Ausstellung in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern: Eine Hommage an das freie Grün der Gärten

Regula Bühler-Schlatter ist die dritte Künstlerin, die die Holzfächerregale im Bistro Quai4 bespielt. Mit filigranen Blumen und Poesie.

Susanne Holz
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Getrocknete Wiesenblumen im Setzkasten der Kunst.

Getrocknete Wiesenblumen im Setzkasten der Kunst.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 18. August 2020)

Der «Taschengarten» der Luzerner Künstlerin Regula Bühler-­Schlatter ist ihr Gartensitzplatz in einem Mehrfamilienhaus, der sie insbesondere seit ihrer Pensionierung zu vielen kleinen Gedichten inspiriert. Kleinen und feinen Gedichten. Die 69-jährige freischaffende Künstlerin, die Mitglied der Ateliergemeinschaft Bildzwang, Luzern, ist und seit 2016 auch dem Team von B74 Raum für Kunst, Luzern, angehört, sagt:

«Ich mag Beobachtungen an unspektakulären kleinen Orten. Es ist erstaunlich, was man dort alles entdecken kann.»

Vor ihrer Pensionierung unterrichtete Regula Bühler-­Schlatter viele Jahre Bildnerisches Gestalten und arbeitete als Dozentin an der Hochschule Design&Kunst in Luzern. Während sie früher auch gerne grossformatig malte, liegen ihr seit einigen Jahren leichte Materialien näher – und die Lyrik am Herzen. Federleicht sind sowohl die Gedichte der Luzernerin als auch ihre Blumeninstallationen. Beides präsentiert die aktuelle Ausstellung im Bistro Quai4 in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern: «Herbarium ante nasum & Gedichte aus dem Taschengarten».

Gefunden reussabwärts und bis zum «Nordpol»

Es ist die dritte Ausstellung in diesem Café, das im Dezember 2019 im frisch renovierten Gebäude eröffnet wurde. Kuratiert wird die Reihe von Ursula Stalder. Das Besondere daran: Jeder Künstler bespielt das grosse Holzfächerregal am Ende des Raums. Regula Bühler-Schlatter füllt die Fächer mit «white cubes» aus weissem Wellkarton, in denen sie mit Hilfe von Blumendraht filigrane Welten aus getrockneten Wiesenblumen schafft. Gefunden hat sie die Blumen vor ihrer Nase, «ante nasum», rund um ihr Atelier reussabwärts bei der Sommerbar Nordpol und rund um ihren Gartensitzplatz zu Hause. Gedichte und Blumen, sie ergänzen sich am Ende.

Die Namen der Blumen sind eine Lyrik für sich: Mädesüss und Weidenröschen, Schlüsselblume und Ehrenpreis, Wiesensalbei und Margerite, Distel und Flockenblume. Die Installation sei eine Hommage an ihre Grossmutter und deren Garten, erklärt die Künstlerin. Eine Hommage auch an das Nahe und Unscheinbare. Und ein Ausrufezeichen, die Städte zu begrünen.

Welch leichte wie grosse Fragen kleine zarte Pflänzchen aufwerfen können, zeigt dieses Gedicht der Künstlerin: «Massliebchen / im sattgrünen Gras / Liebst du mit Mass?»

Regula Bühler-Schlatter: «Herbarium ante nasum & Gedichte aus dem Taschengarten». Ausstellung bis 17. Oktober im Bistro Quai4 in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sempacherstrasse 10. Geöffnet Mo–Fr von 9–16 Uhr. www.zhbluzern.ch. Das Buch «Taschengarten» mit Gedichten und Bildtafeln mit Pflanzenmonotypien kann für 38 Franken bei der Ausstellung bezogen werden oder über die Autorin: buehler.regula@gmx.ch