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Einige der Blueser schauten über den eigenen Tellerrand

Viel solide Blues-Kost und ein paar Bands, die das übliche 12-Takt-Schema erweitert haben: Das 24. Lucerne Blues Festival ging am frühen Sonntagmorgen-Jam in gewohnt erfolgreicher Manier zu Ende.
Pirmin Bossart
Auch sitzend liess Johnny Tucker im Casino den Funken springen. (Bild: Philipp Schmidli, 17. November 2018)

Auch sitzend liess Johnny Tucker im Casino den Funken springen. (Bild: Philipp Schmidli, 17. November 2018)

Er habe noch nie so viele positive Publikumsreaktionen erhalten, resümiert Martin «Kari» Bründler am späten Samstagabend. «Sie betrafen einzelne Acts, aber vor allem das Festival als Ganzes.» Persönlich freue er sich, dass auch jene Bands, «mit denen wir schon ziemlich weit über den Blues-Tellerrand hinaus sehen», gut angekommen seien.

Dazu zählte neben Reverend Sekou am Eröffnungsabend, dessen politisch-emotionaler Prediger-Auftritt die Blues-Gemeinde spaltete, etwa Barrence Whitfield & The Savages. Der Band-Name legt nahe, dass dieser «Blues» bis Richtung Garage-Punk gehen könnte. Was er auch tut. Raue Rock-’n’-Roll-Kost und eine Band mit einem Sänger, die alles geben. Nicht erstaunlich und doch verwunderlich, dass die Band diesen Frühling schon im Sedel auftrat.

Eine Band mit Freigeist

Auch die seit einigen Jahren obligate Zydeco-Band am späten Samstagabend markiert eher die Ränder herkömmlichen Blues-Geschmacks. Doch der fröhliche Akkordeon-Drive und der Soul-Gehalt einzelner Tracks, wie sie heuer Geno Delafose & French Rockin’ Boogie nach Mitternacht zelebrieren, hält das Blues-Publi­kum locker bei der Stange.

Zeitgleich geht im Casineum die grösste Überraschung des Festivals über die Bühne: The Ragtime Rumours. Die Band aus Holland packt mit Präsenz und Energie. Vor allem aber mit Musikalität. Blues ist nur eine Ader im vielschichtigen Programm zwischen Roots, Hillbilly-Jazz, Rag und Rock. Extraorbitante Gitarren-Eskapaden flashen mit den Songlinien der Kontrabassistin und dem Trommler hinter der Pauke. Der Sänger und Gitarrist mit der kräftigen Stimme ist auch ein exzellenter Entertainer.

Kühner Freigeist steckt in dieser Band. Das Blues-Schema wird gesprengt oder ganz verlassen, dafür das Verwegene des Ragtime ins Heute transformiert, in einer elektrisierenden Dringlichkeit. Gut, dass solche jungen Bands, die den Blues-Roots-Spirit unbeschwert neu aufmischen, an diesem Festival Platz haben.

Johnny Rucker erscheint am Stock

Die Hardcore-Blues-Fans werden an diesem Festival immer noch gut bedient. Musikalisch so bodenständig wie leichtfüssig eröffnet der sympathische Gitarrist und Sänger Rockin’ Johnny Burgin den Freitagabend. Mit dabei der indisch-amerikanische Blues-Harper Aki Kumar, der im Chicago-Blues-Groove sein «Going Back to Bombay» singt. Ein elektrisch recht raues Set legt der Sänger und Harpist Curtis Salgado mit Band hin. Alan Hager brilliert auf der Gitarre zwischen alten Slide-Tunes und gefühlvoll singenden Blues-Rock-Linien.

Rührend ist der Auftritt von Sänger Johnny Tucker. Er erscheint am Stock und verbringt die Show sitzend, aber entzündet mit Gestik, Schalk und erzählerischer Blues-Flow sofort den Funken. Tuckers Gastgitarrist Kid Ramos spielt zunächst sanft und filigran und legt sich dann zunehmend härter ins Zeug.

Es wird viel palavert

Mit einer stampfenden Note bluesen Sängerin Janiva Magness und ihr Quartet. Eine zupackende Stimme, ein rockiger Gitarrist und ein gezielt aufspielender Blues-Harper halten den Sound erdig. Irritierend am Festival der «Blues-Fans» ist, wie stark der Pegel des Palaverns während der Konzerte Einzug gehalten hat. Wer wirklich Musik hören will, steht in den vorderen Reihen.

Mit zwei coolen Gitarristen – Jeremy Johnson und Franck Goldwasser – hat Blues-Harper R. J. Mischo seine Band bestückt. Der diesjährige Festivalmusiker gleist am Samstag die Stimmung für einen mehrstündigen Abend auf. Wenig energetisch wirken Anthony Geraci & The Boston Blues All-Stars. Sängerin «Evi Gal» Wilson singt farblos, souliger intoniert Brian Templeton.

Ein Geschenk zum 25. Geburtstag

Wie schon die vergangenen Jahre haben über 11000 Personen das Festival besucht. Für Blues-President Martin «Kari» Bründler war eines der Highlights das Konzert von Curtis Salgado und Alan Hager. 2019 folgt die 25. Ausgabe. Für Bründler kein Grund, plötzlich Stars einzufliegen, die man überall sonst auch hört. Eine Art Geburtstagsgeschenk muss trotzdem sein. «Am 20. Festival hatten wir Delbert McCinton und Cyril Neville. Wir werden uns auch nächstes Jahr sicher wieder etwas Besonderes leisten.»

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