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Simone Kermes singt von Barock bis Marlene Dietrich - mit viel Power

Für Konzerte in Luzern und Zürich kommt die deutsche Sopranistin Simone Kermes zur Jahreswende in die Schweiz. Ihr Herz schlägt für den Barock – und weit darüber hinaus.
Rolf App
Eigenwillig und gelegentlich in einer Pose wie ihr Vorbild Madonna: Simone Kermes. (Bild: Sandra Ludewig)

Eigenwillig und gelegentlich in einer Pose wie ihr Vorbild Madonna: Simone Kermes. (Bild: Sandra Ludewig)

Den Jahreswechsel wird die Sopranistin Simone Kermes wie viele Künstler unterwegs verbringen. Zusammen mit dem Zürcher Kammerorchester unter Willi Zimmermann wird sie an Silvester im KKL Luzern auftreten, tags darauf dann in der Tonhalle Maag in Zürich. «Viva la Diva» ist das Programm überschrieben, es vereint vieles, was der 48-Jährigen lieb und teuer ist: Händel, dem ihre nächste CD gewidmet ist, Mozart, Rossini, aber auch Operettenkomponisten wie Nico Dostal und Franz Lehár oder den wenig bekannten Barockkomponisten Nicola Antonio Porpora.

Barock ist ein gutes Stichwort für Simone Kermes, die sich bei einer Begegnung keineswegs als jene Diva erweist, deren Parade-Arien sie gerne und oft singt. Weil sie, wie sie sagt, «einfach eine gute Grundlage bilden für meine Stimme. Es war ein Glück, dass ich in die Alte Musik geraten bin. Da war ich wirklich schlau.» Denn, erklärt sie, wer seine stimmliche Technik an der Barockmusik entwickelt habe, könne danach alles singen. «In der Barockmusik bist du nackt, man hört jeden falschen Ton», sagt sie. «In dieser Klarheit ohne zu viel Vibrato und bei diesen Linien musst du ganz anders haushalten.» Und die Koloraturen sind «Spass, Ausdruck von Feuer, Virtuosität und Leidenschaft». Alles andere baue darauf auf, «auch Mozart, Rossini und der frühe Verdi».

«Das war, als wenn Sie zu Helene Fischer gehen»

Simone Kermes liebt die reiche, sinnliche Epoche des Barock, «allein in Neapel gab es da an die zweihundert Theater». Und sie wünscht sich etwas davon durchaus auch für die heutige Zeit. Sie träumt vom alten Griechenland, als die Menschen ins Theater kamen, um zu essen, zu trinken, zu lieben – und zuzuhören. «Das Theater war damals ein richtiges Ereignis. Das war, als wenn Sie heute zu Helene Fischer gehen. Oder zum Fussball.»

Kein Wunder, stellt Simone Kermes der Oper eine ziemlich schlechte Prognose aus. Es sei fünf vor zwölf. Denn: «Wer geht denn heute noch in die Oper?» Junge Menschen ziehe es doch eher ins Kino oder zum Rammstein-Konzert, als in eine langweilige Operninszenierung. Langweilig aber will sie nicht sein. Dann lieber eigenwillig. So tüftelt sie Programme aus, in denen sie Liebeslieder von Monteverdi bis Marlene Dietrich singt und auch mit Tänzern auftritt. «Meine Vorbilder sind Lady Gaga und Madonna», sagt sie, «die haben immer Tänzer.» Die Popmusik ist ein wichtiger Bezugspunkt für Simone Kermes, und auch mit Schlagerstars ist sie schon aufgetreten. Berührungsängste kennt sie nicht. Doch um das reine Spektakel geht es ihr dabei nicht. Sondern darum, Altes neu zu präsentieren, und, mehr noch, im Konzert eins zu werden mit dem Publikum.

«Ich spüre, dass mich mein Publikum trägt»

Simone Kermes macht die Erfahrung: Wenn jemand authentisch wirkt, schätzen das die Leute. «Und sie mögen meine Energie. Ich spüre, dass mich mein Publikum trägt.» Gerade hier in der Schweiz habe sie sehr viele treue Anhänger. «Die sagen: Endlich mal jemand, der ein bisschen Power macht.»

Power, das macht sie auch im Geschäftlichen. Denn Simone Kermes hat sich vom konventionellen Opernbetrieb verabschiedet und ist ihre eigene Herrin geworden. Ihre Jahre am Theater waren Jahre des Lernens und nicht auf Dauer angelegt. Wobei die gebürtige Leipzigerin auch da ziemlich schlau vorgegangen ist. «Als ich auf der Hochschule fertig war, hätte ich mich durchaus an grossen Häusern bewerben können», erzählt sie. «Ich habe aber lieber an kleinen Theatern angefangen – weil mir dort von Anfang an grosse Rollen anvertraut wurden, in denen ich mich entwickeln konnte.»

Die Mutter dachte, sie hat einen Vogel

Dass sie Sängerin werden wollte, und zwar mit aller Kraft, das hat sich früh gezeigt. In Interviews hat sie erzählt, sie sei fünf gewesen, als sie zum ersten Mal träumte, auf der Bühne zu stehen. Als Achtjährige ging sie dauernd in die Bibliothek, um sich Schallplatten auszuleihen. «Beim Hören habe ich einfach mitgesungen. Meine Mutter dachte, ich hab ’n Vogel.»

Aus dem Vogel ist eine schöne Karriere geworden, und, wie man vermuten darf, ein glückliches Leben. Und eine grosse Bereicherung für die Kunst. Neben Simone Kermes wirke ein Auftritt von Cecilia Bartoli wie eine Meditationsübung, schrieb die «Zeit». «Wer es brennen hören will, hält sich eher an die Frau aus Leipzig als an die aus Rom.»

Hinweis

Konzerte mit dem Zürcher Kammerorchester:
• Mo, 31.12., 17 Uhr, KKL Luzern
• Di, 1.1., 17 Uhr, Tonhalle Maag Zürich

Die CD «Mio caro Händel» erscheint im Februar bei Sony.

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