EINE HOMMAGE: George Martin war der Fünfte der Beatles

Der Entdecker und Produzent der Beatles, George Martin, ist tot. Der Brite, der als «Fünfter Beatle» galt, starb 90-jährig. Die Musik verliert mit ihm einen der Grossen.

Drucken
Teilen
1964: George Martin (Zweiter von rechts, kleines Bild unten in neuerer Aufnahme) mit den Beatles Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr und John Lennon. (Bild: Getty/Keystone)

1964: George Martin (Zweiter von rechts, kleines Bild unten in neuerer Aufnahme) mit den Beatles Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr und John Lennon. (Bild: Getty/Keystone)

are/sda. Produzent? Wer ist das denn? Was tut der überhaupt? Ist er mehr als der ausführende Handlanger genialer Musiker und Komponisten?

Doch wer sich näher mit Musik befasst, weiss um die Bedeutung des Produzenten fürs musikalische Endprodukt. Und das gilt für George Martin ganz besonders. Natürlich waren da die genialen Songschreiber der Beatles, in den meisten Fällen John Lennon und Paul McCartney. Aber der Sound der Beatles und die dafür eingesetzte Technik waren damals ebenso innovativ. Und da hatte George Martin einen grossen Anteil daran. Kein Zweifel: Die Bezeichnung «Fünfter Beatle» geht völlig in Ordnung.

«Beständigste Popmusik der Welt»

Entsprechend gross war gestern die Anteilnahme in der Musikwelt: «George wird vermisst werden», twitterte der frühere Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr gestern und dankte ihm für seine «Liebe und Güte». Produzentenkollege Mark Ronson, der unter anderem mit Amy Winehouse gearbeitet hat, schrieb: «Danke, Sir George Martin: der grösste britische Musikproduzent aller Zeiten. Wir werden nie aufhören, in der Welt zu leben, die du mitgeschaffen hast.»

Doch auch darüber hinaus gab es Reaktionen: «Sir George Martin war ein Musik-Gigant, er schuf die beständigste Popmusik der Welt», schrieb der britische Premierminister David Cameron auf Twitter. Auch James-Bond-Darsteller Roger Moore trauerte um den vielfach ausgezeichneten Produzenten, der die Musik von Moores erstem 007-Film «Live and Let Die» (1973) komponiert hatte. «Wie sehr traurig, aufzuwachen mit der Nachricht, dass Sir George Martin uns verlassen hat. Er sorgte dafür, dass mein erster Bond-Film brillant klang!», twitterte der Schauspieler.

George Martin hatte 1962 Probeaufnahmen der Beatles gehört und gab ihnen den ersten Plattenvertrag. Der Sohn eines Londoner Handwerkers hatte an der Londoner Guildhall School of Music studiert, professionell Oboe gespielt und war 1955 mit 29 Jahren an die Spitze des Plattenlabels Parlophone gerückt. Im Oktober 1962 erschien dort «Love Me Do», die erste Beatles-Single.

Nachdem die Band sich aufgelöst hatte, baute Martin die berühmten Air Studios auf der Karibikinsel Montserrat, wo etwa Dire Straits, Phil Collins, Elton John und Michael Jackson aufnahmen. 1997 wirkte er an der Produktion von Elton Johns Hit «Candle in the Wind» mit, der bis heute meistverkauften Single.

Doch mit der Musik der Beatles arbeitete Martin noch über Jahrzehnte: 2006 etwa produzierte er mit seinem Sohn das Remix-Album «Love». «Das ist das allerletzte Mal, dass ich an irgendeiner Beatles-Platte arbeite», sagte er bei der Veröffentlichung, «ich bin 80 Jahre alt, Himmelherrgott.»

Andere «Fünfte Beatles»?

Zu erwähnen ist noch, dass auch andere Leute schon den Titel «Fünfter Beatle» erhielten. Manager Brian Epstein etwa, Pete Best, der erste Schlagzeuger und Vorgänger von Ringo Starr, Stuart Sutcliffe, Bassist, als die Beatles anfänglich tatsächlich zu fünft waren, oder Eric Clapton, der die Beatles in einzelnen Songs musikalisch beriet. Doch im Grunde ist klar: George Martin ist der legitimste Träger dieses Titels.

Sir George Martin. (Bild: Getty/Keystone)

Sir George Martin. (Bild: Getty/Keystone)