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Kunst von Kristof Kintera: einmal Verantwortung to go

Die Kali Gallery in Luzern zeigt eine Einzelausstellung von Krištof Kintera. In den neuen Werken übt der tschechische Künstler wiederum Gesellschaftskritik auf seine typisch humorvoll-eindringliche Art.
Nadine Meier
Krištof Kintera setzt auch in der Kali Gallery auf unmissverständliche, aber nicht anklagende Botschaften. (Bild: Kali Gallery/PD/Christian Kaufmann)

Krištof Kintera setzt auch in der Kali Gallery auf unmissverständliche, aber nicht anklagende Botschaften. (Bild: Kali Gallery/PD/Christian Kaufmann)

Vom ungewöhnlichen Eingang zur aktuellen Ausstellung von Krištof Kintera in der Kali Gallery sollte man sich nicht verunsichern lassen. Selten ist Kunst, die ernste Botschaften vermittelt, so leicht zugänglich: Der 45-jährige tschechische Gegenwartskünstler schafft dieses gar nicht einfache Unterfangen problemlos und auf spielerische Weise.

Er macht auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam und bringt zugleich zum Schmunzeln. Bereits der Titel der Ausstellung, «Am I also responsible? For all that shit around?», lässt einen kurz auflachen und dann etwas irritiert zurück.

Kintera setzt in der Ausstellung in der kleinen, aber internationalen Galerie, die der Kunstunternehmer Nicolai Kalinowsky und die Künstlerin Markéta Jáchimová vor einem Jahr in der ehemaligen Schlosserei an der Lädelistrasse in Luzern eröffnet haben, den Schwerpunkt vor allem auf sogenannte 3D-Skizzen. So bezeichnet er seine Werke, die aus gefundenen Objekten bestehen, die er – meist versehen mit einem markanten Satz – in einen neuen Zusammenhang setzt.

«Ich rufe dich später an»

Die Kurzsätze sind unmissverständliche Botschaften, mit denen Kintera das aktuelle Weltgeschehen mit ironisch-humorvollem Unterton kommentiert. So finden sich etwa Skistöcke, ein Küchenhandtuch oder ein zersplittertes Smartphone im Raum wieder. Zum Smartphone kon-statiert der Künstler trocken: «I will call you later». In der ständig erreichbaren Gesellschaft von heute mutet es tatsächlich als mutiger Akt an, sich der Kommunikation zu entziehen.

Auch die Klimadebatte greift Kintera parodistisch auf. Mit einem grossen Flecken aus schwarzem Bauschaum, auf den ein grüner Handschuh an einem Holzarm deutet: «Is this your CO2 Footprint?» In Zeiten von Greta Thunberg trifft der Künstler den Nerv der Zeit, ohne anklagend zu wirken. Er verzichtet auf moralische Anprangerung und das bewusste Hervorrufen von Gewissensbissen. Trotzdem – oder genau deshalb – schafft er es, die Betrachtenden nachdenklich zu stimmen.

Kintera spricht in der Ausstellung vor allem in Buchstaben zum Publikum. Zu seinem Repertoire gehören aber auch mechanische Skulpturen, Installationen und die Arbeit im öffentlichen Raum. So realisierte er in seiner Heimatstadt Prag die Installation «On one’s own Volition». Dabei handelt es sich um eine nachgebildete Strassenlampe neben einer Brücke, deren Lichtkegel allerdings nach oben Richtung Brücke anstatt nach unten zeigt. Das Werk soll damit als Denkmal für die über 200 Menschen dienen, die dort Suizid begangen haben.

Lauter Baum, kannibalistische Erde

Die Kuratorin Markéta Jáchimová, die selbst auch als Künstlerin tätig ist, kennt Kintera aus ihrer Studienzeit in Prag. Er war ihr Gastdozent an der Akademie für Kunst, Architektur und Design. «Ihm ist es ein Anliegen, dass er viele Leute mit seiner Kunst erreichen kann», sagt Jáchimová. Deshalb hinterlasse er viele seiner Botschaften auf Englisch. Extra für diese Ausstellung hat er aber auch zwei Werke mit deutschen Texten entworfen, darunter die «Flagge der besseren Zukunft»: ein weiteres Werk aus der 3D-Skizzen-Zeichnungsserie, an der er seit über zehn Jahren arbeitet.

Das auffälligste Werk ist allerdings der «nervöse Baum» («Nervous Tree»), der sich lautstark durch den Ausstellungsraum bewegt. Die mechanische Skulptur – von diesem Typ hat Kintera ebenfalls eine ganze Serie gebaut – stellt einem umgekehrten Baum dar, dessen Wurzeln einen Globus als Kopf tragen. Fast wirkt dieser surreale Anblick so, als ob sich die wütende Erde selbst verschlingen würde.

Krištof Kintera hat unter anderem bereits in der National Gallery in Rom ausgestellt sowie in New York, Prag, Berlin und München. Die letzte Einzelausstellung fand 2014 im Tinguely-Museum in Basel statt. Dank der Kali Gallery ist in der Schweiz nach fünf Jahren erstmals wieder ein Einblick in sein Schaffen möglich.

Die Ausstellung läuft bis am 6. Juli. www.kaligallery.com

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