EMMENBRÜCKE: Kunstvolle Warntafeln gegen Krieg und Zerstörung

Die Luzerner Kunsthochschule zeigt Werke von Max von Moos. Der Luzerner Künstler malte und zeichnete besessen und unbeirrbar gegen jegliche Bedrohung an.

Kurt Beck
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Max von Moos: Tuschzeichnung von 1944. (Bild: PD)

Max von Moos: Tuschzeichnung von 1944. (Bild: PD)

Wer sich eine Ausstellung mit Werken des Luzerner Künstlers Max von Moos (1903–1979) ansieht, findet sich nicht unbedingt auf einem erbaulichen Spaziergang durch eine idyllische Bilderwelt wieder. Unheil und noch mehr Unheiles und Versehrtes begegnet dem, der sich mit der Kunst von Max von Moos ausein­andersetzt. So auch in der aktuellen Ausstellung «Max von Moos: Versöhnlich unversöhnlich», welche die Luzerner Kunsthochschule anlässlich ihres 140-Jahr-Jubiläums zeigt. Die Ausstellung umfasst 34 Zeichnungen aus den Jahren 1920 bis 1974.

Überall winden sich Schlangen

Im Ansatz vermag die Präsentation einen Eindruck zu vermitteln vom vielseitigen Schaffen des Künstlers, von seinen zentralen Themen und den wichtigsten Formen und Elementen, wie fratzenhafte Masken, Schlangen, versteinerte Natur und körperliche Deformationen, die sein bildnerisches Œuvre prägen. Diese Kunst ist zugegebenermassen beunruhigend, was durchaus im Sinne des Künstler lag, der seine Bilder als «Warntafeln» bezeichnet hat. Max von Moos sah die Welt und die Menschheit bedroht, gefährdet durch den Rüstungswahnsinn, Krieg und die Atombombe, die es menschenmöglich machte, Himmel und Erde zu vernichten.

Innovativ und stilistisch vielseitig

Max von Moos war zwar auch skeptisch gegenüber der Wirkungskraft seiner Bilder. Glaubte nicht daran, dass seine Bilder Menschen oder gar die Welt verändern können. Dennoch malte und zeichnete er besessen und unbeirrbar gegen die Bedrohung an. Er war ein unermüdlicher Künstler, der jede freie Minute, die er als Direktor der Kunstgewerbeschule erübrigen konnte, künstlerisch nutzte und so rund 25 000 Zeichnungen schuf.

Er war auch ein hervorragender, innovativer und wandlungsfähiger Zeichner, technisch versiert mit stupendem, präzisem Strich. Sicherheit und Sorgfalt bis ins kleinste Detail beeindrucken bei genauem Hinsehen ebenso wie die formale und stilistische Vielseitigkeit.

Schade nur, dass sich die Ausstellung auf so wenige Werke beschränkt. Der nach wie vor unterschätze Künstler und ehemalige Direktor der Schule hätte eine grössere und besser präsentierte Ausstellung verdient – vor allem eine ohne die unsägliche Reproduktion, welche wandgross aufgeblasen die Ausstellung stört.

Kurt Beck

kultur@luzernerzeitung.ch