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Schweizerfilm: Eine schrecklich nette Familie

Der Spielfilm «Sohn meines Vaters» von Jeshua Dreyfus hat den Basler Filmpreis gewonnen. Jetzt kommt der Film über eine vermeintliche Vorzeigefamilie in die Kinos.
Marc Krebs
Sibylle Canonica und Dani Levy als überfordertes Paar. (Bild: Vinca Film)

Sibylle Canonica und Dani Levy als überfordertes Paar. (Bild: Vinca Film)

Der Basler Filmpreis war eine Auszeichnung, mit der Jeshua Dreyfus für ein Langzeitprojekt belohnt wurde. Der 33-jährige Dreyfus hat seinen zweiten Film «Sohn meines Vaters» in jahrelanger Arbeit fertiggestellt. Der Film richtet den Fokus auf eine schrecklich nette Familie. Vater Karl, wunderbar dargestellt von Dani Levy, ist ein erfolgreicher, charmanter und jung gebliebener Psychiater. Seinen 60. Geburtstag feiert er im Kreis seiner Familie mit jüdischen Liedern, kulinarischen Häppchen und... mit seiner Geliebten.

Eltern sind zu sehr sich mit selbst beschäftigt

Sohn Simon, freischaffender Illustrator, taucht auch auf, möchte dem Vater die neue Freundin vorstellen. Doch dazu kommt es nicht wirklich, zu sehr sind seine Eltern mit sich selbst beschäftigt: Die Mutter, gespielt von Sibylle Canonica, von Verlustängsten gezeichnet, kollabiert, der Vater beschwichtigt und dazwischen kratzt sich Simon am Kopf, der Mittzwanziger, der doch schon genügend hilflos und verloren wirkt.

Wer ist in dieser Vorzeigefamilie eigentlich souverän? Die Frage stellt man sich nach einem eher langatmigen Anfang. Zum Glück nimmt der Film danach Fahrt auf, führt in eine Welt voller (vermeintlicher) Toleranz, Heuchelei, Misstrauen, Eifersucht und Dysfunktion.

Woody Allen ist kein Vorbild

Aufgrund der Tatsache, dass der Film im jüdischen Psychiatrie-Milieu spielt und es ordentlich menschelt, führt er zur Frage: Ist da einer Woody-Allen-Fan? «Ich finde ihn grossartig, aber gleichzeitig ist er kein Vorbild», sagt Jeshua Dreyfus. Man kann ihn verstehen: Denn wer eine Komödie erwartet, ist hier im falschen Film. Vielmehr ist es ein kleines Drama, das sich Dreyfus ausgedacht hat. Für das Setting musste er nicht weit suchen: Sein eigener Vater ist Psychiater. «Für mich war dieses Milieu Realität», sagt der junge Filmemacher. «Ich wuchs in einem offenen, progressiven Haushalt auf, wo aber zugleich alte Traditionen wie zum Beispiel jüdische Rituale ausgeübt wurden.»

Angesichts dieser privaten Parallelen könnte man leicht Schlüsse auf Dreyfus’ eigenes Leben ziehen. Das allerdings ginge zu weit: «Zwar hat die Vaterfigur durchaus Ähnlichkeiten mit meinem Vater. Doch sind die Handlung im Film und auch viele Figuren frei erfunden. Meine Mutter beispielsweise ist ganz anders als jene im Film. Die Charakterzüge im Film habe ich bewusst überzeichnet», sagt der Filmemacher.

Sie hadern mit sich selbst

Dabei zehrt er durchaus von Erfahrungen aus seinem Umfeld: So skizziert er die moderne, aufgeschlossene Elterngeneration, die sich zwar von den autoritären Zeiten der Grosseltern distanziert und kollegialer auftritt, was aber nicht heisst, dass dies zu weniger innerfamiliären Konflikten führt – vielleicht einfach zu anderen. «Viele meiner Generation suchen nach Selbstverwirklichung, hadern mit sich und kommen nicht an ein Ziel.»

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