Loco Escrito: Ein Verrückter, der die Welt erobern will

Der Reggaeton-Sänger Loco Escrito will an den Swiss Music Awards erneut triumphieren – und nebenbei international durchstarten.

Larissa Gassmann
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Loco Escrito.

Loco Escrito.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Nein, den schweizerischen Einschlag sucht man in seinen Werken vergeblich. Wenn Loco Escrito singt, wähnt man sich mitten in der kalten Heimat im Sommerurlaub. Ebenfalls erfrischend anders fiel auch seine Rede an den letztjährigen Swiss Music Award aus.

Am Freitag dürfte er an der Veranstaltung in Luzern wieder für Abwechslung sorgen. Seine Songs klingen international und doch ist Loco Escrito kein Senkrechtstarter. Seit fast 15 Jahren existiert der Künstler, doppelt so alt ist die Person dahinter.

Nicolas Herzig wurde vor dreissig Jahren in Kolumbien geboren, ist in der Schweiz aufgewachsen und zum Musiker gereift. Seit Anfang Februar darf er nun ein Nummer-eins-Album sein Eigen nennen. Mit «Estoy Bien» ist ihm der ganz grosse Coup gelungen. Trotzdem fühlte sich Herzig schon zuvor gesegnet. «Für mich ist es das grösste Geschenk, dass ich schon immer gewusst habe, was ich im Leben erreichen will», sagt er. Sein allem die Krone aufsetzender Erfolg ist Teil eines durchdachten Plans. Herzig verschrieb sich früh der Musik, startete mit der Hip-Hop-Combo LDDC durch. Aus Rap wurde irgendwann Reggaeton.

Das Genre, das seine Wurzeln in der lateinischen und karibischen Musik hat, stand auf einmal im Mittelpunkt. Herzig feilte an der neuen Karriere: «Ich hatte am Anfang wenig Vertrauen in meine Stimme. Entscheidend war, dass ich sie als Instrument entdeckt habe.» Seither liess der Erfolg nicht auf sich warten. Die weiten Kapuzenpullover sind Anzügen gewichen, die kleinen Konzertbühnen den grossen Hallen. Geblieben ist der Name. Die Liebe zur Ehrlichkeit und Freude, aber auch zur Tapferkeit.

Bevor Herzig zum Star reifen konnte, musste er leiden. Nach dem Tod seines Bandkollegen und einem Motorradunfall fiel er in ein Loch, erst die Geburt seiner Tochter rüttelte ihn auf. Er kämpfte, setzte voll auf die Musik. Seither könnte es besser nicht laufen. Die Schicksalsschläge hat Herzig trotzdem nicht vergessen. Er ist dankbar dafür, dass er seine Karriere Stück für Stück aufbauen musste. «Mittlerweile bin ich froh über meinen späten Durchbruch. Ich bin erst jetzt in der richtigen Verfassung, um mit dem Erfolg überhaupt umgehen zu können», sagt er.

Seit seinem Unfall arbeitet er härter denn je. Herzig will hoch hinaus, der grösste Latin-Star der Welt werden. Seine Wurzeln sind ihm trotzdem heilig. Es sei wichtig, auf sein Herz zu hören. Spanisch bleibt die Sprache, in der er sich am liebsten ausdrückt. Die, in der er Hits wie «Mi Culpa» oder «Punto» erschaffen hat – letzteres ist an den Swiss Music Awards als Best Hit nominiert. Herzig lässt sich nicht verbiegen, ist authentisch. Das kommt gut an.

Eine für ihn reservierte Schublade existiert in dieser Welt nicht. Loco Escrito trägt zwar das Verrückte in seinem Namen, lässt es privat aber ruhig angehen. Er singt über Frauen und ist doch keiner, der sich nur Oberflächlichkeit widmet. Er will auf wichtige Themen aufmerksam machen, aber nicht die Moralkeule schwingen. Seine Devise, mit der er auch bald weltweit begeistern will? «Man muss immer probieren, die Welt mit positiven Gefühlen und Vibes zu verändern.»