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EMMENBRÜCKE: Fulminanter «Rigoletto» in der Viscosistadt

Eine neue Intendanz, ein neues Ensemble, eine neue Spielstätte: Die Oper am Luzerner Theater startet fulminant in die neue Spielzeit. Giuseppe Verdis «Rigoletto» erlebt in der Viscosistadt in Emmenbrücke eine überzeugende Premiere.
Blick in die imposante Halle in der Viscosistadt in Emmenbrücke. (Bild Ingo Höhn / Luzerner Theater)

Blick in die imposante Halle in der Viscosistadt in Emmenbrücke. (Bild Ingo Höhn / Luzerner Theater)

Beat Glur, sda

Nicht im Stammhaus an der Reuss, sondern dort, wo ab 1906 während hundert Jahren Kunstseidengarne hergestellt und in die Welt verkauft wurden, geht Verdis tragischer Opernkrimi «Rigoletto» über die Bühne - und das Publikum steht, beim Fest des Herzogs, buchstäblich mittendrin.

Glitzerzeugs, barocke Kostüme, dick aufgetragene Schminke, ein wildes Hin und Her. Der Herzog begrapscht - wie im Libretto vorgesehen - die verdutzten Besucherinnen und klopft den Herren aufmunternd auf die Schulter. Es herrscht Partystimmung im nach oben offenen Erdgeschoss des Gebäudes, in dem früher Nylon und andere synthetische Garne produziert wurden.

Klaustrophober Raum

Danach geht es für die Opernbesucher steile Eisentreppen hinauf zu ihren auf verschiedene Stockwerke verteilten Sitzplätzen. Der mehrstöckige Bau ist Spielstätte und Zuschauerraum zugleich. In dem labyrinthischen Gewirr von Geländern, Röhren und Maschinen turnen die Darsteller auf und ab. Wem die Sicht versperrt ist, kann das Geschehen auch auf grossflächigen Projektionen mitverfolgen.

Bis auf Scheinwerfer und den Projektoren wurde das Industriegebäude in seinem Originalzustand belassen. Mit fortschreitender Handlung und düsterer werdender Stimmung wird die Halle mehr und mehr zum klaustrophoben Raum, in dem die höfische Gesellschaft munter weiter Party macht, dem zunehmend isolierten Rigoletto das Lachen aber immer öfter im Halse stecken bleibt.

Zu spät merkt Rigoletto, dass alle andern, selbst seine über alles geliebte Tochter Gilda, unter einer Decke stecken. Da sich Gilda ausgerechnet in seinen Dienstherrn, den lüsternen Herzog, verliebt, sinnt er auf Rache. Im Bemühen, alles moralisch richtig zu machen, macht er jedoch alles falsch und verschuldet damit auch Gildas Tod.

Standing Ovation

Magdalena Risbergs Gilda ist kein Mauerblümchen, sondern eine freiheitsliebende Göre mit blau gefärbten Haaren. Und mit Claudio Otelli verfügt die Produktion über eine darstellerisch herausragende und stimmgewaltige Titelfigur, die in der Inszenierung von Marco Storman von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Diego Silva als Herzog, der sein berühmtes «La donna è mobile» von oben herab auf die Zuschauer schmettert, sprüht ebenso vor Spielfreude wie das ganze Ensemble. Dirigent Stefan Klingele sorgt trotz der schwierigen Akustik mit dem im Erdgeschoss platzierten Luzerner Sinfonieorchester für einen ausgeglichenen Klang. Das Premierenpublikum spendete eine lang anhaltende Standing Ovation.

Hinweis: «Rigoletto» wird bis am 2. Dezember insgesamt 17 Mal gespielt. Danach wird das Gebäude abgerissen.

Das Luzerner Theater geht in die Viscosistadt. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Es spielt den Opernkrimi «Rigoletto» dort, wo früher industriell Garn gesponnen wurde und und heute mit einer neuen Durchmischung von Industrie, Gewerbe, Bildung, Dienstleistung, Wohnen und Kultur ein neues Kapitel Luzerner Stadtgeschichte beginnt. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Regie führt Marco Storman. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Die Inszenierung spielt in der Pilothalle der Viscosuisse AG in Emmenbrücke. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
An der Produktion mit beteiligt sind auch Studenten des Studiengangs Video der Hochschule Luzern – Design & Kunst. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Premiere war am 16. Oktober, gespielt insgesamt 17 Mal bis am 2. Dezember. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Nach der letzten Vorstellung wird die Halle abgebrochen. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Verdis Oper konfrontiert Wünsche und Bedürfnisse einer Vätergeneration mit den Träumen und dem Aufbruch der Jugend. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
8 Bilder

«Rigoletto» in der Viscosistadt

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