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Ein Thurgauer Leuchtturm ohne Thurgauer:
Die Pfingstkonzerte sind ein Vierteljahrhundert alt

Martin Preisser

Jubiläum  Ganz unaufgeregt feiert man in der Kartause Ittingen den 25. Geburtstag des renommierten Kammermusikfestivals. Keine Festschrift, keine Reden, sondern einfach wieder spannende, faszinierende und vor allem neu zu entdeckende Musik. In hektischen Zeiten steter Veränderungen ist dieses Thurgauer Festival auf dem Gelände der ­früheren, der Stille verpflichteten Kartäusermönche ein Garant für kulturelle Kontinuität, vor allem was die Qualität angeht.

Würde man die Liste der bisher gespielten und in der Kartause nicht selten aus der Taufe gehobenen Werke auflisten, käme eine Fülle von Kammermusik zusammen, die man sonst in Konzertsälen mit mehr und mehr standardisierten Programmen kaum erleben könnte.

Faszinierender Mix von unbekannt und gängig

Die ersten zwanzig Jahre haben der ungarische Pianist András Schiff und der Schweizer Komponist Heinz Holliger das Festival mit ihrem weiten musikalischen und kulturellen Horizont geprägt. Die beiden haben darauf vertraut, dass das Publikum mitzieht und sich auch auf ungewohntere Klangwelten einlässt, vor allem auf den Mix von Unbekanntem und viel Gespieltem. Auch viel gespielte Werke erschienen hier immer in einem spannenderen Licht, so als würde der Geist Ittingens nicht nur die Interpreten, sondern auch die Zuhörenden beflügeln.

Diese ruhige Beharrlichkeit ist auch dem Engagement der heute im appenzellischen Gais beheimateten Konzertagentur von Jürg Hochuli zu verdanken. Er gab den organisatorischen Rahmen, der das Duo Schiff/Holliger und die jährlich wechselnden künstlerischen Leiter brauchten, um in der Stille der Kartause Musik entstehen lassen und präsentieren zu können.

Das Publikum hat sich auf Überraschendes eingelassen

Ein Festival für den Thurgau sind die Pfingstkonzerte nie geworden. Thurgauer Autonummern sieht man auch nach 25 Jahren eher wenig auf dem Kartause-Parkplatz. Das Publikum, das von ausserhalb kam und kommt, ist dem Festival über die Jahre aber treu geblieben, hat die Philosophie dieses Ostschweizer Leuchtturms mitgetragen, mit offenem Ohr für Überraschendes oder Experimentelles, mit der Begeisterung, das Abenteuer Interpretation sozusagen hautnah miterleben zu dürfen.

Highlights aus 25 Jahren aufzuzählen fällt schwer, es waren viele. Unvergessliche Interpretationen der künstlerischen Leiter und unvergessliche Besuche von Nichtmusikern: Da erinnert man sich an die berührende Lesung 2003 mit Imre Kertész, der aus «Die exilierte Sprache» las, oder an die Rezitationen des Schauspielers Bruno Ganz 2011.

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