Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«079»: Eine Vorwahl wird zum Volksgut

Dieses Wochenende können Luc Oggier (29) und Lorenz Häberli (31) mit ihrem Song «079» Schweizer Musikgeschichte schreiben.
Michael Graber
In ihrem Element: Lo & Leduc am Open Air St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

In ihrem Element: Lo & Leduc am Open Air St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Sie haben ein Monster erschaffen: Nirgends ist man mehr sicher vor diesem «079». In der Badi dröhnt es aus den Boxen, im Pfadilager wird es gesungen, und man kann sich bereits jetzt bestens (und doch mit leichtem Schaudern) vorstellen, wie zahlreiche Guuggenmusigen diesen Song an der nächsten Fasnacht spielen. Und diesen Sonntag kann dieses Monster sogar Geschichte schreiben: Schaffen es Lorenz «Lo» Häberli und Luc «Leduc» Oggier, dass eben jenes «079» auch an diesem Wochenende an der Spitze der Charts steht, so ist es nicht nur – wie bereits jetzt – der erfolgreichste Schweizer Song aller Zeiten, es schliesst auch zu Ed Sheerans «Shape Of You» und Luis Fonsis «Despacito» auf.

Zwanzig Wochen Platz 1 ist auch in Zeiten von erodierenden Plattenverkäufen und Sommerflauten der Wahnsinn. Vor allem für eine Schweizer Band, die nicht eine globale Marketingmaschine im Rücken hat. Zur Einordnung: Ed Sheeran, mit dem Lo & Leduc wohl bald ex aequo auf dem Spitzenplatz stehen, spielt am 3. und 4. August im zweimal ausverkauften Stadion Letzigrund vor total 96 000 Zuschauern. Es bleibt zweifelhaft, ob die beiden Berner gleich viele Zuschauer zusammentrommeln könnten, aber im Gegensatz zu «Shape Of You» (wie klingt das schon wieder?) haben Lo & Leduc etwas anderes, vielleicht sogar Bedeutenderes erreicht: Sie haben ein Stück Volkskulturgut geschaffen.

Man kann derzeit fast nicht «079» sagen, ohne dass jemand «het si gseit» entgegnet – oder es zumindest denkt. Wer das Monster mal im Ohr hat, der bringt es fast nicht wieder raus. Vielleicht ist «079» kein «Schwan» (Göla) und kein «Ich schänke dir mis Härz» (Züri West), ganz sicher ist es kein «Kiosk» (Polo Hofer), aber allem Anschein nach wird «079» den Sommer 2018 überleben und nicht wieder – wie das Gros der vermeintlichen Schweizer Hits und sonstigen Sommerhits– in der musikalischen Versenkung verschwinden. Zu catchy, zu clever, zu eingängig ist diese Nummer.

Lo & Leduc machen zwar Pop, versetzt mit minimalen Dosen Rap, aber es ist Pop mit Anspruch. Der Text von «079» ist beispielsweise keineswegs plump. Es geht im Grunde um eine unerwiderte Liebe, die am Schluss sogar tödlich (oder zumindest mit schweren Verletzungen) endet. Zudem ist der Song rhythmisch durchaus anspruchsvoll – das ist weit weg vom aalglatt auf Hitparadentauglichkeit gestutzten Mundartpop, wie man ihn derzeit dutzendfach serviert bekommt. Lo & Leduc wirken bei allem Erfolg ehrlich und nicht anbiedernd. Darum funktioniert die Musik auch fast überall: An Kindergeburtstagen wird ebenso mitgesungen wie am Hip-Hop-Festival in Frauenfeld. Der Rapfan schunkelt zu «079» zusammen mit der netten Hausfrau von nebenan – es ist der kleinste gemeinsame Nenner zwischen vielen musikalischen Welten.

Und für alle, denen «079» inzwischen gehörig auf die Nerven geht, sei an dieser Stelle tröstend erwähnt: Das Lied, das er als erfolgreichster Schweizer Song ablöste, war noch eine gute Spur nerviger, nämlich «Chihuahua» von DJ Bobo. Und schon hört man diese Melodie wieder im Kopf. Entschuldigung dafür.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.