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Ein Musical als Weltpremiere in
St. Gallen – und dann?

Das Theater St. Gallen leistet sich seit 2009 Musical-Eigenproduktionen. Die sind teuer, Zusatzeinnahmen wären deshalb willkommen. Die Zusammenarbeit mit anderen Bühnen ist aber nicht ganz einfach, wie das Beispiel «Matterhorn» zeigt.
Mirjam Bächtold
Szene aus dem Musical «Matterhorn», einer Eigenproduktion des Theaters St. Gallen. (Bild: Andreas J. Etter)

Szene aus dem Musical «Matterhorn», einer Eigenproduktion des Theaters St. Gallen. (Bild: Andreas J. Etter)

Mit «Matterhorn» hatte am Stadttheater St. Gallen im Februar dieses Jahres bereits die fünfte Musical-Eigenproduktion Premiere. In der Sommerpause des Theaters hätte das Stück nachursprüng­licher Planung auf der Seebühne in Thun aufgeführt werden sollen. Doch der Partner ist im Dezember 2016 aus dem Projekt ausgestiegen – ein halbes Jahr nach der ersten Begehung auf dem Gornergrat.

«Nachdem ‹Cats’ rote Zahlen geschrieben hatte, wollte man wohl mit ‹Mamma Mia!› auf einen sicheren Titel setzen. Eine Weltpremiere war wohl ein zu grosses Risiko», sagt Werner ­Signer, Geschäftsführender Direktor des St. Galler Theaters. Stephan Zuppinger, Geschäftsführer der Thunerseespiele, sagt, man sei mit dem Verlag von «Mamma Mia!» schon lange in Verhandlungen gewesen. «Im Winter 2016 erhielten wir die Zusage für die Aufführung diesen Sommer. Die Neuinszenierung und Übersetzung eines unserer Wunschmusicals ins Schweizerdeutsche ist eine einmalige Chance, die wir beim Schopf ­packen mussten», sagt er. Ob «Matterhorn» auf der Thuner Seebühne irgendwann gezeigt wird, sei noch offen.

Musicalstars locken viele ihrer Fans an

Für das Theater St. Gallen hatte der Ausstieg keine negativen Folgen. «Es war für uns sogar einfacher, da wir Bühnenelemente, Requisiten und Kostüme nicht für eine Outdoor-Aufführung imprägnieren mussten», sagt Operndirektor Peter Heilker. Zudem hätte nicht St. Gallen von Thun, sondern Thun von St. Gallen profitiert. «In erster Linie produzieren wir für unser eigenes Haus. Wenn sich Zusammenarbeiten ergeben, ist das natürlich schön», sagt Signer. Bis 2019 wolle man «Matterhorn» exklusiv in St. Gallen zeigen, danach sei man daran inte­ressiert, die Aufführungsrechte auch anderen Häusern weiterzugeben.

«In erster Linie ­produzieren wir für unser eigenes Haus. Wenn sich ­Zusammenarbeiten ergeben, ist das ­natürlich schön": Werner Signer, Geschäftsführender Direktor des Theaters St.Gallen. (Bild: Mareycke Frehner, 16. Januar 2018)

«In erster Linie ­produzieren wir für unser eigenes Haus. Wenn sich ­Zusammenarbeiten ergeben, ist das ­natürlich schön": Werner Signer, Geschäftsführender Direktor des Theaters St.Gallen. (Bild: Mareycke Frehner, 16. Januar 2018)

Bei den vorhergehenden vier Eigenproduktionen hat man mit unterschiedlichen Häusern zusammengearbeitet. Regelmässige Partner sind die Vereinigten Bühnen Wien, die Volksoper Wien sowie das Theater am Gärtnerplatz in München.

«Um im internationalen Vergleich an der ­Spitze mitspielen zu können, besetzen wir unsere Musicals mit einem internationalen Cast», ­erklärt Werner Signer. Das zieht
auch FansAABB22so bewährter Musicalstars wie Thomas Borchert, Sabrina Weckerlin oder Mark Seibert nach
St. Gallen.

Die Produktionskosten sind für Weltpremieren höher als für bereits bestehende Musicals, ­deren Aufführungsrechte man ­erwirbt. Im Normalfall betragen die Kosten für diese Aufführungsrechte im deutschsprachigen Raum etwa 15 Prozent der Einnahmen.

Die Produktionskosten für eine Weltpremiere belaufen sich laut Signer auf einen sechsstelligen Betrag – allein bis das Werk auf der Bühne steht. Die Kosten setzen sich zusammen aus dem Honorar für die Autoren, den Hearings (Probedurchläufe, um zu sehen, ob die Komposition funktioniert) und Spesen. Danach kommen wie bei einem «eingekauften» Musical noch die Tantiemen für die Autoren hinzu. Die Gagen für die Künstler sind in beiden Fällen noch nicht eingerechnet.

Obwohl Eigenproduktionen teurer sind, will das Theater St. Gallen nicht darauf verzichten. «Unsere Motivation ist künstlerisch bedingt, nicht finanziell. Mit den Uraufführungen setzen wir Akzente, um das ­Theater interessant zu machen», sagt Signer.

«Keine Abteilung für den Stückevertrieb»

Sobald ein Musical in St. Gallen abgespielt ist, gibt das Theater die Rechte weiter. «Wir haben keine Abteilung, die den Stückevertrieb übernehmen könnte», sagt Peter Heilker. Maximal drei Jahre nach der Uraufführung erhält das Theater noch einen Anteil, wenn das Stück irgendwo aufgeführt wird. Danach verdient es an den Eigenproduktionen nichts mehr, ausser wenn es die gesamte Produktion mit Originalbühnenbild und Kostümen weitergeben kann.

Die Rechte für die erste Weltpremiere «Der Graf von Monte Christo» liegen in den USA. Dieses Musical wurde schon um den ganzen Globus gespieltAABB22– immer übersetzt in die jeweilige Landessprache. Auch die anderen Eigenproduktionen «Moses» (2013), «Artus» (2014) und «Don Camillo und Peppone» (2016) wurden schon an anderen Häusern gespielt.

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