Als Kinderoper ein bekanntes Stück -  «En schöne Maa, und no dezue riich...»

Über 120 Kinder und Jugendliche werden ab nächster Woche in Peter Maxwell Davies’ «Cinderella» in der Lokremise auf der Bühne stehen. Regisseur Holger Liebig berichtet über die Arbeit mit Kindern – und das Lokalkolorit der St. Galler Inszenierung, hiesige Mundart inbegriffen.

Bettina Kugler
Drucken
Teilen
Holger Liebig mit Cinderella (Vivian Bechtiger) und Plüschkatze. Deren singende Verkörperung zieht im Stück die Fäden. (Bild: Urs Bucher)

Holger Liebig mit Cinderella (Vivian Bechtiger) und Plüschkatze. Deren singende Verkörperung zieht im Stück die Fäden. (Bild: Urs Bucher)

Für das Libretto braucht er keine Übersetzungshilfe. Wenn die drei Töchter der Witwe Hässig synchron mit noch nicht sichtbaren Verehrern tanzen und dazu singen: «Maaaami, mir wänd alli s’Gliich, en schöne Maa, und no dezue riich», dann ist Holger Liebig fast schon Schweizer. Am Rande der Proben jedoch und in der szenischen Arbeit schalten die Buben und Mädchen flink um für ihren Regisseur aus Hamburg.

124 Kinder und Jugendliche machen mit

Mit Kinderopern hat Liebig Erfahrung. Er inszenierte unter anderem Judith Weirs «Geheimnis der schwarzen Spinne» für die Reihe «opera piccola» der Hamburger Staatsoper. Doch so viele Kinder und Jugendliche wie jetzt in «Cinderella» hatte er bislang noch nicht auf der Bühne, hinter und zwischen den Kulissen und im Orchester. Insgesamt 124 Mitwirkende sind mit von der Partie, geprobt wird in zwei Teams. Da heisst es für Holger Liebig ruhig und gelassen bleiben. Und sich auf Mundart einzustellen.

Aschenputtel schuftet als Au-Pair in St. Gallen

Mag Peter Maxwell Davies’ kleine Oper für junge Darsteller auch «very british» sein, so hat sich Liebig für eine Fassung mit Lokalkolorit entschieden, die gut zum Spielort Lokremise passt. Die verschieb- und drehbaren Bühnenelemente verankern das Märchen in der St. Galler Altstadt und rücken den nahen Bahnhof ins Rampenlicht. Stefan Späti hat die Texte in Mundart übersetzt: So werden Cinderella (die hier ein Au-Pair ist, keine Halbwaise), und ihre Widersacherinnen, die Prinzen, Admiräle, Herolde und Katzen reden und singen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das Publikum darf sich in der fröhlich karikierten Märchenwelt wie zu Hause fühlen.

Vor allem Spass, aber auch viele Proben

Spass soll es den Kindern machen, findet Holger Liebig. Dann können sie auch Zuschauer begeistern, die sonst (noch) nicht in die Oper gehen. Darüber hinaus lernen die jungen Darsteller professionelle Arbeit und den Betrieb am Theater kennen: lange, intensive Proben über Monate hinweg, technische Aspekte, Teamgeist, Rücksichtnahme. Im Ernstfall braucht Spielen Spannung und Konzentration. Auch auf der Tribüne soll sichtbar werden, wie Theater funktioniert, wie es mit Schauplätzen und Verwandlungen spielt. «Viele Barrieren, die man beim Inszenieren für Erwachsene im Kopf hat, fallen hier weg.» Der Stoff ohnehin ist barrierefrei: Schon bei Kleinen bekannt – und bei Grossen offen für witzige Spielereien.

Premiere: 15.3., 19 Uhr, Lokremise St. Gallen. Acht Vorstellungen bis zum 30.3.