«Hoffnungszeichen»: Das Abschlusskonzert des Orgelsommers richtete sich an die ganze Welt

Luzerner Kantorei und Brassband BML Talents krönten den Orgelsommer mit einer Art «Independence Day».

Urs Mattenberger
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Sorgten zusammen mit den BML Talents für einen würdigen Abschluss des Orgelsommers: Die Luzerner Kantorei.

Sorgten zusammen mit den BML Talents für einen würdigen Abschluss des Orgelsommers: Die Luzerner Kantorei.

Archivbild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 22. Juni 2019)

In der dicht besetzten Hofkirche hatte man am Dienstag erhebende Gefühle wie am «Independence Day» im gleichnamigen Science-Fiction-Film. Angesichts eines äusseren Gegners ist da die Menschheit über alle kulturellen, politischen und ethnischen Differenzen hinweg zusammengerückt. Die Botschaft, wie man die Invasoren bekämpfen kann, geht per Funk um die ganze Welt und ermöglicht den grossen Befreiungsschlag.

Eine solche Botschaft und dieselbe Power hatte angesichts der Coronakrise das Schlusskonzert des Luzerner Orgelsommers. Dieser schloss unter dem Motto «Krone Jugend» mit Auftritten der Spitzenformationen Luzerner Kantorei und Brassband BML Talents. Und weil Teile des Konzerts per Livestream ausgestrahlt wurden, war auch dies eine Botschaft der Befreiung für die ganze Welt. An sie, nämlich an Chöre in allen Ländern, in denen Auftritte noch untersagt sind, richtete sich Kantorei-Dirigent Eberhard Rex übers Mikrofon: Dass sie «hier in Luzern, in der Schweiz, in einer solch grossen Formation vor derart zahlreichem Publikum» auftreten könnten, sei ein Hoffnungszeichen für andere und dafür, dass wir trotz Corona zurück zu einer neuen Normalität finden.

Ein Bläsergespenst wie in Maske

Als Rex die Botschaft auf Englisch wiederholte, steigerte er sich in ein leidenschaftliches Pathos, als gelte es, Aliens vor dem Hofkirchenportal zu verjagen. Es war genau dieser hochgestimmte Ton, der weite Teile des musikalischen Programms prägte. Dafür zuständig war in erster Linie die Brassband BML Talents unter der Leitung von Patrick Ottiger. Schon im Eröffnungsstück – Elsas Brautzug aus Wagners «Lohengrin» – steigerte sie den Sound aus weich getönter, hymnischer Feierlichkeit zu einer vibrierenden, alle Sinne betäubenden Intensität, als hätte ein Raumschiff einen Energiestoss über der Kirche entladen.

Höhepunkt dieser raffinierten orchestralen Überwältigungskunst war Paul Lovatt-Coopers «Vitae Aeternum», das wohlig schimmernde Ruhe, satte Sounds und explosive Rhythmen zu bedrängenden Steigerungen verband. Eine mit Dämpfern gespielte, choralartige Episode hörte man sogar als gespenstischen Verweis auf Corona: Da klangen die Bläser wie aus weiter Distanz, als trügen die Instrumente Masken.

Eine Empfehlung für kommende Grossauftritte

Die Luzerner Sängerknaben und der Mädchenchor der Kantorei bildeten dazu zunächst einen Gegenpol: Die A-cappella-Gesänge bestachen schon in Bruckners «Ave Maria» durch kristallklare Leichtigkeit und verbanden in Arvo Pärts «Da pacem Domine» verstreute Klanginseln zu mystischem Wohlklang. Aber die Mischung von Knaben- mit Mädchen- und Herrenstimmen ermöglichte in hohen Lagen auch eine durchdringende, ja schneidende Steigerungskraft, die im Verbund mit der Brassmusik und der von Wolfgang Sieber gespielten Orgel nicht unterging.

In den gemeinsam gespielten Stücken nahmen die abwechselnden Dirigenten auf unterschiedliche Voraussetzungen Rücksicht, ohne die Power der Brassband über Gebühr zu beschränken. So bekam man als Zuhörer bei diesem ersten orchesterbegleiteten Chorkonzert die volle Ladung, wie die begeisterten Gesichter nach dem Konzert zeigten: Eine Empfehlung für die Konzerte, in denen beide Formationen demnächst getrennt wieder zu hören sind.

Hinweis: Nächstes Konzert der BML Talents: Samstag, 19. September, 19 Uhr, Gala Bürgermusik Luzern, KKL Konzertsaal (Restkarten) Kantorei: Sonntag, 11. Oktober, 18.30 Uhr, Mendelssohns Oratorium «Elias», KKL Konzertsaal. www.kkl-luzern.ch

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