Zentralschweizer Künstler im Zuger Kantonsspital Baar:
Ein Violett, das in die Seele leuchtet

Der in Luzern geborene Künstler Philipp Ehgartner bespielt das Zuger Kantonsspital in Baar mit der teuersten Farbe der Welt. Und das, wie zufällig.

Susanne Holz
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Violett ist doch eine Lösung. Künstler Philipp Ehgartner mit seinem Bild "Purple is not the Solution". Bild: Susanne Holz (Baar, 21. November 2019)

Violett ist doch eine Lösung. Künstler Philipp Ehgartner mit seinem Bild "Purple is not the Solution". Bild: Susanne Holz (Baar, 21. November 2019)

«Purple is not the Solution», ist die Ausstellung des aus Luzern stammenden und in Zürich lebenden Künstlers Philipp Ehgartner betitelt – «Lila ist nicht die Lösung». Und doch scheint Lila, Violett, Purpur genau die Lösung zu sein, betrachtet man die Bilder dieses Künstlers. Sein grossflächig aufgetragenes Violett zieht in den Bann, es wärmt, und es leuchtet in die Seele.

Kuratorin Susann Wintsch sagt bei der Vernissage am Donnerstag: «Philipp Ehgartners Gemälde sind Lichtereignisse.» Und sie spricht von der Wirkung des Lichts auf das Farbpigment Purpur: «Je nach Situation wird Purpur hell und zerbrechlich, zum zarten Hauch, dann wieder scheint es uns pastos und bestimmt.» Jetzt am Abend strahle die Farbe eine angenehme Schwere aus – im Gegensatz zu früheren Stunden am Tag, wenn sie sich fast aufzulösen scheine.

Zentralschweizer Künstler im Zuger Kantonsspital

«Purple is not the Solution» ist die zweite Ausstellung in einer Reihe mit Zentralschweizer Künstlerinnen und Künstlern, die im Zuger Kantonsspital in Baar neue Arbeiten in grossräumigen Präsentationen zeigt. Die Reihe wird von Susann Wintsch kuratiert und vom Zuger Kantonsspital unterstützt.

Doch warum sollte Lila keine Lösung sein? Der Künstler selbst lächelt dazu: «Purpur ist immer noch die teuerste Farbe, die es gibt. Lange war sie Päpsten, Königen, den Senatoren im alten Rom vorbehalten. Die Farbe symbolisiert nach wie vor Reichtum und Macht – und ich spiele mit ihr.»

Für Philipp Ehgartner ist der gesamte Prozess des Malens eine Art Spiel: Der Künstler erklärt im Gespräch, dem Faktor Zufall immer mehr Raum geben zu wollen. Ein Bild habe seine eigene Fantasie, er als Künstler sei das Instrument, auf dem das Bild spiele. Neben der Farbe sind Ehgartner auch die Materialien wichtig. Verarbeitet er kostbare Tapeten und verwendet er das samtene Schwarz aus seinem Kamin, fühlt man sich auch an den konzeptuellen Maler Rudolf Stingel erinnert, der im Sommer bei der Fondation Beyeler zu sehen war. «Kunst tanzt hier aus der Reihe», sagt Susann Wintsch. «Sie steht für das Verschwenderische, das ungebändigt Lebendige.»

Hinweis

Philipp Ehgartner: «Purple is Not the Solution». Ausstellung im Zuger Kantonsspital in Baar, bis 31. Mai 2020.