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EMMEN: Hingehauchte Farbflächen

Zwei Jahre hat die Urnerin Maria Zgraggen an der Ausstellung «The Wandering Eye» gearbeitet. Die Essenz ihrer Experimente auf über 100 Papierbögen und an 27 Modellen gibt es im Akku in Emmen zu sehen.
Julia Stephan
Maria Zgraggen, Ohne Titel, 2016. Acryl auf Leinwand, 240 x 370 cm. (Bild: Akku Emmen/PD)

Maria Zgraggen, Ohne Titel, 2016. Acryl auf Leinwand, 240 x 370 cm. (Bild: Akku Emmen/PD)

Erklären, wie man in der Welt von A nach B gelangt, das gelingt den meisten. Selbst in einem abstrakten Kosmos wie der Mathematik gibt es auf solche Fragen – wenn auch komplexe! – Antworten. Doch wie gelangt man als Künstler von A nach B? Lässt sich so ein kreativer Schaffensprozess überhaupt ausbuchstabieren?

Solche Fragen stehen im wahrsten Wortsinn im Raum, wenn man mit der Urner Künstlerin Maria Zgraggen durch die Ausstellungsplattform Akku in Emmen geht. Dort hat die Trägerin des Innerschweizer Kulturpreises 2013 für ihre Einzelausstellung «The Wandering Eye» eine raumgreifende Installation aus Sperrholz geschaffen.

27 Modelle, also jede Menge Denkarbeit, hat es gebraucht, bis dieser Wald aus schlanken, bunt bemalten, sich nach allen Seiten aneinander vorbeibiegenden Spanholzplatten und Röhren ins Gleichgewicht kam. «Zwischen A. und B.» heisst die Arbeit. Wer sich in diesen Spanplattenwald hineinstellt, erhält den Eindruck, als habe er den Bildraum eines von Zgraggens farbigen, grossformatigen Gemälden betreten, stehe in den Leerräumen zwischen den vielen Pinselstrichen und Klecksen, und bekomme nun in 3-D vorgeführt, wie jedes Element mit dem anderen zu tun hat.

Reflexion und Distanzierung

«Ich möchte, dass meine Bilder aussehen wie hingehaucht», sagt Zgraggen. Dafür arbeitet die Künstlerin in ihrem Atelier hoch über der Gemeinde Bürglen mit grosser Ausdauer. Zwei Jahre hat sie an ihren Bildern gearbeitet. Die bis zu vier Meter breiten Gemälde entstanden auf dem Atelierboden. Zgraggen hat sie zur Standortbestimmung regelmässig an der Wand aufgerichtet.

Denn genauso, wie sie ihre Arbeit dem Zufall überlässt, legt die Künstlerin Wert auf Reflexion und Distanzierung. Jedes Element auf den vielfach übermalten Farbflächen provoziert den nächsten Eingriff. Den zu erkennen sei Schwerstarbeit, sagt sie.

Eine Kette dieser «richtigen» Entscheide schafft schliesslich heitere und dennoch ruhige, weil in sich stimmige Farbflächen wie in Emmen, an deren Entstehung der Zufall und die Denkarbeit in Komplizenschaft miteinander gewirkt haben. Es sind Gemälde, die sowohl aus der Nähe wie aus der Ferne vollkommen wirken.

Die Suche nach dem Gleichgewicht

Die sechs grossen Zeichnungen im Kabinett arbeiten mit mehr Weissraum und sind filigraner, die Objekte verschwimmen beinahe auf dem saugfähigen Papier. An die hundert Papierbögen hat Zgraggen für die Suche nach dem Gleichgewicht verbraucht. «Dass dieser Findungsprozess ins Geld geht, muss man beim Arbeiten ignorieren», sagt sie.

Das Papier stammt noch aus der Zeit von Zgraggens Englandaufenthalt in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren, als es die Künstlerin als Studentin von Uri nach England verschlug, wo sie 13 Jahre lebte und später noch einmal für ein Jahr weilte.

Jahrelang lagerte das Material in der Schweiz in einem Luftschutzkeller. Nun hat die Künstlerin, die sich seit 2005 mehr auf objektbezogene Arbeiten konzentriert – man denke an die drei bunten Ovale beim Schwerverkehrszentrum Ripshausen in Erstfeld (2010) oder an die in diesem Jahr im Skulpturenpark in Ennetbürgen eingeweihte, sechs Tonnen schwere Stahlskulptur – wieder den Zeichenstift in die Hand genommen.

Auf Englisch bedeutet «The Wandering Eye» nicht nur ein umherschweifendes Auge, sondern auch den Flirt. Dieser ist in Zgraggens künstlerischer Arbeit ein wichtiger Pfeiler: «Man muss sich dem Ungewissen aussetzen.»

Julia Stephan

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