert. Was nicht immer einfach war.

Gardi Hutter mit ihrer Schwiegertochter Beatriz Navarro, Sohn Juri und Tochter Neda Cainero (von links). (Bild: Rémy Steinegger)

Gardi Hutter mit ihrer Schwiegertochter Beatriz Navarro, Sohn Juri und Tochter Neda Cainero (von links). (Bild: Rémy Steinegger)

Wie hat es dennoch geklappt?

Jede Idee, die jemand mit einbrachte, haben wir ausprobiert. Dabei waren wir uns kaum jemals einig, was eine gute und was eine schlechte Idee ist. Doch aus dieser Reibung heraus entstand schliesslich nach und nach das neue Programm.

Was haben Sie während dieses Prozesses voneinander gelernt?

Ich werde von jungen Leuten oft gefragt, wie man ein Stück produziert. Das kann man eigentlich nicht erklären, man muss es einfach machen. Man fängt an hundert verschiedenen Ecken an und schaut, dass alles irgendwie zusammenkommt. Diese Praxis konnte ich meinen Kindern näherbringen. Von ihnen wiederum habe ich gelernt, mehr zu entspannen und loszulassen.

Und wie gelingt das Loslassen?

Indem man tolerant ist und miteinander respektvoll umgeht – doch das sagt sich so leicht. Es ist eine tägliche Übung und nicht einfach – gerade wenn man wie ich grosse Erfahrung als Solistin hat und weiss, was für einen funktioniert und was nicht. Schlussendlich durfte jeder über seine eigene Rolle und sein Fachgebiet entscheiden. Bei mir war das meine Figur Hanna, die niemand besser kennt als ich. Bei meiner Schwiegertochter Beatrice war es der Tanz und bei meinen Kindern Juri und Neda die Musik.

«Gaia Gaudi» thematisiert den Generationenkonflikt. Gegen was mussten Sie sich behaupten, als Sie vor rund 40 Jahren als Clown angefangen haben?

1981 stand in einer Kritik der «Ostschweizer Arbeiterzeitung» über mein erstes Solo-Programm «Jeanne d’ArPpo – Die tapfere Hanna», dass es zwar normal sei, wenn ein Mann auf der Bühne schwitze – bei einer Frau sei das aber unappetitlich. Die Hanna war für viele Leute eine Provokation. Dass eine Frau auf der Bühne schwitzt, komisch und böse ist, das gab es damals einfach noch nicht.

Gegen welche Hindernisse kämpfen Ihre Kinder heute?

Es ist viel schwieriger geworden, sich als Künstler zu behaupten, bekannt zu werden und auch davon leben zu können. Es gibt ja schon alles. Meine Kinder sind zehn Jahre im Business, aber sie müssen viel Armut in Kauf nehmen, damit sie beruflich das machen können, was sie wollen. Der Markt ist extrem übersättigt.

Die Figur Hanna (Gardi Hutter) trifft auf die Urmutter Gaia. (Bild: Hajo Schler)

Die Figur Hanna (Gardi Hutter) trifft auf die Urmutter Gaia. (Bild: Hajo Schler)

Hat sich der Künstlerberuf an sich verändert?

Das Image des Künstlers ist heute viel positiver besetzt als damals. Vor 40 Jahren galten Künstler noch irgendwie als gefährlich. Die Familie schämte sich für einen, wenn man Künstler werden wollte. Heute ist es eher umgekehrt und man schämt sich, wenn die Kinder keine Künstler werden (lacht). Wir haben ja alle künstlerische Begabung, aber daraus einen Beruf zu machen, ist nochmals ein ganz anderes Kapitel. Für viele hat der Künstlerberuf noch immer den Nimbus der Selbstverwirklichung – aber schlussendlich ist es vor allem harte Arbeit.

Ist die Kunst bei Ihnen über die Jahre zum Job geworden oder Leidenschaft geblieben?

Schon das Zweite. Vom Alter her könnte ich jetzt auch aufhören und in Pension gehen, aber wieso sollte ich? Alle Hobbys, die ich mir vorstellen kann, sind schon im Beruf eingeflossen. Wobei ich mir eine Ein-Drittel-Pension gönne, das heisst vier Monate «Gaia Gaudi», vier Monate Solo-Programm und vier Monate Pause.

Termine

Gardi Hutter tritt mit Gaia Gaudi am 25.Februar im Theater St.Gallen und am 23.März im Sonnensaal Altstätten auf.

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