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Festival Strings: Ein Wagnis, das sich gelohnt hat

Ein grossartiger Solist, eine Uraufführung und eine Beethoven-Sinfonie ohne Dirigenten. Die Festival Strings zogen zum Abschluss der Saison noch einmal alle Register. Sogar die Hymne auf ein Flugzeug erklang.
Roman Kühne
Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder glänzt im KKL mit den Festival Strings. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2018)

Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder glänzt im KKL mit den Festival Strings. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2018)

Schwierig ist es, an Sternstunden anzuknüpfen. Und die Lucerne Festival Strings hatten eine solche, als sie vor einem Monat mit Bernhard Haitink Brahms’ 4. Sinfonie zelebrierten. Auch in ihrem Konzert am Sonntag im KKL greifen sie wieder nach dem Himmel. Zumindest teilweise.

Dies hat vor allem mit dem Pianisten Rudolf Buchbinder zu tun. Seit 2014 hat er mit den Festival Strings alle Klavierkonzerte Beethovens aufgeführt. Zum Schluss spielt er nun das fünfte und letzte dieser Werke – und wie! Das in der napoleonischen Epoche entstandene Stück weist stark kriegerische Züge auf, marschähnliche Phrasen, kämpferische Akzente.

Feine Raffinesse statt militärischer Geist

Buchbinder zerstäubt den militärischen Geist mit klarer, leuchtender Raffinesse. Die Finger scheinen die Tasten kaum zu berühren. Sein feiner Anschlag bestimmt das Spiel. Wie nebenbei streicht er die Tasten, schwebt gleichsam über dem Elfenbein. Gepaart mit stupender Technik und sparsamem Pedaleinsatz entsteht ein verspieltes Lichtgebilde. Ein Beethoven, wo jeder Wirbel, jede Nuance sichtig bleibt. Packend, wie sich die Hände in ihren Läufen auseinanderbewegen. Ein schickes Kammerspiel, dem auch das Packende und Erregte nicht fehlt.

Das Orchester begleitet aufmerksam, geht auf den Solisten ein. Und doch fehlt ihm die letzte Differenziertheit, weist es nicht dieselben kristallinen Qualitäten auf. Als Zugabe spielt Rudolf Buchbinder das Finale von Beethovens «Sturmsonate».

Hightech wurde in Musik umgesetzt

Nach der Pause dann die Uraufführung von «PC-24». Vor vier Monaten hatten die Pilatus-Flugzeugwerke ihr erstes Düsenflugzeug ausgeliefert. Dieses Hightech-Projekt faszinierte den künstlerischen Leiter Daniel Dodds so sehr, dass er es in Musik giessen wollte. Daraus entstand eine Auftragskomposition von Stephan Hodel – ein Spiel mit dieser Geschichte, eine sinfonische Dichtung, die den Entstehungsprozess beleuchtet.

Die programmatische Musik hat starke Phasen, wenn sie das Unbestimmte, den Entstehungsprozess widerspiegelt. Geheimnisvolle Geräusche, flirrende Töne oder – wenn das Flugzeug abhebt – ein auskomponiertes Glissando über das ganze Orchester. Die Musik hat auch ihre, vom Komponisten gewollten, plakativen Seiten. Die bildliche Vorstellung des Schöpfers ist allerdings etwas gar präsent. Für Überraschung ist da wenig Platz. Die Festival Strings spielen diese Musik unter dem Dirigat von Daniel Dodds plastisch und lebendig. Doch man kann etwas bezweifeln, ob diese Komposition im Klassikbetrieb ihren festen Platze finden wird.

Aus der Musik wird ein sprechendes Theaterspiel

Anschliessend geht der Konzertmeister wieder auf seinen Stuhl zurück und leitet die 2. Sinfonie von Beethoven von seinem Pulte aus. Es ist und bleibt ein Wagnis, eine grosse Sinfonie ohne Dirigenten zu spielen. Aber an diesem Abend lohnt es sich.

Vor allem der Anfang des ersten Satzes offeriert einen inspirierenden Detailreichtum. Mit Leichtigkeit, Raffinesse und fein gesetzten Akzenten wird aus der Musik quasi ein sprechendes Theaterspiel. Klug wird den verschiedenen Instrumenten Platz gelassen, werden Launen und Emotionen gezeichnet. Die Präzision ist, bei teils schnellen Tempi, ausgezeichnet. Eine Aufführung auf hohem Niveau. Und doch fehlt, vor allem im direkten Vergleich zum Brahms-Konzert, etwas das Überraschende, die aktivierende Erregtheit jenes Konzertes. Die zweite Sinfonie von Beethoven schwimmt hier in ruhigeren Gewässern.

Es war das vierte und letzte Konzert in der Luzerner Reihe der Festival Strings. Mit dem Schnitt von knapp 1000 Besuchern pro Konzert ist Hans-Christoph Mauruschat, Direktor der Festival Strings, zufrieden: «Für ein Kammerorchester ist dies eine sehr gute Auslastung. Auch können wir wegen der Finanzen unsere Konzerte nicht so intensiv bewerben, wie wir dies gerne hätten. Aber da sind wir aktuell mit dem Kanton im Gespräch.»

Seit 10 Jahren bekommen die Festival Strings deutlich weniger Geld als zuvor. Aktuell sind es 180000 Franken jährlich. Vergleichbare Ensembles wie die Camerata Bern erhalten um die 650000 Franken. «International sind wir aber mittelfristig sehr gut aufgestellt», führt Mauruschat aus. «So wurden wir wieder in die Elbphilharmonie und nach Berlin eingeladen.» In Luzern wird das Ensemble das nächste Mal im Rahmen des Lucerne Festival zu hören sein.

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