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Michael Steiners neuer Film «Wolkenbruch» erinnert an Woody Allen

Der Regisseur hat Thomas Meyers Bestseller um einen jungen Juden, welcher sich der Liebe wegen mit seinen Eltern überwirft, in eine herzhafte Komödie verwandelt. In der Hauptrolle überzeugt der Zürcher Joel Basman.
Irene Genhart

Am Zürich Filmfestival wurde er vor zwei Wochen frenetisch gefeiert, die ersten Kritiken sind glänzend: Nachdem es um Michael Steiner («Grounding», «Meine Name ist Eugen») die letzten Jahre ruhig war, meldet sich der früher gern als «böser Bube» des Schweizer Films bezeichnete Regisseur triumphal zurück: «Wolkenbruch» ist eine herzlüpfige Komödie um einen Juden, der sich in eine Nichtjüdin verliebt und in der Folge mit seiner Religion und seiner orthodoxen Familie bricht. Es ist nicht nur Michael Steiners bester Film, sondern eine der besten Schweizer Filmkomödien überhaupt.

Eine Brautschau nach der anderen wird organisiert

Ein Tag nach der Premiere steht Steiner, der trotz seiner 49 Jahre lausbubenhaft jung aussieht, die Freude über die ersten positiven Reaktionen ins Gesicht geschrieben. Und gefragt, was das Geheimnis einer gelungenen Komödie sei und wie man während des Drehs wisse, ob diese im Kino funktioniere, meint er lapidar:

«Wenn ich beim Drehen über ­einen Witz lachen muss, ist er auch im Kino gut.»

Dann aber holt er aus und erläutert, wie man mit Schauspielern arbeitet, wenn sich eine Pointe ankündigt. Wie er etwa Inge Maux, welche Mordechai Wolkenbruchs zur Überschwänglichkeit neigende Mutter gibt, eine Szene in Nuancen so oft wiederholen lässt, bis sich bei den am Set Anwesenden das Lachen verändert. Die Drehar­beiten, meint auch Joel Basman, seien «extrem lustig» gewesen. Er spielt Mordechai Wolkenbruch und betont, dass vor allem die Mame-Szenen mit Maux eine Gaudi gewesen seien.

Joel Basman als Mordechai Wolkenbruch und seine Studentenliebe Laura (Noémie Schmidt). (Bild: DCM Film)

Joel Basman als Mordechai Wolkenbruch und seine Studentenliebe Laura (Noémie Schmidt). (Bild: DCM Film)

Die Mutter-Sohn-Szenen gehören tatsächlich zu den Höhepunkten dieser Komödie. Sie berichtet herzhaft cultur-clashig vom Näherkommen Mordechais und der Nichtjüdin Laura und handelt von Mordechais Auseinandersetzungen mit seiner Mutter. Diese nämlich ist bass entsetzt über das Verhalten ihres Jüngsten, der in der «fargangenhayt» (Vergangenheit) doch ein «hartsik bebele» (herziger Knabe) war, das sie liebend gern unter der Haube wüsste. Dies umso mehr, als sie für ihren Sohn eine «schidech» (Brautschau) nach der anderen organisiert und Motti, wie ihn Familie und Freunde nennen, mit den vorgestellten «frojen» (Frauen) nie zufrieden ist, obwohl doch alle wohlerzogene, gläubige «mejdlech» (Mädchen) sind.

Sprachenvielfalt gibt dem Film speziellen Charme

Doch Mordechai will keine ehelichen, nur weil sie Jüdin ist und sie seiner Mutter gefällt. Er will eine schöne Frau mit einem anmächeligen «tuches» (Hintern), wie seine Mitstudentin Laura ­einen hat. Und verlieben möchte er sich auch: Michael Steiner lässt die Protagonisten so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Das heisst: Wenn Juden miteinander reden, wird nicht Deutsch, sondern Jiddisch (oder Hebräisch) parliert. Und weil Steiner überzeugt ist, dass man das dem Deutschen verwandte Jiddisch hierzulande versteht, möchte er diese Dialoge am liebsten nicht untertitelt haben – auch wenn das fürs Publikum eine Her­ausforderung ist. Die Sprachenvielfalt verleiht «Wolkenbruch» einen speziellen Charme. Vor allem rückt es Steiners Film in die Nähe seiner Vorlage: «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse», dem Romandébut des Zürcher Schriftstellers und Aktionskünstlers Thomas Meyer.

Der Roman, bei Erscheinen 2012 kontrovers diskutiert, wurde inzwischen über 110'000-mal verkauft. Meyer selber hat das Drehbuch verfasst. Im direkten Vergleich mit der Vorlage wirkt der Film nicht nur konzentrierter, sondern auch leichtfüssiger. Was sich zum einen in der Straffung der Handlung begründet, zum anderen in der unterschiedlichen Zugänglichkeit der Medien: Jiddisch zu hören und verstehen ist einfacher, als Jiddisch zu lesen. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Joel Basman ein bisschen wie «Woody Allen aussieht», besonders wenn Mordechai die neue Brille nicht wie andere Juden beim Optiker Sternenlicht, sondern im normalen Optikergeschäft ersteht. Ein «bisschen Basman», sagt der Schauspieler, stecke in Mordechai sicher drin, schliesslich habe er selber auch Phasen durchlebt, in denen er nicht genau weiterwusste.

Basmans jüdischer Vater heiratete eine Nichtjüdin

Ganz fremd dürfte ihm die Rolle auch sonst nicht sein: Basmans in Israel geborener Vater hat eine nichtjüdische Schweizerin geheiratet: So «krass wie bei den Wolkenbruchs», meint Basman, sei es in seines Vaters Familie allerdings nicht zugegangen. Mordechai ist eine von Basmans zugänglicheren Rollen. Der 28-Jährige ist öfters auch in internationalen Filmen anzutreffen und wagt sich da nicht selten an Schwieriges – jüngst sah man ihn in der Arte-Serie «Krieg der Träume» als Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höss. Basman war Steiners erste Wahl – und der Regisseur ist voller Lob für seinen Hauptdarsteller, der für ihn zu den besten Schauspielern seiner Generation gehört.

Basman selber spricht von den Dreharbeiten als von einem «Heimspiel»: Seit Michael Steiner Basman in «Sennentuntschi» einen Jungsennen spielen liess, sind die beiden enge Freunde. Überhaupt meint Basman, sei die Stimmung im ganzen Team super gewesen. Das sieht man «Wolkenbruch», der nicht nur kurzweilig und dialogwitzig, sondern in liebenswürdigster Weise oft auch herrlich situationskomisch und vor allem sehr human ist, von der ersten Sekunde bis zum letzten Bild an.

«Wolkenbruch» ab 25.10. in diversen Kinos

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